Dienstag , 29. September 2020
Wühlt sich durch Papierberge auf der Suche nach der Wahrheit: Adam Driver als Daniel Jones im Politthriller “The Report”. Quelle: Amazon Prime

Kinokritik zu “The Report” – Die Freiheit weicht mit der Wahrheit

Ein Job wird zur Mission. In Scott Z. Burns’ Politthriller “The Report” will Adam Driver alles über die berüchtigten “erweiterten Verhörtechniken” herausfinden. Ein Filmklassiker in der Tradition von Alan J. Pakulas “Die Unbestechlichen”, der auch als Gegenwartsspiegel funktioniert.

Dass Amerika aus der Rolle der großen Demokratiemutter fällt, war zwar noch nie so sehr täglich zu sehen wie in den Tagen von Donald Trumps Präsidentschaft. Aber schon nach dem 11. September 2001 beschloss man dort, bei der Behandlung von Staatsfeinden Fünfe gerade sein zu lassen. Folter war seit Präsident Bush Junior probates Mittel zum Erkenntnisgewinn, blieb es auch in den Obama-Jahren. Waterboarding? Yes we can!

In seinem Spielfilmdebüt “The Report” erzählt Regisseur Scott Z. Burns die Geschichte einer Wahrheitsfindung, die sich anfühlt wie der dramatisierte Journalismus von Alan J. Pakulas Watergatethriller “Die Unbestechlichen” (1975). Erzählt wird von Daniel J. Jones (Adam Driver), einem Mann, der für die Senatorin Dianne Feinstein (sensationell: Annette Bening) alles über die “erweiterten Verhörtechniken” der CIA herausfinden soll. Weil die Bänder der Verhöre zerstört wurden, durchkämmt er Tonnen von Papier.

Driver spielt einen Mann, dessen Job zur Mission wird

Und Burns schafft es, aus diesem Geraschel einen fesselnden Thriller zu machen, was auch dem sparsam gesetzten brodelnden Elektronik-Score von David Wingo geschuldet ist. Drivers Spiel ist eindringlich, er ist ein Mann, für den der Auftrag immer mehr zur Mission wird. Sein Jones tut alles, um die als Staatsdienst beschönigten Folterverbrechen ans Tageslicht zu bringen, erst recht, als sein Bericht zu Obamas Zeiten unterdrückt werden soll. “The Report” ist ein Film, der allen Whistleblowern den Rücken stärkt und der uns, den Zeitgenossen Trumps, noch einmal vor Augen führt, dass längst alles auf dem Spiel steht. Dass, wenn die Wahrheit, vom Weißen Haus grotesk verbogen, verschwindet, die Freiheit mit ihr geht.

“The Report” – Regie: Scott Z. Burns, mit Adam Driver, Annette Bening, 119 Minuten, FSK 12

Von Matthias Halbig/RND