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Ha-ha-ha-ha staying alive! Helene Fischer auf dem Discoregenbogen für ihr neues Album „Rausch“, auf das auch prima getanzt werden kann. Quelle: Sandra Ludewig/Universal Music/d

Helene Fischers (Disco-)Album „Rausch“: die deutsche „Dancing Queen“

Liebe haut rein! Davon singt Helene Fischer im Song „Blitz“. Der Geliebte geht ihr mit zehn Millionen Volt unter die Haut. Die Körper sind wie Magneten, Endorphine werden verströmt, der ganze Kokolores d’amour. Seit Tagen schon hat die Heldin, so behauptet sie jedenfalls, Gänsehaut. Im Refrain bekommt Fischers glockenhelle Stimme dann noch so ein gefährliches Bonnie-Tyler-Kratzen. Der Schlager holt hier aus zum ganz großen Schlag. „Rausch“ heißt das achte Studioalbum von Helene Fischer, das am Freitag (15. Oktober) erschienen ist, nicht von ungefähr.

Denn die Euphorie, die hier rüberkommt, hat einen irgendwann auch am Wickel, wenn man dieses opulente Paket von 18 (auf der Deluxe-Edition sind es 24) Liedern hört. Es pumpen die Beats, die Synthesizer scheinen hell, die Fischer-Disco hat alle Lichter angeworfen. Frei nach dem Songtitel: „Liebe ist ein Tanz.“

„Ich seh’ die Lust in deinen Augen“, singt Deutschlands unzweifelhaft größter Schlager- und Showstar da im Titelsong „und spür‘ 100.000 Explosionen, bitte hör nie auf.“ Sinnlichkeit, die wie im Genre üblich metaphorisch erfasst wird, steht gleichwertig neben Vertrauen und Verlässlichkeit. Die Liebe wird gefeiert im Anfang („Blitz“), im Bestehen („Wenn alles durchdreht“) aber auch im Vergehen („Volle Kraft voraus“) – denn jedem Ende wohnt bekanntlich ein Anfang inne.

Man sucht Helene Fischer in den Liedern

Die Songs würden auch von ihr erzählen, verriet Fischer vorab. Und so sucht man seine Helene in den Liedern – etwa in der souligen Orchesterhymne „Hand in Hand“, wo die Protagonistin vom Glück eines Neubeginns kündet, oder in „Wunden“, wo sie von Chaos, Sorgen, Tränen erzählt – ganz allgemein freilich, ohne Details preiszugeben. Schlager halt – der hält stets zurück, was er verspricht.

Und eine gläserne Helene will sie schließlich auch nicht sein. Medienberichte über eine Schwangerschaft konterte sie auf Instagram mit Worten darüber, wie sie sich auf die bevorstehende Zeit freue, ohne dabei klarzustellen, ob sich diese Vorfreude auch oder vor allem auf Nachwuchs beziehe. Privat ist eben privat. Mal sehen, welche Einblicke sie am Samstagabend um 21.45 Uhr im ZDF gewährt. Die Sendung dort heißt „Im Rausch der Sinne“.

Fischer macht Musik für die bessere Welt

Sing positiv! Fischer zeigt auf „Rausch“ Flagge für Außenseiter („Die Erste deiner Art“), für die Hilfsbereiten („Engel ohne Flügel“) und ganz allgemein für die Weltverbesserung im Menschlichen und Globalen („Wann wachen wir auf“ ist ein Song gegen Spaltung und Egoismus). Alle will Fischer mit der klassischen Schlagerlyrik zu Popmusik unterhaken, keiner darf verloren gehen, und danach geht es gemeinsam bis in den Weltraum: „Vamos a Marte“ (sinngemäß: Wir fliegen zum Mars) heißt ihr Duett mit „Despacito“-Sänger Luis Fonsi, der zuletzt immerhin auf Elvis Costellos Reboot-Album „Spanish Model“ eine spanische Version von „You Belong to Me“ eingesungen hat. Der Puerto Ricaner macht für sie den emotionalen Captain Kirk.

Diese internationale Kollaboration passt. Denn längst schon lässt sich Helene Fischer nicht mehr stilistisch festlegen. Ihr Sound ist Discopop, sie ist die deutsche „Dancing Queen“ der Zehner- und Zwanzigerjahre. In Konzerten hat sie schon früh Abba-Songs und Musicalhits zum eigenen Liedgut gesellt, sie hat mit zahlreichen, auch internationalen Künstlern zusammengearbeitet, sogar mit Brian May und Roger Taylor von Queen, und sie hat Bob Dylans wohl schönstes Liebeslied der letzten 25 Jahre gecovert: „Make You Feel My Love“ – in professioneller Zweisamkeit mit Michael Bolton.

Ab „Kopilot“ 2011 gingen ihre Lieder auch auf Landeanflug ins Hinterstübchen von Nichtschlagerfans. Und „Atemlos durch die Nacht“ von 2013 gehört ja nun zweifelsohne zu den 20 Klassikern der deutschsprachigen Popmusik. Wer das nicht kennt, hat in den letzten acht Jahren ohne Strom im Wald gelebt.

„Und jetzt nimmst du meine Hand / und unser Glück fühlt sich unendlich an / Ich geb’ dir alles von mir / für heute, für immer bleib ich bei dir / durch Höhen und Tiefen, egal, was passiert / ich geb’ dir mein Wort / auf ein Leben mit dir“, schwelgt Fischer in „Alles von mir“. Was klingt, als wär‘s ein Musicalstück aus einem Disneyfilm, könnte natürlich auch ein musikalischer Heiratsantrag sein an Thomas Seitel, den Akrobaten, mit dem Fischer seit 2018 zusammen ist. Aber natürlich fühlt man sich da auch als Fischer-Fan komplett angesprochen.

Auf unser Leben mit Helene! Möge es nimmer enden!

Von Matthias Halbig/RND