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Poetin Amanda Gorman hat ein neues Gedicht veröffentlicht. Quelle: imago images/Lagencia

Amanda Gorman appelliert in Gedicht zum neuen Jahr an Zusammengehörigkeit

New York. Die Lyrikerin Amanda Gorman hat in einem Gedicht zum Jahreswechsel die Vision einer Zukunft entworfen, in der Streit und Hass überwunden werden. Die 23-Jährige knüpft damit an ihr bei der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden vorgetragenes Gedicht „The Hill We Climb“ an, in dem sie Amerika als „nicht gebrochen, sondern einfach unvollendet“ beschrieb.

In einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AP erklärte Gorman, „Chaos und Instabilität“ im zu Ende gehenden Jahr hätten sie davon abgehalten, nach ihrem Erfolg bei der Amtseinführung „wieder zur Tagesordnung“ überzugehen. Sie hätten sie stattdessen dazu gebracht, dafür zu kämpfen, dass sie überwunden werden. Sie bezog sich auf Maya Angelous Gedicht „Human Family“ und erklärte: „Eine Familie zu sein, ein Land, erfordert nicht, dass wir gleich sind oder in allem übereinstimmen, nur, dass wir weiter versuchen, das Beste im anderen zu sehen und uns vorwärts in eine geteilte Zukunft bewegen. Ob wir es mögen oder nicht, wir sind hier zusammen drin.“

Sie habe ein Gedicht schreiben wollen, „dass die Nöte, Verletzungen, Hoffnung und Heilung 2021 würdigt und ebenso dem Potenzial von 2022 lauscht“. Sie denke, das Wichtigste, woran uns das neue Jahr gemahnt, drücke die alte Weisheit aus: „Das wird auch vorübergehen. Man kann denselben Tag nicht zwei Mal erleben, das heißt, jeder Morgen ist ein neuer und jedes Jahr eine Gelegenheit, ins Licht zu treten.“

Der englische Wortlaut von „New Day‘s Lyric“:

May this be the day

We come together.

Mourning, we come to mend,

Withered, we come to weather,

Torn, we come to tend,

Battered, we come to better.

Tethered by this year of yearning,

We are learning

That though we weren’t ready for this,

We have been readied by it.

Steadily we vow that no matter

How we are weighed down,

We must always pave a way forward.

This hope is our door, our portal.

Even if we never get back to normal,

Someday we can venture beyond it,

To leave the known and take the first steps.

So let us not return to what was normal,

But reach toward what is next.

What was cursed, we will cure.

What was plagued, we will prove pure.

Where we tend to argue, we will try to agree,

Those fortunes we forswore, now the future we foresee,

Where we weren’t aware, we’re now awake;

Those moments we missed

Are now these moments we make,

The moments we meet,

And our hearts, once all together beaten,

Now all together beat.

Come, look up with kindness yet,

For even solace can be sourced from sorrow.

We remember, not just for the sake of yesterday,

But to take on tomorrow.

We heed this old spirit,

In a new day’s lyric,

In our hearts, we hear it:

For auld lang syne, my dear,

For auld lang syne.

Be bold, sang Time this year,

Be bold, sang Time,

For when you honor yesterday,

Tomorrow ye will find.

Know what we’ve fought

Need not be forgot nor for none.

It defines us, binds us as one,

Come over, join this day just begun.

For wherever we come together,

We will forever overcome.

RND/AP