Mit Schmidts Tivoli eröffnet das erste Theater in Hamburg nach der Corona-Krise. Quelle: imago images/APress

“Paradiesischer” Theater-Neustart in Hamburg im Schmidts Tivoli

Seit der Corona-Zwangspause Mitte März gab es kaum noch Theater. Livestreams in Internet waren allenfalls ein Trostpflaster. Nun startet das Schmidts Tivoli als erstes Haus der Hansestadt durch. Zur Premiere schauten auch Udo Lindenberg und Sasha vorbei.

Hamburg. "Das ist ein bisschen wie im Restaurant. Am Tisch dürfen Sie ihre Maske abnehmen", begrüßt ein charmanter Herr im pinken Anzug vor der Tür des Schmidts Tivoli die Besucher. Drinnen zwitschern Vögel und Papageien und Giraffen empfangen die Gäste zwischen tropischen Pflanzen. "Paradiso" heißt die Show, mit der am Donnerstagabend nach fast viermonatiger Corona-Pause die Theatersaison in Hamburg wieder eröffnet wurde.

"Ich freue mich sehr, dass es wieder los geht", sagte ein gut gelaunter Udo Lindenberg zuvor auf dem grünen Teppich. Er und seine Panik-Familie hätten unter Corona-Blues gelitten. "Wir wären jetzt sechs Wochen auf Tournee gewesen, die großen Stadien, die großen Hallen. Und dass das nicht geht, das schmerzt natürlich sehr", sagte der Sänger. Da seien auch einige Tränen in der Panik-Familie geflossen. "Das ist unser Elixier, auf der Bühne."

Zuschauer sitzen in kleinen Inseln zusammen

Auch Theaterchef Corny Littmann - passend im grünen Dschungel-Anzug - war die Erleichterung anzumerken, dass die theaterlose Zeit vorbei ist. "Herzlich willkommen im ersten deutschen Theater, das heute seinen Spielbetrieb wieder aufnimmt", begrüßte er die Gäste. "Applaus ist nicht das Brot des Künstlers, sondern das Lebenselixier!"

Für die Show “Paradiso” wurde das Theater in eine tropische Oase verwandelt. Die Zuschauer sitzen in kleinen Inseln zusammen, statt der sonst üblichen 620 Zuschauer passen aber nur 255 Zuschauer in den Saal. Während der 75-minütigen Show ohne Pause können die Zuschauer am Platz ihren Mundschutz abnehmen. Über einen QR-Code kann man die Speise- und Getränkekarte aufrufen und beim Kellner etwas bestellen.

Udo Lindenberg: “Die ersten Schritte Richtung Action auf der Reeperbahn”

“Es ist wieder Publikum da!”, freute sich Littmann, der als Conférencier durch die Show führte. Sängerin Carolin Fortenbacher überzeugte als abgehalfterte Opernsängerin, ihr Partner Nik Breidenbach als Tina-Turner-Double. Die Zauberer Siegfried & Joy ließen einen Plüschtiger auf der Bühne verschwinden, Artistin Sina Brunner präsentierte eine akrobatische Performance. Alle vier Wochen soll es eine andere Show geben. Udo Lindenberg war jedenfalls begeistert: “Die ersten Schritte wieder in Richtung Action auf der Reeperbahn”, meinte er nach der Show.

"Das ist ein wichtiges Signal, dass wir nach all den Wochen und Monaten, in denen wir uns zurückhalten mussten, jetzt auch wieder uns zutrauen können, Kulturorte für Live-Veranstaltungen zu öffnen", sagte Kultursenator Carsten Brosda (SPD). "Wir wissen aber auch alle: Wir müssen vorsichtig sein. Es ist nicht wie vorher: Man kriegt eine genaue Einweisung, man kriegt gesagt, was geht, was nicht geht, da werden wir noch alle sehr diszipliniert miteinander sein müssen. Aber gut ist, dass kulturelles Leben wieder möglich ist."

Weitere Theater wollen in den kommenden Wochen wieder öffnen

In den nächsten Wochen wollen auch andere Theater in Hamburg wieder öffnen - wenn auch mit Abstand und weniger Zuschauern. Das Ohnsorg-Theater startet am 16. Juli mit der Karaoke-Komödie "Tussipark", das Sommerfestival auf Kampnagel vom 12. bis 30. August. Das Thalia Theater eröffnet die neue Spielzeit mit einem vierwöchigen Programm vom 16. August bis zum 12. September.

Das Schauspielhaus will am 11. September mit der Uraufführung von Rainald Goetz’ “Reich des Todes” in der Regie von Intendantin Karin Beier beginnen - die Oper mit einer Inszenierung von Frank Castorf am 5. September. Veranstaltungen drinnen sind bis zu 650 Menschen erlaubt - fast genau die Zahl, mit der die Elbphilharmonie am 1. September wieder öffnet.

RND/dpa