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Aus Zuneigung wird Eifersucht: der Kapitän (Gijs Naber) und seine Frau (Léa Seydoux). Quelle: Verleih

Von Liebe und Kontrolle – das Kinodrama „Die Geschichte meiner Frau“

Eigentlich war es nur eine Wette. Der niederländische Kapitän Jakob Störr (Gijs Naber) verspricht einem Freund launig, die erste Frau zu heiraten, die das Lokal betritt. Es ist die schöne Französin Lizzy (Léa Seydoux), die amüsiert den überraschenden Heiratsantrag akzeptiert. Auftakt zu Szenen einer Ehe in sieben manchmal mit rätselhaften Titeln versehenen Kapiteln. In knapp drei Stunden, die ein Höchstmaß an Geduld erfordern, führt Ildikó Enyedi durch Hölle und Himmel einer Beziehung aus der Per­spektive des sukzessive von Eifersucht geplagten Mannes.

Basierend auf dem 1942 erschienenen einzigen Roman von Milán Füst begegnen sich zwei gegensätzliche Menschen – trotz flammender Leidenschaft gefangen in emotionaler Unsicherheit, die sich zu Misstrauen und Missverständnissen steigert. Wie unter einem Mikroskop zerlegt die Ungarin die Persönlichkeitsfacetten der Liebenden: Er, der Besitzergreifende, sie, die Freiheitsliebende.

Dabei bleibt offen, ob seine Zweifel berechtigt sind, ob sie Opfer gesellschaftlicher Rollenbilder ist oder Vorreiterin für die Rechte der Frau. In dieser Parabel auf das Ende des Patriarchats hat das Unausgesprochene mehr Gewicht als die manchmal kurzen Dialoge.

Im gediegenen bürgerlichen Ambiente opulent gefilmt, lässt das Drama auch den Hedonismus der wilden 1920er-Jahre nicht aus. Doch irgendwann dominiert Langatmigkeit. Am Ende steht die lapidare Erkenntnis über das Scheitern menschlicher Versuche, das Unkontrollierbare zu kontrollieren.

„Die Geschichte meiner Frau“, Regie: Ildikó Enyedi, mit Léa Seydoux, Gijs Naber, 169 Minuten, FSK 12

Von Margret Köhler/RND