Eine Ära geht zu Ende

Museumsleiterin Hilke Lamschus nimmt Abschied. (Foto: phs)

Museumsleiterin Hilke Lamschus nimmt Abschied. (Foto: phs)

Lüneburg. Das sagt sich immer so leicht: Eine Ära geht zu Ende. Hier stimmt es. An diesem Sonnabend endet die Ära Lamschus. Im Deutschen Salzmuseum wird Hilke Lamschus verabschiedet. Sie hat mit ihrem Mann, Gründungsdirektor Dr. Christian Lamschus, Lüneburgs erfolgreichstes Museum auf den Weg gebracht. Als Christian Lamschus 2015 krankheitsbedingt ausschied, übernahm Hilke Lamschus die Leitung. Jetzt geht sie und sagt: „Ein bisschen ist es so, als gäbe man ein Kind ab.“

Blick zurück: Seit dem 12. Jahrhundert prägte das Salzsieden die Stadt, sorgte für Arbeit und Reichtum. Sprung nach vorn: 1980 schloss die Saline – nach Jahrhunderten der Aufstiegs und Niedergangs. Nun plünderten Schrottdiebe die Reste des ältesten Industriebetriebs Nordeuropas. In Lüneburg wurde gestritten, wie mit dem Salinengelände umzugehen sei. Für die im Dezember erscheinenden „Aufrisse“ des Arbeitskreises Lüneburger Altstadt (ALA) erinnert Hilke Lamschus an Attacken gegen die Befürworter eines Industriedenkmals. Unter dem Pseudonym Salderius schrieb ein Lüneburger Professor von „lächerlichen Ignoranten“, die Unsinn trieben. Museumsdirektor Gerhard Körner gefiel der Gedanke an eine salzige Konkurrenz ebenso wenig. Aber der Zug rollte.

„Die ersten Treffen fanden in der FDP-Zentrale statt“, erinnert sich Hilke Lamschus. Sie nennt stellvertretend für viele Engagierte den FDP-Politiker Dirk Hansen. „Er brachte das Thema in den politischen Raum“. 1981 wurde die Saline unter Denkmalschutz gestellt. Viele Windungen und einige Jahre weiter bekam der Historiker Christian Lamschus den Auftrag, ein Konzept zu schreiben. Am 9. September 1989 eröffnete das Haus.

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50er-Jahre-Ausstellung war ein Supererfolg

Verkürzt gesagt, gab es im Haus Lamschus eine Arbeitsteilung. Christian Lamschus sorgte für den wissenschaftlichen Part, Hilke Lamschus entwarf die Ausstellung. Sie hatte Geschichte, Germanistik und Erziehungswissenschaft studiert, war als Lehrerin tätig. „Für das Museum zu arbeiten, war eine tolle Alternative, freier, kreativer.“ Das Salzmuseum wurde zum Deutschen Salzmuseum, bekam den Museumspreis des Europaparlaments und weitere Auszeichnungen. Am wichtigsten aber: Die „lächerlichen Ignoranten“ hatten auf Dauer Erfolg. Das Salzmuseum mit seinem interaktiven Ansatz entpuppte sich als Touristen-Magnet: 50.000 bis 60.000 verkaufte Karten pro Jahr.

Dazu Sonderausstellungen: Am erfolgreichsten war der Blick zurück in die 50er-Jahre. „Die Leute rannten uns die Bude ein.“ In elf Jahren kamen für die 50er 270.000 Besucher. Die aufwendigste Ausstellung war die zur Hanse. Da Platz im Museum rar ist, wurden 16 Container aufgestellt. Es gäbe viel mehr zu nennen. Hilke Lamschus schrieb Bücher zu Museumsthemen, zeitweise mit ihrem Mann, der sich seit seinem Ausscheiden komplett zurückgezogen hat. Hilke Lamschus war natürlich auch dabei, als das Museum zur „SalzWerkStadt“ wurde. Curt Pomp, ALA-Vorsitzender, hatte die Idee, den Hafen zu beleben. Am Salzmuseum wurden mit jungen Arbeitslosen die Schiffe gebaut, die jetzt als Blickfang am Alten Kran ankern.

Eins will Hilke Lamschus unbedingt noch sagen, nämlich ihr Team würdigen: „Alle hängen sich hier ganz toll rein, alle haben das Museum zu ihrer Sache gemacht.“ Für sie endet die „Sache“, die sie immer offensiv und deutlich verfocht, am 1. Dezember. Bis dahin stehen Urlaub und Aufräumen an. Dann übernimmt Dr. Toby Alexandra Hentschel.

Hilke Lamschus sitzt im Direktorenzimmer, hinter ihr Bücherwände, am Tisch schwere Stühle mit Stadtwappen. „Ich freu mich drauf“, sagt sie mit Blick nach vorn zu langen Gängen an der Nordsee. Sie sagt es recht leise – und mit Blick auf die nun endlich angelaufene Sanierung und Neugestaltung des Museums: „Es ist schon schade, wenn das, worauf du Jahrzehnte hingearbeitet hast, dann geschieht, wenn Du gehst.“ Was wird sie künftig machen? „Jedenfalls nicht wie ein Altbauer hier rumfabulieren.“ Und sonst? „Mal sehen.“ Sie wird es schon wissen.

Dass sie sich um die Stadt verdient gemacht hat, werden Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Ernst Bögershausen vom Förderkreis heute als Fazit ihrer Ansprachen sagen. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Von Hans-Martin Koch

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