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Vater sein kann der Hammer sein: Paul (Frederick Lau) und Tochter Lilly (Romy Schroeder) in „Wolke unterm Dach“. Quelle: Warner Bros.

Eine bleierne Zeit – das Kinodrama „Wolke unterm Dach“

Auf den Verlust eines Elternteils reagieren Kinder unterschiedlich. Trauer kann sich in Tränen, Wut, Aggression, Hyperaktivität oder Rückzug äußern, manchmal flüchten sie in eine Parallelwelt, in der sie mit den Verstorbenen noch in Verbindung stehen.

Auf dem Speicher trifft Lilly ihre tote Mutter

So reagiert Lilly (Romy Schroeder) in „Wolke unterm Dach“. Nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter (Hannah Herzsprung) versucht sie ein normales Leben zwischen Schule, Freundinnen und liebevollem Vater, aber immer wieder klettert sie auf den Speicher, denn da trifft sie in ihrer Fantasie zu langen Gesprächen die Mama, während die Wolken an der Dachluke vorbeiziehen.

Papa Paul (Frederick Lau) ist überfordert, wenn das traumatisierte Kind nachts schreit, er vernachlässigt seinen Job als Krankenpfleger, säuft und wirft Beruhigungspillen ein, weiß nicht, wie er den Kredit fürs Haus abzahlen soll. Nach der persönlich geprägten Geschichte von Drehbuchautor Chris Silber inszeniert Alain Gsponer ein manchmal berührendes, dann wieder in Klischees abrutschendes Drama.

Denn zusätzlich mischen auch noch die religiöse Oma (Barbara Auer) mit, Pauls strenge Oberärztin (Nicolette Krebitz) und sein gutmütiger Kumpel (Kida Khodr Ramadan). Trotz beeindruckender Besetzung zerfasert die Auseinandersetzung mit dem Thema. Wie der Vater endlich seinen Schmerz zulässt und mit der Tochter bereit ist, Ja zu sagen zum Leben, das geht zweifellos zu Herzen, liegt aber vor allem an der Performance von Lau und an der Spielfreude der erst elfjährigen Romy Schroeder.

„Wolke unterm Dach“, Regie: Alain Gsponer mit Frederick Lau, Romy Schroeder, 112 Minuten, FSK 12

Von Margret Köhler/RND