Donnerstag , 27. Januar 2022
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Valérie Donzelli in einer Szene des Films „Notre Dame". Quelle: Wfilm

Mit Karacho durch Paris: die charmante Komödie „Notre Dame“

Zwei Kinder und alleinerziehend, Stress im Beruf und einen Stinkstiefel als Chef, dazu ein luschiger Ex-Mann und dann noch schwanger im vierten Monat. Schlimmer kann es nicht kommen. Doch aus dem Stoff für ein Jammerdrama zaubert Valérie Donzelli als Autorin, Regisseurin und Haupt­darstellerin eine charmante Komödie über verschlungene Lebenswege – und gleichzeitig eine Reverenz an das Musicalkino von Jacques Demy.

Die Pariser Architektin Maud Crayon jongliert zwischen Job, Haushalt und Kinder­erziehung, das Selbst­bewusstsein köchelt auf Sparflamme. Und dann das: Durch ein Versehen gewinnt sie die Ausschreibung für die Neugestaltung des Vorplatzes von Notre Dame samt Metroeingang und Springbrunnen. Ein Großauftrag, der sie in die Öffentlichkeit katapultiert. Dass ausgerechnet ihre Jugendliebe als Journalist mit dem bezeichnenden Namen Bacchus (Pierre Deladonchamps) auftaucht, sorgt für Schmetterlinge im Bauch und heikle Situationen.

Dieses moderne und vor Ideen platzende Märchen ist eine Hommage an die Seine-Metropole und ihre überdrehten Bewohner, vor allem aber an das Wahrzeichen der Stadt, die majestätische Kathedrale (vor dem Feuer). Wenn die chaotische Heldin mit Leichtigkeit und Karacho über Liebes- und sonstige Baustellen rauscht, ganz emanzipiert lernt, auch mal Nein zu sagen, und dann beim Happy End mit ihrem Herzensprinzen auf dem Rad wie einst E.T. in den Himmel abhebt, geht der Wohlfühl­faktor durch die Decke.

„Notre Dame“, Regie: Valérie Donzelli, mit Valérie Donzelli, Pierre Deladonchamps, 89 Minuten, FSK 12.

Von Margret Köhler/RND