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Holte das „schwarze Woodstock“ aus der Vergessenheit: The-Roots-Schlagzeuger und Hip-Hop-Produzent Questlove hat die Doku „Summer of Soul“ gedreht. Jetzt ist der zugehörige Soundtrack erschienen. Quelle: Getty Images

Neue Alben von Tocotronic, Falco, Eels, Yard Act und Jethro Tull

Meat Loaf forever! Nachdem der Pomp’n’Roll-Mann am 20. Januar gestorben war, möglicherweise an Covid, hörte man erstmal nur noch dessen Debütalbum „Bat out of Hell“ – zuvörderst „Paradise by the Dashboard Light“. Wann wurde je ein witzigeres Lied über Teenage-Lust geschrieben? Eine Achtminuten-Rock’n’Roll-Operette mit Musicalrefrain, funkigem Mittelteil und Bruce Springsteens E-Street-Band-Keyboarder Roy Bittan, der das Pianoforte qualmen lässt wie weiland Jerry Lee Lewis. Eingestiegen ist „Bat out of Hell“ jetzt in den US-Charts auf 13 – das ist ein Platz höher als damals beim ersten Erscheinen.

Irgendwann, als dann ein gewisses Meat-Loaf-Völlegefühl eingetreten war, besann man sich wieder auf andere Platten, ging dabei jedoch zunächst noch weiter zurück in der Zeit – ins Jahr 1969, als im New Yorker Stadtteil Harlem ein „schwarzes“ Musikfestival stattfand, parallel zu Woodstock, das ein Manifest der Bürgerrechtsbewegung hätte werden können. Leider gab es keine Lobby, niemand im „weißen Amerika“ wollte damals einen „schwarzen Musikfilm“ daraus machen, niemand ein Album dazu veröffentlichen. Zu viel sozialer Sprengstoff. So verhallte der Ruf der sechs Tage von Harlem. Bis im Vorjahr doch noch eine Doku erschien – und jetzt der Soundtrack folgt, mit dem unsere heutige Reviewrunde beginnt.

„Summer of Soul“ – Ein Album für ein vergessenes Festival

Warum er den Blues singt, verriet B. B. King 1969 beim dritten (und letzten) Harlem Culture Festival, und ließ seine Gitarre Lucille zum Bläserbacking singen. Weil es noch notwendig war, weil sich seit den Tagen der Sklavenschiffe nicht viel geändert hatte, weil die Schwarzen der USA immer noch mehrheitlich in ärmlichsten Verhältnissen lebten, an den Rand der Gesellschaft gedrängt und unterdrückt wurden. Das verkündete B. B. King, und nicht nur sein Beitrag machte das Fest, das an sechs Tagen (Juni bis August) im Mount Morris Park stattfand, zur Sternstunde der schwarzen Selbstvergewisserung. Als „schwarzes Woodstock“ bezeichnet – das mythische Rockfest fand parallel statt – und von 300.000 Menschen besucht, geriet das Festival bald wieder in Vergessenheit, auch weil kein US-Sender oder Filmverleih bereit war, das Filmmaterial zu einer Doku zu verdichten. Gesichert wurde die Veranstaltungsreihe damals von Kräften der Black-Panther-Bewegung – zum einen, weil das NYPD Dienste verweigerte, zum anderen, weil die schwarze Community die Polizei ihrer Stadt fürchtete. Nur weitere Gründe für B. B. King, den Blues zu singen.

Seit vorigem Sommer ist die Festivaldoku „Summer of Love“ des DJs und Musikers Questlove über das Festival beim Streamingdienst Disney+ zu sehen. Und jetzt erscheint der zugehörige Soundtrack, der mit dem ekstatischen Funkburner „Uptown“ der Chambers Brothers aus Mississippi beginnt. Wiewohl nur ausschnitthaft, so sind doch einige der Höhepunkte dieser Reise durch die „black music“ jener Tage, durch die Lande von Blues, Jazz, R&B, Soul, Gospel und Funk zu hören. Darunter sind damalige Welthits wie „Aquarius/Let The Sunshine in“ von The 5th Dimension (aus dem Musical „Hair“) und „Oh Happy Day“ von den Edwin Hawkins Singers. Aber es gibt auch einzigartige Momente: Mahalia Jackson und Mavis Staples erinnern mit einem schmerzvoll ausgeworfenen „Take My Hand, Precious Lord“ an den im Jahr davor ermordeten Martin Luther King (es war sein Lieblingslied). Und Nina Simones kämpferische Rezitation von David Nelsons Poem „Are You Ready, Black People?“ zeigt die Hohepriesterin des Soul als toughe Aktivistin. Es ist die Frage einer schwarzen Frau im vermeintlich fortschrittlichsten Land, in dem man wegen seiner Hautfarbe getötet werden kann. Das Echo jener Frage, die Simone wie ein perkussives Gebet darbietet, reicht bis in unsere Tage – bis zu Eric Garners und George Floyds „I can’t breathe …“.

Diverse – „Summer of Soul (Or When the Revolution Could Not Be Televised)“ (Legacy/Sony)

Yard Act - Debütanten aus Leeds mit großer Zukunft

„Die letzte Bastion, die von dieser einst großen Nation übrigblieb, war ihr Humor“, sprechsingt James Smith, Frontmann von Yard Act, deren postpunkiger, dancepunkiger, pulpig-discofunkiger Gitarrenrock voller bissigem, bösen, wunderbar befreiendem Brit-Witz ist. Das 2019 in Leeds gegründete Quartett zu dem noch der soundprägende Bassmann Ryan Needham, Gitarrist Sam Shjipstone und Schlagzeuger Jay Russell zählen, wurde von Island designt. Große Plattenfirmen kapern also doch nicht nur noch Formelpopkünstler, bei denen jeder Song gefühlt 15 Autoren hat, damit es klingt wie alles andere auch. Yard Act sind schräg, schrammelnd, scheppernd. Völlig unkonventionell, definitiv kein Mainstream. Und sie grooven wie Hölle.

Wie aus dem Nichts kommt die 2019 gegründete Band, diese Erben von Billy Bragg, Mark E. Smith und Talking Heads. Und sie verpassen dem Post-Brexit-Britannien mit ihren Protagonisten und deren Geschichten köstliche Maulschellen. Darf man dem Alpha-Businessmann in „The Incident“ trauen, wenn er sich am Songende als „irrelevant“ bezeichnet? Und wie schlimm ist Reichtum, wenn er den Erwerber so paranoid macht wie den Neureichen in „Rich“? „Tall Poppies“ stellt anhand eines Fußballcracks, der sich für ein biederes Frau-&-Kinder-Leben entscheidet und früh stirbt, die Frage nach dem Sinn des Lebens. Das Album macht seinen Hörer nachdenklich, schwerherzig, wütend, aber zugleich vergnügt und erfüllt ihn mit Tanzlust. Der letzte Satz des letzten Songs „100% Endurance“ – „Alles, was du je gebraucht hast, um zu existieren, war immer in dir drin“ – ist dann ein Sonnenstrahl, ein „All you need is love“ für unsere Zeit. Prognose: Große Zukunft!

Yard Act – „The Overload“ (Island/Universal)

Madrugada und die wohlige Melancholie

Madrugada träumen bis zum Morgengrauen von melancholischen Schafen, die sich vor der ersten Hürde hinlegen. Im 15. Jahr nach dem Tod ihres Gitarristen Robert Buras melden sich die Norweger mit dem portugiesischen Bandnamen mit einem neuen Album zurück. „Chimes at Midnight“ heißt es, und ihr Mitternachtsgeläut deutet zwar an, dass es auch für Madrugada schon später als fünf vor zwölf ist, was das menschengeprägte Weltgefüge betrifft. Aber dem wird nur insofern Rechnung getragen, als man die in den Isolationszeiten gewachsene Trübsal in den Liedern spiegelt. Die Liebe wird gesucht, verloren und vermisst, die Zweisamkeit ist die potenzielle Bastion gegen die Unbilden der Zeit, nur leider wird diese Erkenntnis nicht immer von beiden Partnern geteilt. „Du könntest so viel für die Liebe tun“, barmt Sänger Sivert Hoyem in „The World Could Be Falling Down“, in dessen Titel die irritierende Gegenwart nur angesprochen wird, um die Unveränderlichkeit seiner Gefühle zu illustrieren.

Ein Bariton, eine traurig-schöne Melodie in vornehmlich getragenem Tempo (einzig „Empire Blues“ schert mit dezentem Countryflair aus) und zum klassischen Bandinstrumentarium noch die umarmende Ausstrahlung eines Streichquartetts. Madrugada machen bei ihrer Wiederkehr, was sie bis zu ihrem langen Abschied kultiviert hatten: Schönheit zu schaffen aus der Schwermut – ganz in der Tradition von Roy Orbison, den Walker Brothers, manchmal – wie im Opener „Nobody Loves You Like I Do“ – von Depeche Mode. Die Traumschafe liegen vor den Hürden, seufzen schwer und wohlig und lauschen diesen Liedern.

Madrugada – „Chimes at Midnight“ (Madrugada Music/Warner)

Die Eels und der Optimismus der Novemberbiene

Die Eels waren die Band des Jahres 1995. Als Mark Oliver Everett alias E in den kleinen Klubs der Republik das lyrisch düstere, indierockig-verspielte Debüt „Beautiful Freak“ dann auch noch live vorstellte, mit die Texte konstrastierendem Kinderpiano, Telefonmikrogesang und Spielzeugglöckchen, war man rundum verzückt. Ähnlich elektrisierten die Eels dann erst wieder 2001 auf „Souljacker“ (der Titel bezog sich auf einen Psychokiller, der glaubte, seinen Opfern die Seele rauben zu können). Hier waren sie wieder – der Geist, die Grooves und Kraft des phänomenalen Erstlings.

20 Jahre später ist Everett erneut mit „Souljacker“-Produzent John Parish vereint, und auf „Extreme Witchcraft“, dem nun schon zweiten Pandemiealbum der Eels nach „Earth to Dora“ (2020) gelingt den beiden ein weiteres Mal ein ziemliches Energiepaket. Das Songmaterial ist rau und rockt, ist folkig („Learning While I Lose“), bluesig („Steam Engine“) beatlesartig („What It Isn‘t“), richtig indie-heavy („The Magic“) oder mit Gaspedal durchs Bodenblech („Good Night on Earth“). Ob die frohgemute Ungebundenheit in „Strawberries and Popcorn“ (der von der einst Liebsten zurückgelassene Protagonist erfreut sich daran, mal sanktionslos die schlammigen Schuhe hochlegen zu können) oder der Optimismus der Novemberbiene in „Stumbling Bee“ („Ich werde meinen Weg finden“) tatsächlich eine seelische Neuausrichtung des notorisch dunklen Songwriters bedeuten oder nur eine Ausprägung der über alle Maßen anhaltenden, ungewöhnlichen Zeitblase von Corona sind, wird die Zukunft weisen. Vor Everetts extremen Zaubereien ziehen wir zur Stunde erstmal den Hut.

Eels – „Extreme Witchcraft“ (E-Works/PIAS)

Jethro-Tull-Comeback – Ian Anderson lässt der Querflöte freien Lauf

Vielleicht wollte Ian Anderson nicht, dass ein Weihnachtsalbum das letzte Lebenszeichen von Jethro Tull sein würde – immerhin einer der innovativsten und wandelbarsten Rockgruppen, die in der extrem fruchtbaren zweiten Hälfte der Sechzigerjahre gegründet worden waren. So hat er nun – 19 Jahre später – statt eines weiteren Soloalbums – mit einer neuen Tull-Formation (nicht einmal Gitarrist Martin Barre ist dabei) „The Zealot Gene“ eingespielt. Zeloten, man erinnert sich an den Reli-Unterricht, waren antirömische Widerständler und religiöse Eiferer – die für die Pharisäer ihr blutiges Handwerk verrichteten.

Es geht in den Songs zumeist um die conditio humana: Andersons Songs werden gefasst durch biblische Verse, durchwirkt von biblischen Spuren, was nicht immer einfach nachzuvollziehen ist. Besser man koppelt das Heilige Buch ab, und lässt sich von Andersons sonorer, immer noch ausdrucksstarker Stimme einfach von den betrunkenen Mädchen in der Gosse erzählen („Sad City Girls“), von den sinistren Populisten unserer Tage und ihrem unseligen Wirken („The Zealot Gene“) und hört die Elfterseptemberfragen an, die Anderson an „Mrs. Tibbets“ richtet (Enola Gay Tibbets war die Mutter des Bomberpiloten, der den nach ihr benannten B-29-Bomber mit der Atombombe nach Hiroshima flog). Musikalisch ist das alles allerfeinstes Tull-Gewebe. Die Folkrock- und Progrock-Tull dominieren, aber es gibt auch Spuren der Hardrock-Tull und sogar der (nicht ganz so geliebten) Synth-Tull. Wichtig ist: Die Flöte ist unheimlich dominant. Anderson lässt das Markenzeichen der Band hell jubilieren und dunkel und energisch frutten. Dass der inzwischen 74-jährige Rock’n’Roll-Flamingo Anderson dabei nicht mehr auf einem Bein stehen kann – wen schert Gymnastik?

Jethro Tull – „The Zealot Gene“ (Sony)

Jamestown Revival auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Anmutig ist die Folk- und Countryschmelze, die die texanischen Kindheitsfreunde Jonathan Clay und Zach Chance auf ihrem vierten Album offerieren. 2010 haben sie sich zum Duo Jamestown Revival (plus Banderweiterung) zusammengetan und seither sind sie unterwegs im Dienst von Liebe, Harmonie und Traurigkeit. Es geht auf „Young Man“ um die Zeit, die dem Menschen eins auswischt, um das Verschwinden der Jugend, um ein Leben entlang von Erinnerungen. „Sohn, du schaust auf und bist alt“, hat der Vater dem Protagonisten von „Moving Man“ seine Erfahrung aufgetischt (der Song hat dabei – ungelogen – viel Prince im sachten Groove). Und im Titelstück fragt der Sänger, wohin sein jüngeres, klareres Ich verschwunden ist. Das Gesicht, das er damals im Wasser sah, ist ein anderes geworden, die Zeiten sind schwerer. „These Days“ schaukelt den Hörer mit seinem Pendelrhythmus durch die Pandemie, wie Clay und Chance sie erlebten – eine Zeit von Depression und kreativer Lähmung.

„Young Man“ ist im Sound kein Sturm-und-Drang-Werk, wie der Titel vielleicht vermuten ließe, sondern (anders als seine Vorgänger) ein leises, rein akustisches Werk voller schleichender, walzernder, muckeliger, indes keineswegs eintöniger Musiken, die sich „anlehnen“ an Crosby, Stills & Nash, Sutherland Brothers & Quiver, America und The Band. Und „Way It Was“ ist eindeutig ein Brüderchen von Kris Kristoffersons „Me and Bobbie McGee“. „Lehn dich zurück und genieße die Fahrt“, heißt es in „Northbound“. Tja, genau!

Jamestown Revival – „Young Man“ (Jamestown Revival Recordings)

Tocotronic und der Kern des Friedens

„Nie wieder Krieg“ – das ist das Tocotronic-Postulat zur Stunde, in der es ja ausschaut, als wolle ein gekränkter alter Mann im Osten seinen Platz in den Geschichtsbüchern mit ebendiesem in unserem Teil der Welt überkommen geglaubten Mittel sichern. „Das ist doch nicht so schwer“, weiß Sänger Dirk von Lowtzow im Titelsong des neuen Albums und meint das natürlich viel persönlicher in dieser Ballade mit ihrem ernsten Klavier und ihrem herrlich dicken Glockengeläut. Dass der Mond auf uns herabschaut ist tröstlich wie alles an diesem Text: „Nie wieder Krieg in dir, in uns, in mir.“ Das wäre die Essenz von Frieden. Und: Tolle Melodie, Tocotronic!

Das gilt für praktisch alles hier – auch für das befreiende Neil-Young-Lärmen in „Komm mit in meine freie Welt“ und für den hochenergetischen Slow-Twist von „Jugend ohne Gott gegen Faschismus“ (Gitarrensolo-Applaus!), für das schräge Schrammeln von „Ich gehe unter“ und vor allem für den zauberhaften gläsernen Folk des verwunschenen Liebeslieds „Ich tauche auf“ (mit Anja Plaschg alias Soap&Skin – das erste Toco-Duett). „Nie wieder Krieg“ ist ein Liederbuch, das den Krisen unserer Tage Rechnung trägt. Im Bonustrack „Ein Mann zerfällt“ findet die Vereinzelung und Vereinsamung vieler in den Zeiten der Pandemie Widerhall. Dagegen setzen Tocotronic in der wunderschönen, streicherumflorten Ballade „Hoffnung“ dieselbe und Lowtzow singt das in typisch tocotronisch-neusachlicher Art als Werkstattbericht („In jedem Ton liegt eine Hoffnung / eine Aktion in jedem Klang“). Am Ende walzert noch die „Liebe“. Fast würde man’s romantisch nennen.

Tocotronic – „Nie wieder Krieg“ (Vertigo Berlin)

Billy Talent, der Schmerz und die Gebete

Der Tod sitzt auf einem Motorrad, und hinter ihm steigt ein Atompilz auf. Das neue Billy-Talent-Album „Crisis of Faith“ hat ein Cover, das das Gefühl für die Tage von Pandemie und Spazierdenkertum illustriert, von nicht vollherzigem Kampf gegen Erderwärmung, von Populisten und ihren vernagelten Gefolgschaften. Nichts läuft rund, und Sänger Ben Kowalewicz ist – songweise – stinkwütend. Im rasenden „Judged“ rechnet er mit dem weißen „goddamn motherfucker with an old world plan“ im Nachbarland USA ab, mit Rassismus bis hin zum Ku-Klux-Klan. Und im Uptempo-Rocker „Reckless Paradise“ geht es um die „Welt, aus der sich der Anstand verabschiedet hat“. Wieder zielen BT zuvörderst gegen die USA, gegen Waffenmissbrauch und Politiker, die nur reden und nichts tun. „Eure Gedanken und Gebete können den Schmerz nicht lindern“, schreit Kowalewicz.

Der Sound der Kanadier ist viele – reicht von Punk („Judged“) bis Funkpunk („Hanging out with All The Wrong People“) und verbindet im Opener „Forgiveness I + II“ ruppigen Hardrock in der ersten Hälfte mit Progrock in der zweiten, wobei das entspannte Saxofonsolo frappierend an Pink Floyds „Shine On You Crazy Diamond“ erinnert. Billy Talent beweisen zudem ein weiteres Mal ein Händchen für große Popmelodien – sei es in der traurigen Abschiedsballade „The Wolf“, oder in „I Beg to Differ (Things Will Get Better)“, das nicht nur durch die Duettstimme von Rivers Cuomo weezeresk rüberkommt. Ein Mitgröler ersten Ranges ist dann das abschließende „For You“. „Ich werde dein Fallschirm sein, wenn dich der Wind zu hoch reißt“, heißt es da. Eine Band mit einem Herz aus Gold.

Billy Talent – „Crisis of Faith“ (Warner)

Falcos Hits - mit Mut zur Lücke

„Hey, das waren Zeiten, when Hard Rock was Hard Rock“, sang Falco 1986 im Song „The Sound of Musik“, der vielleicht seine schönste Single war – eine Walze von Soulnummer. Man pflichtete Falco auch lyrisch bei, damals wurden die alten Hardrocker ja schon verboten poppig. Es waren aber auch die Zeiten, in denen Johann Hölzel, der am 19. Februar 65 Jahre alt geworden wäre, einer der Coolsten deutscher Zunge war und Wave, Disco, Funk, Soul und Rock gekonnt verschmolz. Die jetzt veröffentlichte gleichnamige Greatest-Hits-Versammlung reicht von „Der Kommissar“ (1981) bis „Ganz Wien“ (2017), und ab „Data de Groove“ (1990) haben die Kompilatoren des 1998 viel zu früh verstorbenen Österreichers den guten Mut zur Lücke (durch die auch das – verzichtbare – „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da“ fällt).

Ein Einstiegswerk für Novizen, das durch ein paar Raritäten (etwa der vom Stöhnen befreiten Radioversion von „Body Next to Body“) auch für Sammler interessant wird. Die werden in der kommenden Woche dann noch mit „The Box“ bedient – einer Vierfach-Vinyl-Schatulle mit den ersten drei Falco-Alben und einer Platte mit Remixen. Wer hier zugreift, hat dann den coolsten Falco-Song überhaupt im Regal: das bowieske „Helden von heute“, das es in seiner Karriere nur zur B-Seite vom „Kommissar“ gebracht hat, und deshalb auf „The Sound of Musik“ fehlt. Und jetzt nichts wie auf die Tanzfläche: „Do the bang-bang boogie, say up jump the boogie!“

Falco – „The Sound of Musik – The Greatest Hits“ (Ariola/Sony Music) Falco – „The Box“ (Ariola/Sony Music)

Von Matthias Halbig/RND