Freitag , 25. September 2020
Rufus Beck leiht den Charakteren aus “Harry Potter” im Hörspiel seine Stimme.

“Hatte ähnliches Leben”: Darum fühlt sich Rufus Beck mit Harry Potter verbunden

Der Sprecher Rufus Beck hat alle Bücher der “Harry Potter”-Reihe vertont und ist dadurch untrennbar mit dem Erfolg verbunden. Im Interview erzählt der 63-Jährige, warum ihm die Figur bei der Produktion so nah war.

Hannover. Rufus Beck ist untrennbar mit dem Erfolg von “Harry Potter” verbunden. Der 63-jährige Schauspieler hat die Romane von Joanne K. Rowling von Anfang an für den deutschen Hörbuchmarkt vorgelesen. Mit seiner unverwechselbaren Stimme hat er die Saga geprägt. Anlässlich des 40. Geburtstags der Figur Harry Potter sprach Beck in einem Interview mit dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) über die Romanfigur und darüber, warum er sich so stark mit ihr identifiziert.

“Ich habe ein ähnliches Leben gelebt wie Harry Potter. Ich bin auch genau in diesem Alter ins Internat gekommen. Und habe dann meinen Abschluss gemacht”, so Beck gegenüber dem NDR.

Rufus Beck war auf einem Internat

Der Schauspieler wisse, wie es in einem Internat ablaufe, welche Freunde man haben müsse. Er berichtet über bestehende Seilschaften und betont, welche Feindschaften und Rivalitäten überstanden werden müssen. “Das ist schon eine harte Schule – auch abseits der Eltern zu leben. Man sucht sich dann selbst seine Familie. Das kenne ich alles”, so der Sprecher im Interview. Vielleicht sei ihm Harry Potter deshalb bei der Produktion damals so nahe gewesen, vermutet Beck.

Rufus Beck ist von den Büchern fasziniert

Beck bekam das Angebot, die Geschichte zu vertonen, Ende der 90er-Jahre. Der Schauspieler las das Buch und war “sehr angetan von dieser wunderbaren Geschichte”. Der erste Band “Harry Potter und der Stein der Weisen” habe ihn von Anfang an fasziniert. Der 63-Jährige findet die Idee einer Parallelwelt mit Magiern großartig. Beim Lesen dachte er, dass es ein wunderbares Kinderbuch sei.

Rufus Beck prägte die Figuren

Beck wollte das Buch nach eigener Aussage “nach Lust und Laune interpretieren”. Dazu wurde ihm vollkommen freie Hand gelassen. Der Hauself Dobby bekam eine sehr unangenehme, weinerliche, sehr hohe Stimme. “Die Figur nervt und gleichzeitig tut sie einem leid. Das muss man akustisch umsetzen”, erklärt Beck. Bei Dumbledore sei es der umgekehrte Fall gewesen. Die Figur hatte am Anfang eine fast verschnupfte, kränkliche Stimme, die sich bis zum letzten Band veränderte. Zum Schluss war sie ruhig, langsam und fast nicht mehr hörbar. Hagrid dagegen spricht in allen Bänden mit einer sehr tiefen, leicht norddeutsch angehauchten Stimme. Auch die Stimme von Harry Potter habe sich nicht verändert, das sei wichtig für die Interpretation.

Was viele Fans überraschen dürfte: Beck hat seine Hörbücher selbst noch nie gehört und er hat auch keinen Film der “Harry Potter”-Reihe angeschaut. Zum einen fehle dem 63-Jährigen die Zeit und zum anderen habe er Angst, dass ihm Sachen nicht gefallen und er sie nicht korrigieren könnte. “Ich bin kein Perfektionist, aber die Arbeit hat sich so entwickelt. Erst mit den späteren Bänden ist die Geschichte runder geworden, auch in meiner Interpretation”, so der Schauspieler.

Hype um die Hörbücher

Zu Beginn der Arbeit wusste Beck nicht, dass noch sechs weitere Bücher folgen würden. Zudem sei auch das Medium Hörbuch noch weit von einem Boom entfernt gewesen. “Mir war damals überhaupt nicht klar, dass das so ein Hype werden würde. Wenn ich ehrlich bin, ist mir erst in den letzten Jahren bewusst geworden, was das für eine Auswirkung hatte”, so Beck zum NDR.

Heute würde er manchmal 30-Jährige treffen, die ihm erzählen, dass sie zehn Jahre mit den Hörbüchern verbracht hätten. Über diese Anekdoten lacht Beck, doch gleichzeitig berühren ihn die Begegnungen: “Auf jeden Fall ist es ein großes Geschenk gewesen, dieses Epos gestalten zu dürfen.” Und was wünscht Beck Harry Potter zum Geburtstag? “Glück, Gesundheit, Frieden und Bei-sich-Sein.”

RND