Freitag , 25. September 2020
Geheime Liebe: Martine Chevallier (links) als Madeleine und Barbara Sukowa als Nina im Film “Wir beide”. Quelle: -/Weltkino Filmverleih/dpa

“Wir beide”: Die schwere Last einer Lebenslüge

Der Film „Wir beide“ (Kinostart: 6. August) ist ein Drama über Verletzlichkeit und Stärke, Durchsetzungskraft und Angst, Zorn und Hilflosigkeit – und geht zu Herzen.

Ihre Wohnungen liegen einander gegenüber, für die Außenwelt sind sie Nachbarinnen. Aber Nina und Madeleine (Barbara Sukowa, Martine Chevallier) sind seit Jahrzehnten heimlich ein Paar. Jetzt träumen sie davon, nach Rom zu ziehen, um endlich Freiheit zu genießen.

Bei einem Geburtstagsessen schafft es Madeleine dann aber trotz Ninas Drängen wieder nicht, ihren zwei erwachsenen Kindern die Wahrheit zu sagen. Nina macht ihr heftige Vorwürfe. Und dann der Schock: Madeleines Körper reagiert mit einem Schlaganfall, sie verstummt. Als die Familie schließlich die Beziehung entdeckt, muss Madeleine um Nähe zur Geliebten kämpfen.

Einfühlsam inszeniert Filippo Meneghetti in seinem Regiedebüt eine lesbische Liebe zwischen Traum und Albtraum, zwischen Zärtlichkeit und Härte, die unter der Last der Lebenslüge leidet. Er zeigt weibliche Homosexualität nicht voyeuristisch, sondern als tiefe Hingabe und Leidenschaft im Verborgenen.

Zu Beginn konzentriert sich der intime Liebesfilm mit verwirrenden Thrillerelementen auf die von Schuldgefühlen geplagte Madeleine, richtet sich dann auf die verzweifelte Nina, die alles tut und sogar die Pflegerin besticht, um für kurze Zeit an der Seite der Kranken zu sein.

Martine Chevallier, Grande Dame des französischen Theaters, und Fassbinder-Heroine Barbara Sukowa tragen den Film in einem zu Herzen gehenden Zusammenspiel von Verletzlichkeit und Stärke, Durchsetzungskraft und Angst, ungestümem Zorn und Hilflosigkeit.

“Wir beide”, Regie: Filippo Meneghetti, mit Barbara Sukowa und Martine Chevallier, 95 Minuten, FSK 6

Von Margret Köhler/RND