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Wird ihr vergeben werden? Sadaf Asgari als Maryam in einer Szene des Films “Yalda”. Quelle: -/Little Dream Pictures/dpa

Vergeltung oder Vergebung: Die iranische Kinosatire “Yalda”

In einer iranischen Fernsehshow sollen sich Verurteilte und Opfer versöhnen. Satirisch überhöht macht Regisseur Massoud Bakhshi das Fernsehen in “Yalda” (Kinostart am 27. August) zum Ort auf Leben und Tod. Ein Kammerspiel, das sich zum Panorama der iranischen Gesellschaft weitet.

Die Zuschauer dürfen per SMS mit abstimmen. Die Frage lautet: Hat Maryam es verdient, dass man ihr vergibt? Die ‘1′ für Ja. Die ‘2′ für Nein. Dabei geht es in dieser Realityshow nicht um irgendwelchen Liebeskummerkram, sondern um Leben und Tod. Die junge Frau wurde im Iran wegen Mordes an ihrem Ehemann verurteilt und soll gehängt werden.

Die Tochter des Toten denkt nicht ans Verzeihen

Vergeltung ist ein integraler Bestandteil islamischer Rechtssprechung, aber das Gesetz räumt der Familie des Opfers auch die Möglichkeit der Vergebung ein. Das Urteil wird dann in eine milde Strafe umgewandelt und ein “Blutgeld” bezahlt. Der archaische Brauch hat ein eigenes TV-Format hervorgebracht: die Vergebungsshow. Hier werden Verurteilte und Opfer ins Studio eingeladen und sollen sich möglichst publikumswirksam versöhnen.

Nur leicht satirisch überhöht macht der iranische Regisseur Massoud Bakhshi eine solche Show zum Austragungsort seines Dramas “Yalda”. Maryam war noch ein halbes Kind, als sie mit ihrem 40 Jahre älteren Arbeitgeber eine befristete Ehe einging.

Als Maryam (Sadaf Asgari) entgegen der Abmachung schwanger wurde, kam es zum Streit und zu einem Sturz auf der Treppe, den ihr Mann nicht überlebte. Nun soll dessen Tochter aus erster Ehe Mona (Behnaz Jafari) der Täterin verzeihen. Aber sie scheint an einem Happy End wenig interessiert zu sein.

Vor der Kulisse eines Fernsehstudios entwickelt Bakhshi ein Kammerspiel, das sich zu einem Panorama der iranischen Gesellschaft ausweitet. Hier gerät auch die Rolle der Medien in einem autoritären Staat in den Fokus.

“Yalda”, Regie: Massoud Bakhshi mit Behnaz Jafari, Sadaf Asgari, 89 Minuten, FSK 12 (Kinostart am 27. August)

 

 

Von Martin Schwickert/RND