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Das Kunsten Museum of Modern Art in Aalborg, Dänemark. Quelle: KUNSTEN Museum of Modern Art Aalborg (CC BY-SA 3.0)

„Take the Money and Run“: Dänisches Museum verklagt Künstler für leere Leinwände

„Take the Money and Run“ („Nimm das Geld und hau ab“): So hatte der Kopenhagener Künstler Jens Haaning sein neues Werk genannt und zumindest den ersten Teil wörtlich genommen. Weggelaufen ist er nicht, das Geld sei aber in seinem Besitz, sagt er heute. „Vielleicht liegt es auf einem Bankkonto, vielleicht habe ich es auch im Wald vergraben.“

Ursprünglich sollte Jens Haaning für die Ausstellung „Work It Out“ über Arbeitswelten im Museum Kunsten ein früheres Werk neu auflegen, das in zwei Bilderrahmen das durchschnittliche Jahresgehalt in Dänemark mit dem in Österreich vergleicht – mithilfe von Geldscheinen. Die Scheine dafür lieh sich der Künstler vom Museum. Als die Kuratoren die Rahmen aber auspackten, waren sie leer. „Das Werk ist, dass ich das Geld genommen habe“, sagt Haaning. Damit wollte er gegen den aus seiner Sicht zu niedrigen Lohn protestieren, den ihm das Museum für seine Arbeit zahlen wollte.

Museum ließ leere Rahmen aufhängen

Somit passe das neue Werk – auf seine eigene Art – in die Ausstellung, entschied Museumsdirektor Lasse Andersson, nahm den Coup zunächst mit Humor und ließ die leeren Rahmen sowie eine erklärende Mail vom Künstler selbst aufhängen. In den folgenden Monaten prasselten auf das Museum Interviewanfragen etwa von der „New York Times“, der „Washington Post“ und der BBC ein.

„Ungeachtet dessen, ob Mediennutzer das Werk ‚Des Kaisers neue Kleider‘ oder ‚einen Geniestreich‘ nennen – so hat es richtig viele Menschen auf der ganzen Welt dazu gebracht, sich mit moderner Kunst zu beschäftigen und es hat sie Kunst erleben lassen“, schreiben die Museumsverantwortlichen auf der Webseite des Museums. „Und das ist ja im Grunde genommen das, wozu Kunsten und andere öffentliche Kunstmuseen da sind.“

Dass es sich bei dem Skandal um das Kunstwerk um einen von langer Hand geplanten PR-Stunt handelt, bestreitet Lasse Andersson aber. Bis zuletzt hatte der Museumsdirektor geglaubt, Haaning werde das Geld doch noch zurückgeben. Als aber die Ausstellung am vergangenen Wochenende endete und somit die Rückgabefrist für Haaning ablief, fehlte von den Scheinen weiter jede Spur.

Künstler ist sich keiner Schuld bewusst

Deshalb will das Museum jetzt Zivilklage gegen den Künstler einreichen. „Das ist eine unglückliche Geschichte, die wir am liebsten im Dialog mit Jens Haaning gelöst hätten“, sagt Museumsdirektor Lasse Andersson laut einer Pressemitteilung. „Die Künstler sind unsere wichtigsten Zusammenarbeitspartner, deshalb ist das keine Situation, über die wir froh sind.“

Jens Haaning dagegen ist sich keiner Schuld bewusst. „Ich habe nichts Kriminelles gemacht“, sagt der Künstler. „Ich hab nur einen Vertrag nicht eingehalten.“ Indem die Kuratoren das neue Werk aufgehängt hätten, habe das Museum es akzeptiert. Damit sei die Sache für ihn erledigt.

Während das Museum mit der Klageankündigung nun erneut die Aufmerksamkeit der Medien auf sich ziehen wolle, habe Haaning nur den Fokus auf seine eigene Situation lenken wollen. „Und ich fordere andere Menschen, die genauso kümmerliche Arbeitsverhältnisse haben wie ich, auf, dasselbe zu tun. Wenn ihr in irgendeinem Scheißjob sitzt und kein Geld bekommt, sondern für eure Arbeit noch draufzahlen müsst, dann nehmt das Geld und haut ab. Das ist eine allgemeine Aufforderung.“

Von Julia Wäschenbach/RND