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Bryan Adams besuchte seine Fotoausstellung im Hagener Osthaus-Museum. Quelle: IMAGO/Markus Klümper

Bryan Adams zum Krieg in der Ukraine: „Wir lernen nicht aus unseren Fehlern“

Hagen. Es kommt nicht so häufig vor, dass ein Weltstar wie Bryan Adams sich in eine kleinere Stadt wie Hagen in Westfalen verirrt. Am Montag aber kam der 62-Jährige gut gelaunt ins Osthaus-Museum der Stadt, wo zurzeit eine Ausstellung mit seinen Bildern zu sehen ist. Schwarze Lederjacke, Sonnenbrille, Chucks, streng gescheiteltes Haar. So stellte sich Adams den Fragen der Presse. Am Abend will sich der Kanadier noch ins Goldene Buch der Stadt eintragen.

Natürlich äußerte sich Adams auch zum Krieg in der Ukraine. 2011 habe er mit seiner Serie „Wounded“ über verwundete britische Soldaten, die in Afghanistan und im Irak gekämpft haben, eine bestimmte Zeitspanne abzubilden wollen. Er habe mit seinen Bildern und dem daraus entstandenen Buch ein Dokument schaffen wollen, um dieser Zeit entgegenzuwirken. Aber heute seien wir mit dem Krieg in der Ukraine wieder an derselben Stelle. „Geschichte wiederholt sich“, sagte Adams. „Wir lernen nicht aus unseren Fehlern.“ Nun sei der Krieg an unserer Türschwelle.

Er habe das Gefühl, dass jedes Mal, wenn er ein neues Album veröffentliche, ein neuer Krieg ausbricht. Adams hat vor wenigen Tagen mit „So Happy It Hurts“ ein neues Album herausgebracht. Er höre dann immer die Frage, ob Musik zu machen in einer solchen Zeit nicht unangemessen sei. Er antworte dann: „Nein. Musik wurde erschaffen, um unseren Geist zu heben.“ Er hoffe, dass dies nicht nur für ihn gelte, sondern für viele Menschen.

Die Sinnlosigkeit von Krieg in Fotos

Wie intensiv sich der Sohn eines Berufssoldaten mit dem Thema Krieg fotografisch auseinandersetzt, beweist die Fotoreihe „Wounded“. Sie zeigt Bilder verwundeter Soldaten. Menschen, die im Dienst für ihr Land Beine verloren haben, denen Bomben große Teile ihrer Haut verbrannten oder die im Krieg ihr Augenlicht verloren. Die von Adams abgelichteten Soldaten zeigen sich im wahren wie übertragenen Sinne nackt. Trotz ihrer schweren Verletzungen zeigen manche ein Lächeln oder treiben Scherze mit ihren Prothesen. Adams gelingt es mit seinen Fotos, auf das Schicksal dieser Soldaten und die Sinnlosigkeit von Krieg aufmerksam zu machen, ohne die Männer und Frauen vorzuführen oder einem voyeuristischen Blick auszuliefern. Das Warnschild zu Beginn der Ausstellung, dass die Bilder verstören können, sollten Eltern von Kindern unbedingt ernst nehmen.

Die Bilder zerstörter Körper stehen dabei in verwirrendem und gewolltem Kontrast zu Fotografien von Hollywoodstars, Models, Sängerinnen und Sängern. Mickey Rourke raucht im pinken Anzug eine Zigarette, Tobey Maguire sitzt zwischen absurd rundköpfigen Kunstfiguren, Udo Kier räkelt sich in samtrotem Anzug auf einem grotesk hässlichen Plüschsofa. Wem es noch nicht in genug an Kontrasten zwischen diesen beiden Welten ist, für den hat Adams in dieser von Osthaus-Museumschef Tayfun Belgin und Anke Degenhard kuratierten Ausstellung auch noch einen dritten Themenblock. Darin hat er Obdachlose fotografiert und ihnen ein Gesicht gegeben. Auch hier wird der sozialkritische Ansatz in Adams‘ Fotografien deutlich.

Fotos aus Pirelli-Kalender ausgestellt

Erstmals sind zudem die Bilder von Adams für den neuen Pirelli-Kalender zu sehen. Dieser Kalender war früher eine Ansammlung nackter Modelbilder. Heute geht auch der Pirelli-Kalender vernünftigerweise andere Wege. Adams hat unter dem Motto „On the road“ Musikerinnen und Musiker wie Rita Ora, Grimes, Jennifer Hudson und Iggy Pop abgebildet. „So groß habe ich diese Bilder noch nie gesehen“, staunte Adams.

Die Bilder des kanadischen Rock- und Fotostars sind noch bis zum 24. April zu sehen. Nach den Bildern von Sylvester Stallone ist mit Bryan Adams nun ein zweiter Weltstar innerhalb kürzester Zeit mit seiner Kunst in Hagen zu sehen. Am Ende verriet Adams noch, dass er sehr gern einmal Sylvester Stallone porträtieren möchte. Vielleicht gelingt das ja mal in der kleinen, aber künstlerisch nicht zu unterschätzenden Stadt Hagen.

Von Kristian Teetz/RND