Action in Hogwarts: Darsteller der New Yorker Inszenierung von „Harry Potter und das verwunschene Kind“. Millionen Fans freuen sich auf den Deutschlandstart des Theaterstücks. Doch der ist durch die Corona-Pandemie gefährdet.

Bei Corona-Distanz keine “Harry Potter”-Premiere

Während so manches Theater bereits mitten in den den Vorbereitungen für den Saisonstart steckt, knüpft das Hamburger Mehr!-Theater den Start an Bedingungen. Ob es am 4. Oktober endlich zur Premiere von “Harry Potter und das verwunschene Kind” kommt, hängt davon ab, ob bis dahin die Abstandsregeln der Corona-Krise aufgehoben sind. Eigentlich hatte die Premiere schon Mitte März stattfinden sollen.

Hamburg. In den vier Häusern von Hogwarts geschulte Zauberer brauchen keine körperliche Nähe, um einander wirkungsvoll an den Kragen gehen oder beistehen zu können. Sie sagen nur Accio, dann fliegen Gegenstände heran, Ascendio, schon heben die solchermaßen Angesprochenen ab oder – schlimmstenfalls – Avada Kedavra (das ist der unverzeihliche Todesfluch). Corona-Distanzen für Leute aus Slytherin, Hufflepuff, Ravenclaw und Gryffindor? Kein Problem.

Veranstalter: Ein halbleerer Potter-Saal ist nicht finanzierbar

Für das Theaterstück “Harry Potter und das verwunschene Kind” sind sie nun aber existenziell. Das Drama wird nur dann am 4. Oktober im Hamburger Mehr!-Theater Premiere feiern können, wenn bis dahin die Abstandsbeschränkungen der Pandemie aufgehoben sind. „Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen, das keine Subventionen bekommt und wir haben seit Mitte März ein Berufs- und Aufführungsverbot. Wir leiden extrem unter der Krise“, sagte Produzent Maik Klokow. Problem ist der Zuschauerraum. Bei einem zu einem Drittel gefüllten Theater lohnt der Aufwand nicht. „Das ist finanziell schlicht nicht umsetzbar. Da müsste es dann sonst eine Ausgleichszahlung von der Stadt geben.“ Zuvor hatte der Radiosender NDR 90,3 berichtet.

Die ursprünglich für Mitte März geplante Premiere des magischen Stücks musste coronabedingt abgesagt werden. Bis dahin waren Klokow zufolge etwa 300.000 Tickets verkauft worden. “Wir haben viele Millionen in den Umbau investiert, hatten hohe Anlaufkosten der Produktion und im Marketing. Hinzu kommt die Umbuchung von zigtausenden Kunden. Das sind Schäden, die uns belasten, so dass wir jetzt nicht auch noch vor kleinerem Publikum spielen könnten.”

Das Stück kann auf Distanz nicht aufgeführt werden

Diese Einschränkungen beträfen viele Theater. “Wir sind in Abstimmungen mit den Behörden, wie wir die Social-Distancing-Regeln anpassen können, beispielsweise über Masken und Rückverfolgbarkeit der Daten jedes Besuchers.”

Und die Handlung von “Harry Potter und das verwunschene Kind” ist eben auch mehr als heftiges, wechselseitiges Anzaubern auf Entfernung. Auch auf der Bühne könnten die Abstände nicht eingehalten werden können ohne die Struktur des Stücks zu gefährden. “Wir können ein Stück wie ‚Harry Potter und das verwunschene Kind’ nicht einfach uminszenieren, denn dann entspricht es nicht mehr dem Original, und wir hätten gar nicht die Rechte, das anders zu inszenieren. Das ist alles undenkbar”, sagte Produzent Klokow dem NDR.

Im August wird über Wohl oder Wehe entschieden

Hunderttausende deutsche Potterfans bangen. Im August wollen Klokow und sein Team entscheiden, ob die “Harry Potter”-Premiere im Herbst wie bisher geplant gefeiert werden kann. Der Umbau des Mehr! Theaters am Großmarkt hatte 42 Millionen Euro gekostet.

RND/big/dpa