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Deix lässt grüßen: Die Figuren des Films „Willkommen in Siegheilkirchen“ sind allesamt Karikaturen. Quelle: Pandora

Wo der Pfarrer derbe prügelt – Marcus H. Rosenmüllers Animationsfilm „Willkommen in Siegheilkirchen“

Rauskommen will er nicht aus dem Mutterleib. Aber so sehr sich der „Rotzbub“ (Stimme: Markus Freistätter), wie er von allen hier genannt wird, auch wehrt: Schließlich siegt die Hebamme.

Das ist der schwarzhumorige Auftakt zum ersten Animationswerk von Marcus H. Rosenmüller („Wer früher stirbt, ist länger tot“), der zusammen mit Santiago López Jover Regie führte. Der Film trägt ebenso die Handschrift des Karikaturisten Manfred Deix (1949–2016), von dessen Leben und Werk er inspiriert ist. Mit seinem zeichnerischen Talent liefert Deix‘ Alter Ego in einem österreichischen Provinznest der 60er-Jahre Onanievorlagen für die männliche Dorfjugend. Außerdem rebelliert der Rotzbub gegen die engstirnige Gesellschaft und verknallt sich in das Roma-Mädchen Mariolina.

In seinen Bildern nahm Deix Bigotterie, Doppelmoral und Fremdenhass aufs Korn. Zu den Bewohnern des fiktiven Siegheilkirchen zählen ein prügelnder Pfarrer, ein scheinheiliger Bürgermeister und dumpfe Altnazis. Dabei sind Witz und Look der satirischen Coming-of-Age-Komödie so derb wie die wenig schmeichelhaft gezeichneten Figuren. Passt.

„Willkommen in Siegheilkirchen“, Regie: Marcus H. Rosenmüller, Santiago López Jover, 85 Minuten, FSK 12

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Von Jörg Brandes/RND