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James Bond (Daniel Craig) rettet regelmäßig die Welt. Kann er auch das Kino retten? Quelle: Nicola Dove/Universal Pictures/d

Aufschwung durch Blockbuster: Kann James Bond tatsächlich das Kino retten?

Als James Bond zurück in die Kinos kam, fühlte es sich schon fast so an wie früher: eine Premiere mit verschwenderisch großem roten Teppich. Darüber wandeln Stars, in Samtanzügen, Smoking, Glitzerkleidern. Dabei schien dem letzten Streifen, den Daniel Craig in der Rolle von 007 gedreht hat, schon fast so etwas wie Unglück anzuhaften. Der 53-Jährige verletzte sich bei den Dreharbeiten, eine Explosion ging in der Produktionsstätte hoch, und schließlich musste der Film immer wieder wegen Corona verschoben werden.

Doch all das scheint vergessen zu sein nach diesem fulminanten Start, nach dieser glamourösen Premiere und dem Zulauf in den deutschen Filmkunsttheatern: Etwa 3,7 Millionen Besucherinnen und Besucher haben „Keine Zeit zu sterben“ seit dem Start am 30. September in Deutschland gesehen, wie der Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF Kino) auf Nachfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) mitteilt. Und das, obwohl noch nicht alle Kinos ihre Plätze wieder voll besetzen.

James Bond könnte Vor-Corona-Niveau erreichen

„Wenn es bei diesem Trend bleibt, ist damit zu rechnen, dass Bond von den Besucherzahlen her an den letzten großen Hit vor der Pandemie, ‚Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers‘, anknüpfen wird“, sagt Christine Berg, Vorstand des Verbands HDF Kino. Der Science-Fiction-Streifen kam am 18. Dezember 2019 heraus – und lockte über 5,2 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer in die deutschen Kinos. Zum Vergleich: Für den letzten 007-Streifen „Spectre“, der 2016 zu sehen war, lösten in den ersten drei Wochen etwa fünf Millionen Bond-Fans ein Ticket.

Die Branche scheint nach schweren Pandemiemonaten wieder Hoffnung zu schöpfen. Doch Bond allein kann die Kinosäle nicht füllen – darauf weist der Verband ebenfalls hin. Dafür sind andere große Blockbuster vonnöten: So hat zum Beispiel „Fast & Furious 9″ die Zwei-Millionen-Marke geknackt, der Animationsfilm „Paw Patrol“ lockte 1,4 Millionen Besucher in die Säle, ebenso wie „Dune“. Und die deutsche Produktion „Kaiserschmarrndrama“ hatte 1,2 Millionen Zuschauer in den deutschen Kinosälen.

Hoffnung für Kinobranche

Und so scheint die Branche nach Monaten der geschlossenen Türen wieder Hoffnung zu schöpfen: Das Kino scheint sich tatsächlich auf gutem Wege zu befinden. „Wir freuen uns im Moment über eine ganze Reihe toller, erfolgreicher Filme, die belegen, wie sehr die Zuschauer das Kino vermisst haben und wie gern sie wiederkommen“, so Berg weiter. Doch mahnt sie auch, dass die finanziellen Schäden, die die langen Schließungen ausgelöst hätten, dadurch noch lange nicht kompensiert seien.

Kleinere Kinos würden aber nicht unbedingt von Blockbustern profitieren: Das berichtet der Betreiber des Nürnberger Kinos Casablanca, Matthias Damm, der Deutschen Presse-Agentur: „Der Bond hat uns eher negativ betroffen“, sagte Damm. Er ziehe viel Aufmerksamkeit auf sich, was für die kleineren Filme nicht gut sei. Außerdem sei das Angebot parallel zu solchen Blockbustern immer dünn. Trotzdem ist er zufrieden. „Im Moment sind wir bei 70 bis 80 Prozent der üblichen Zahlen zu dieser Jahreszeit, was schon sehr ordentlich ist.“

„Black Widow“ hatte im Juli noch einen zögerlichen Start

Laut der bayerischen Digitalministerin Judith Gerlach (CSU) machten die Kinos bundesweit zwischen dem 1. Juli, also dem Tag der Wiedereröffnung, und dem 14. Oktober mehr als 219 Millionen Umsatz mit 24,8 Millionen verkauften Tickets. Die Zahlen stellte sie in dieser Woche im Ausschuss des Bayerischen Landtags für Wissenschaft und Kultur vor. Als erster großer Blockbuster nach dem Lockdown gilt der Marvel-Film „Black Widow“ mit dem Starttermin 1. Juli. Hier waren Ticketverkäufe allerdings im Vergleich eher enttäuschend: Laut HDF Kino lösten nur etwa 513.000 Besucherinnen und Besucher in den ersten drei Wochen eine Karte für den Film. Doch müssen coronabezogene Innenraumskepsis oder Sommersonne draußen nicht unbedingt die einzigen Gründe für die eher mauen Zahlen sein. Der Verband gibt zu bedenken, dass „Black Widow“ zeitgleich zum Kinostart auch beim Streamingdienst Disney+ zu sehen war – und deswegen in einigen deutschen Kinos gar nicht erst anlief.

Kleinere Filmproduktionen noch auf Hilfen angewiesen

Auch Autorenfilme profitieren noch nicht unbedingt von der wieder aufkommenden Kinolust: Christian Pfeil vom Vorstand der AG Kino Gilde Deutscher Filmkunsttheater gibt gegenüber der dpa zu bedenken, dass bei kleineren Produktionen noch viel Arbeit nötig sei, damit diese auf das Niveau vor der Corona-Krise kommen. Hier sei eine Wiederanlaufhilfe sinnvoll, um den Leuten kompliziertere Filme schmackhaft zu machen.

„Alles in allem ist Kino trotz der zum Teil noch weiter geltenden Kapazitäts- und Auflagenbeschränkungen auf einem sehr guten Weg,“ sagt Christine Berg vom HDF-Kino-Vorstand. Wenn sich der Trend fortsetzt, könnten Blockbusterfilme wie „James Bond“ tatsächlich das Kino retten.

Von Geraldine Oetken/RND