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Documenta-Mitarbeiter bauen das umstrittene Großbanner „People's Justice" des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi ab. Quelle: Uwe Zucchi/dpa

Staatsanwaltschaft ermittelt nach Antisemitismus-Eklat auf Documenta

Kassel. Die Staatsanwaltschaft Kassel prüft, ob bei einzelnen Kunstwerken auf der Documenta der Anfangsverdacht eines strafbaren Verhaltens vorliegt. Die Prüfung beziehe sich auf das Werk „People‘s Justice“ des indonesischen Künstlerkollektivs „Taring Padi“ und die Bilderserie „Guernica Gaza“ des palästinensischen Künstlers Mohammed Al Hawajri, teilte der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, Andreas Poppe, am mit.

Die Staatsanwaltschaft sei nach der Medienberichterstattung über den Antisemitismus-Eklat von Amts wegen aktiv geworden, sagte Poppe. Inzwischen seien auch mehrere Strafanzeigen bei Polizei und Staatsanwaltschaft eingegangen. Sie richteten sich sich unter anderem gegen die Künstler und mehrere Verantwortliche der Documenta.

Kasseler OB lehnt Roths Fünf-Punkte-Plan ab

Unterdessen bekommt der Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) im Streit um die Documenta Rückendeckung seiner Amtsvorgänger. Geselle, der Aufsichtsratsvorsitzender der Documenta ist, hatte in einem Brief an Kulturstaatsministerin Claudia Roth mit einem Alleingang bei der Finanzierung der Documenta gedroht. Damit reagierte er auf Roths Forderung nach strukturellen Reformen angesichts des Antisemitismus-Eklats auf der Schau.

In einer gemeinsamen Erklärung lehnen Geselle und die drei ehemaligen Oberbürgermeister von Kassel, Hans Eichel, Wolfram Bremeier und Bertram Hilgen, den Fünf-Punkte-Plan Roths „als Angriff auf die Documenta“ entschieden ab. Im Kern gehe es der Beauftragten um mehr Einfluss des Bundes auf die Entscheidungen der Documenta-GmbH. Begründet werde dies unter anderem damit, „dass die vor allem lokale Verantwortlichkeit der Documenta in einem Missverhältnis zu deren Bedeutung ... steht.“

Mit anderen Worten bedeute dies, dass Kassel zu provinziell sei und künftig „durch das klügere, weltgewandte Berlin an die Hand genommen werden“ müsse, hieß es in der Erklärung. „Diese Haltung ist Ausdruck kaum zu überbietender Arroganz und übersieht, dass sich die documenta in ihrer über 60-jährigen Geschichte in „lokaler Verantwortlichkeit“ zu dem entwickelt hat, was sie heute ist – und das ohne oder nur mit sehr bescheidener finanzieller Unterstützung durch den Bund.“

Bild „People‘s Justice“ nach öffentlichem Protest entfernt

„Die in dem Fünf-Punkte-Plan offen ausgesprochene Drohung: Ohne mehr Einfluss kein Geld! muss uns nicht schrecken“, heißt es weiter. Die Documenta könne im Zweifel auch ohne die bescheidenen Bundesmittel finanziert werden. Kassel sei darauf nicht angewiesen. „Sollte die Beauftragte auf diesem Junktim bestehen, muss die Stadt sie auffordern, die finanzielle Unterstützung umgehend und vollständig einzustellen – und künftig in öffentlicher Funktion zur documenta zu schweigen.“

Auf der Kasseler Kunstschau waren auf einem riesigen Wimmelbild der indonesischen Künstlergruppe „Taring Padi“ antisemitische Darstellungen entdeckt worden. Nach öffentlichen Protesten wurde das Bild „People‘s Justice“ entfernt. Die Serie „Guernica Gaza“ von Mohammed Al Hawajri setzt bereits im Titel die Militäraktionen Israels im Gazastreifen mit dem Bombardement der spanischen Stadt Guernica durch die deutsche Luftwaffe im Jahr 1937 gleich.

RND/epd/dpa