Donnerstag , 18. August 2022
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Die Berlinale findet trotz steigender Coronainfektionen vom 10. bis 20. Februar 2022 statt. Die Preisverleihung ist bereits am 16.02.2022 geplant. Quelle: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Berlinale 2022: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum deutschen Filmfestival

Berlin. Bevor man dieser Tage ins Kino geht, stellen sich manche Menschen eine Frage, die man nach zwei Jahren Pandemie mehr als leid sein kann: Gehe ich? Oder gehe ich nicht? Das Coronavirus bringt Menschen noch immer zum Abwägen. Mit der Berlinale beginnt nun am Donnerstag (10. Februar) eines der größten Filmfestivals der Welt. Und die Entscheidung sorgt für Diskussionen.

Als die Festivalleitung im Januar ihr Programm vorstellte, machte eine Aussage von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) die Runde. Er rechnete damals für Mitte Februar mit mehreren Hunderttausend Neuinfektionen am Tag. Es sei davon auszugehen, dass die Welle dann „ungefähr ihren Höhepunkt“ haben werde.

Seit Monaten wird die Frage diskutiert, wie die Berlinale stattfinden kann. Auch die Festivalchefs haben sich diese Frage gestellt. Sie haben lange Hygienekonzepte entwickelt. Immer wieder bekommen Journalistinnen und Journalisten E-Mails, was zu berücksichtigen ist. Auch fürs Publikum ändert sich einiges.

Wie soll die Berlinale ablaufen?

„Wir haben uns wirklich extrem viele Gedanken gemacht, wie man dieses Festival möglichst reduziert umsetzen kann, so dass es trotzdem noch die öffentlichkeitswirksame Funktion hat“, sagte Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek der dpa in Berlin. „Die Filme, die hier laufen, brauchen diese Aufmerksamkeit.“

Dabei sollen verschärfte Regeln gelten. Nur die Hälfte der Kinoplätze wird besetzt. Zutritt haben nur Menschen, die gegen das Virus geimpft oder genesen sind. Wer noch keine Auffrischimpfung hat, braucht auch einen Test. Im Kino muss man zudem Maske tragen. Tickets gibt es nur online. Vorbei also die Zeiten, in denen Menschen mit dem Schlafsack vorm Schalter campierten. Partys und Empfänge soll es nicht geben.

Wird doch heimlich gefeiert?

Auf die Frage, wie sie verhindern wollen, dass vielleicht doch heimlich gefeiert wird, sagt Rissenbeek: „Also wir feiern nicht heimlich als Festival. Und wir haben auch all unsere Partner gebeten, das entsprechend zu handhaben. Die setzen das auch so um. Die machen vielleicht ein Abend- oder ein Mittagessen für eine kleinere Anzahl von Personen.“ Aber sie könnten natürlich auch nicht verhindern, dass Menschen in ein Restaurant gingen – vielleicht auch zu zwanzigst.

Für den künstlerischen Leiter Carlo Chatrian ist wichtig, dass überhaupt wieder ein Kinobesuch möglich ist. „Die eigentliche Feier wird diesmal die Möglichkeit sein, gemeinsam einen Film anzusehen“, sagt der Italiener. „Diesmal geht es nicht um die Party, das Küsschengeben und Händeschütteln. Das ist uns klar. Aber es kann eine schöne Feier für den Film und auch für die Gesellschaft werden.“

Wer kommt und wer nicht?

Einen roten Teppich soll es geben, aber einige Gesichter werden fehlen. „Nick Cave wird nicht kommen können, das ist traurig – er mag die Stadt und das Festival, aber er muss arbeiten“, sagt Chatrian. Die Berlinale will einen Dokumentarfilm über den Musiker zeigen. „Und Sigourney Weaver und Elizabeth Banks werden nicht reisen können.“ Es seien aber die Schauspielerinnen Emma Thompson, Juliette Binoche, Isabelle Huppert und Charlotte Gainsbourg da.

Nach seinem Gefühl sei das Reisen aus den USA komplizierter, sagt Chatrian. Auch weil eine zwölfstündige Reise für Menschen ein größeres Risiko bedeute. „Unsere Politik ist da diesmal auch ganz klar: Wir wollen niemanden zwingen anzureisen, wenn er sich nicht wohlfühlt. Ein Festival sollte ein Vergnügen sein, nicht nur Arbeit.“

Zur Berlinale kommen normalerweise Gäste aus der ganzen Welt. Auch diesmal werden etliche Filmteams erwartet, die sich an die deutschen Einreiseregeln halten müssen, wie Chatrian sagt. Manchmal sei das Problem auch eher andersherum: „Gäste aus anderen Ländern müssten in Quarantäne, wenn sie aus Deutschland zurückkommen. Das kann ein Thema sein.“ Außerdem könne sich die Lage jeden Tag ändern und Fluggesellschaften hätten das Flugangebot reduziert.

Welche Filme werden gezeigt?

Seit drei Jahren leiten Chatrian und Rissenbeek die Berlinale. Im vergangenen Jahr hatten sie wegen der Pandemie bereits umplanen müssen. Damals hatten Fachleute im März Filme über eine Plattform online geschaut – für Menschen aus der Filmbranche gibt es diese Möglichkeit auch in diesem Jahr, für Medienleute dagegen nicht.

Im Sommer waren dann Filmvorführungen fürs Publikum nachgeholt worden. Dass die Berlinale nur schwer auf einen anderen Termin ausweichen kann, liegt auch daran, dass die Filmwelt durchgetaktet ist. Im Mai fliegen Stars nach Cannes, im September nach Venedig.

Die Berlinale soll mit dem neuen Film des französischen Regisseurs François Ozon eröffnet werden: „Peter von Kant“, nach Rainer Werner Fassbinders Film „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“. Insgesamt 18 Filme gehen ins Rennen um den Goldenen Bären, darunter Andreas Dresens Projekt „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ und der Film „A E I O U – Das schnelle Alphabet der Liebe“ von Nicolette Krebitz.

Bedingungen wurden mit Gesundheitsbehörden abgestimmt

Rissenbeek sagt, sie verstehe, wenn Menschen angesichts der Infektionslage besorgt seien, weil man etwa nicht genau wisse, was als nächstes passiere. „Gleichzeitig muss man sagen, dass die Kinos auf haben. Es haben auch Konzerthäuser auf. Es werden Fußballspiele ausgetragen. Es ist nicht so, dass das öffentliche Leben zum Stillstand gekommen ist, wie das vor einem Jahr der Fall war.“

Ihrer Meinung nach braucht es Formate für die Kultur. Sie hätten sich alle bemüht, Kultur weiterhin möglich zu machen. „Und es wäre sehr schwierig gewesen, ausgerechnet für die Berlinale, die gleichzeitig eine Plattform für die Kinos ist, zu sagen: "Wir möchten lieber absagen"“, sagte Rissenbeek. „Es wäre aus unserer Sicht nicht die richtige Lösung gewesen.“

Die Bedingungen hätten sie auch von Anfang an mit den Gesundheitsbehörden abgestimmt. „Wenn man uns gesagt hätte: "Frau Rissenbeek, in einer Pandemie kann man kein Festival machen. Vergessen Sie's", dann hätten wir es natürlich nicht gemacht.“

RND/dpa