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Charmant, großherzig und als „Game of Thrones“-Henker gefürchtet: Der Musiker und Schauspieler Wilko Johnson starb bereits am 21. November im Alter von 75 Jahren. Quelle: Kirsty Wigglesworth/AP/dpa

„Game of Thrones“-Star Wilko Johnson überlebt sein Todesurteil um acht Jahre

Es war ein Himmelfahrtsalbum für Wilko Johnson – eigentlich. Ein Arzt diagnostizierte Anfang 2013 Bauchspeicheldrüsenkrebs bei dem Gitarristen und prophezeite ihm, dass er nur noch bis Oktober zu leben hätte. Also erfüllte sich der Gitarrist einen letzten Traum. Er ging mit Roger Daltrey ins Studio, dem Sänger der berühmten Britband The Who.

Und spielte noch mal seine Songs ein, unter anderem die seiner großen Pubrocktruppe Dr. Feelgood. Mit dabei waren am Piano Mick Talbot von Pete Wellers Achtzigerjahretruppe Style Council sowie Drummer Dylan Howe und Bassist Norman Watt-Roy von Ian Dury and the Blockheads. So entstand das Album mit dem doppeldeutigen Titel „Going Back Home“, auf dem neben Songs wie „All Through The City“ oder „Keep It Out Of Sight“ auch das Bob-Dylan-Cover „Can You Please Crawl Out Your Window“ zu hören ist.

Wilko Johnson überlebte sein „letztes Album“ um acht Jahre

Die alten Rock‘n-Roll-Nummern klangen dabei noch viel roher als früher. Roger Daltrey spendete damals seine Einnahmen der Krebshilfe – erschüttert von Johnsons drohendem Schicksal. Aber Wilko Johnson ging nicht „nach Hause“ sondern überlebte wider der Prognosen des Spezialisten sein Todesurteil um acht Jahre. Obwohl er sich gegen eine Chemotherapie entschieden hatte. Ein Tumor wurde operativ entfernt. Er galt als krebsfrei. Jetzt ist der Musiker im Alter von 75 Jahren gestorben. Die Todesursache ist nicht bekannt.

Johnson, der Mann, der bedrohlicher als jeder andere die Augen rollen konnte, ist einem heutigen Publikum kaum noch als Musiker bekannt, dafür umso mehr als Schauspieler. In der Fantasyserie „Game of Thrones“ erwarb er sich ewigen Legendenstatus, spielte er den Henker mit dem Nomen-est-omen-Namen Ser Ilyn Payn. Einen aus gutem Grund schweigsamen Mann, vor dem die Leute in der Hauptstadt Königsmund auf der Straße zurückwichen, dessen Namen sie angstvoll raunten.

Und der die unfassliche Tat beging, durch die sich „GoT“ schon in der ersten Staffel von den meisten anderen Serien abhob – er tötete den Liebling des Publikums, ließ sein Scharfrichterschwert auf den Nacken von Ned Stark niedersausen, dem grundanständigen Herrn des Nordens, der in Königsmund einer Verschwörung auf die Spur gekommen war.

Wilko Johnsons Blick bohrte sich durch die Mattscheibe hindurch tief ins Gemüt des Zuschauers. Es kribbelte einem förmlich im Genick.

Der 1957 in Essex als John Peter Wilkinson geborene Musiker gründete die Band Dr. Feelgood 1971 und war bis 1977 deren Gitarrist – sowohl für Rhythmus als auch Soli zuständig. Sein ruckartiger Robotbewegungsstil auf der Bühne (‚Wilkos Duckwalk‘) machte ihn ebenso bekannt wie seine perkussive Spielweise. Im schwarzen Anzug mit einem Topfschnitt wirkte er wie ein Mitglied der Addams Family. Er verließ die Band im Streit, spielte später bei Ian Durys Blockheads und formierte seine Wilko Johnson Band.

Traueranzeigen gab es nun von Kollegen – von Led-Zeppelin-Gitarrist Jimmy Page oder von Alex Kapranos, dem Sänger und Rhythmusgitarristen der schottischen Band Franz Ferdinand.

Auch Johnsons Chrirurg Emmanuel Huguet äußerte sich bei Twitter mit einem ungewöhnlichen Statement: „Ich fühle mich geehrte, Wilko gekannt zu haben. Er war erhebend für mich und hat mein Leben verbessert. Wie so viele andere Menschen habe auch ich ihn geliebt.“

Von Matthias Halbig/RND