Donnerstag , 18. August 2022
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Darf Will Smith seinen Oscar behalten? Quelle: IMAGO/Picturelux

Welche Konsequenzen drohen Will Smith?

Los Angeles. In der Nacht zu Montag hat der US-Schauspieler Will Smith (53) seinen ersten Oscar bekommen. Als „bester Hauptdarsteller“ wurde er für seine Rolle in dem Film „King Richard“ ausgezeichnet, in dem er den Vater der beiden Tennisstars Serena und Venus Williams spielt.

Doch die Freude über den Goldjungen könnte bald schon wieder vorbei sein, denn seine Ohrfeige gegen den Komiker Chris Rock (57) wird von der Oscar-Akademie nun offiziell untersucht. „Die Akademie verurteilt das Verhalten von Herrn Smith bei der gestrigen Show“, heißt es in der im Namen der Akademie veröffentlichten Erklärung. „Wir haben offiziell eine formelle Untersuchung des Vorfalls eingeleitet und werden weitere Maßnahmen und Konsequenzen in Übereinstimmung mit unserer Satzung, den Verhaltensregeln und dem kalifornischen Recht prüfen.“ Was heißt das konkret?

Polizei ermittelt vorerst nicht

Strafrechtliche Konsequenzen werden Smith wohl erst mal nicht drohen. Chris Rock hatte bereits kurz nach der Show angegeben, keine Anzeige erstatten zu wollen. „Die betroffene Person hat es abgelehnt, einen Polizeibericht einzureichen“, teilte die Polizei aus Los Angeles (LAPD) in einem Statement gegenüber dem Fernsehsender ABC mit.

Wenn aber der Komiker seine Meinung ändert, könnte es noch zu einem Verfahren kommen. „Wenn die betroffene Person zu einem späteren Zeitpunkt eine polizeiliche Ermittlung wünscht, wird das LAPD zur Verfügung stehen, um eine Untersuchung einzuleiten“, heißt es weiter.

Wird Smith aus der Akademie ausgeschlossen?

Auch interne Konsequenzen sind weiterhin möglich – wie eine Suspendierung seiner Akademiemitgliedschaft. Das würde bedeuten, dass der US-Schauspieler künftig nicht mehr von der Akademie berücksichtigt wird und auch keinen Oscar mehr erhalten könnte. Ähnliches passierte bereits Richard Gere, als er sich 1993 beim Überreichen eines Preises gegen die Politik von China ausgesprochen hatte.

Dass Smith selbst mit dieser Konsequenz rechnet, zeigte er schon in seiner Dankesrede. „Ich hoffe, die Akademie lädt mich noch mal ein“, sagte er, als er seinen Oscar entgegennahm.

Ein Akademiemitglied, der Produzent Marshall Herskovitz (70), forderte die Organisation auf, Disziplinarmaßnahmen gegen Smith zu ergreifen. „Er hat heute Abend Schande über unsere gesamte Gemeinschaft gebracht“, schrieb Herskovitz bei Twitter. Fernsehmoderatorin Whoopi Goldberg (66), die ebenfalls eine Rolle bei der Akademie hat, sagte in der Sendung „The View“ am Montag, „wir werden ihm diesen Oscar nicht wegnehmen. Es wird mit Sicherheit Konsequenzen geben.“

Aberkennung des Oscars unwahrscheinlich

Im schlimmsten Fall droht Smith die Wiederabnahme seines bislang einzigen Oscars. In US-Medien wurde viel spekuliert, eine Aberkennung seines Oscars wurde aber als unwahrscheinlich angesehen.

Was war passiert?

Nach einem Witz, den Chris Rock über Smiths Frau Jada Pinkett Smith (50) gemacht hatte, war der Schauspieler auf die Bühne im Dolby Theatre in Los Angeles gegangen und hatte Rock ins Gesicht geschlagen. Als er sich wieder hingesetzt hatte, forderte er Rock auf, den Namen seiner Frau nicht mehr in den Mund zu nehmen. Das Publikum war über die Auseinandersetzung schockiert.

Rock hatte mit seinem missratenen Scherz Bezug auf Pinkett Smiths kahlrasierten Kopf genommen und gesagt: „Jada, ich liebe dich. ‚G.I. Jane 2‘, kann es nicht erwarten, den (Film) zu sehen, alles klar?“. Rock spielte damit auf den Film „G.I. Jane“ („Die Akte Jane“) mit Demi Moore aus dem Jahr 1997 an. Moore hatte sich für ihre Rolle den Schädel kahl geschoren. Pinkett Smith hatte 2018 öffentlich gemacht, dass sie an Alopezie leidet, einer mit Haarausfall verbundenen Hauterkrankung. Über ihren Umgang damit schrieb sie häufig in sozialen Medien.

RND/nis mit dpa und Teleschau