Samstag , 31. Oktober 2020
HANDOUT - 02.04.2020, ---: Uisenma Borchu als Wessi in einer Szene des Films "Schwarze Milch" (undatierte Filmszene). Der Film kommt am 23.07.2020 in die deutschen Kinos. (zu dpa-Kinostarts vom 16.07.2020) Foto: -/Alpenrepublik/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über den Film und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++ Quelle: -/Alpenrepublik/dpa

Kinofilm “Schwarze Milch”: Die Weite der Steppe

Mongolische Reise: Im Kinodrama “Schwarze Milch” (Start: 23. Juli) müssen sich zwei ungleiche Schwestern zusammenraufen – eine manikürte Westlerin und eine patente Viehwirtin.

“Du gehörst zu mir”, sagt er zu ihr. Es klingt nach einer Drohung. Franz (Franz Rogowski) will nicht, dass Wessi (Uisenma Borchu) in die Mongolei reist – wo sie geboren wurde. Wessi fliegt trotzdem, und Franz spielt fortan in Uisenma Borchus zweiter Regiearbeit “Schwarze Milch” keine Rolle mehr – so schnell wird hier ein namhafter Schauspieler wie Franz Rogowski ausrangiert.

Als Kind wurde Wessi von ihrer Schwester Ossi (Gunsmaa Tsogzol) getrennt und wuchs in Deutschland auf. In der mongolischen Steppe lebt Ossi mit ihrem Mann als Nomadin. Ossi schuftet als patente Viehwirtin und beobachtet skeptisch die Bemühungen der manikürten Westlerin, sich ins Nomadenleben einzufügen. Aber auch Wessi begegnet der Schwester, die sich in die pa­triarchalen Traditionen einfügt, mit steigender Arroganz. Als die Besucherin sich zu dem deutlich älteren Nachbarn Terbisch (Terbish Demberel) hingezogen fühlt, brechen die Konflikte auf.

Regisseurin Borchu (“Schau mich nicht so an”) zeigt die Auseinandersetzungen als weibliche und geschwisterliche Identitätssuche, bei der der Umgang mit dem Begehren eine ebenso große Rolle spielt wie die Auseinandersetzung mit archaischen Strukturen. Die Filmemacherin, die 1988 als Vierjährige aus der Mongolei in die damalige DDR kam, schöpft aus dem eigenen Erleben und findet zu einer Differenziertheit, die Widersprüche aufzeigt, ohne sie unbedingt aufzulösen. In die offenporige Erzählung passt sich die unverklärten Bilder von Kameramann Sven Zellner ein, der die intime Nähe zu den Figuren mit der rauen Weite der mongolischen Landschaft in Einklang bringt.

“Schwarze Milch”, Regie: Uisenma Borchu, mit Uisenma Borchu, Gunsmaa Tsogzol, 91 Minuten, FSK 12

Von Martin Schwickert/RND