Freitag , 25. September 2020
Niklas Leifert will sich in seiner Rolle als Marcel Weiß nicht mit einer Abfuhr von Judith abfinden. Foto: Michael Behns

Rote Rosen: Die Rache des Heideecho-Reporters

Lüneburg. Für Judith (Katrin Ingendoh) läuft es gerade nicht so richtig gut: Erst trennt sich Alex (Philipp Oliver Baumgarten), Vater des gemeinsamen Sohnes Oskar, von ihr. Auch das Date mit David (Arne Rudolf) geht gründlich in die Hose. Und sie muss mitansehen, wie Alex sein wiedergefundenes Liebesglück mit Astrid (Claudia Schmutzler) genießt. Als Marcel Weiß, dessen Sohn mit Oskar zusammen in die Kita geht, sie anflirtet, weist sie ihn schroff zurück. Das hat Folgen, denn Weiß ist Journalist beim Heideecho, und kommt dahinter, dass Judith Dreck am Stecken hat. Für den Hamburger Niklas Leifert ist es die erste Rolle in einer Telenovela.

Beim Vorsprechen grandios gescheitert

Geboren in Hamburg, aufgewachsen in Genf und Washington D.C., Schauspielausbildung an der Hochschule der Künste Bern, zahlreiche Theaterengagements in Süddeutschland und der Schweiz – der 37-Jährige ist herumgekommen. Seit 2019 lebt er wieder in Hamburg, konzentriert sich seitdem vermehrt auf Film und Fernsehen. „Ich liebe das Theater, aber die Arbeit vor der Kamera ist feiner und präziser“, findet er. Theater-AG in der Schule, mit 16 Mitglied einer vielversprechenden Theatergruppe – so kam der Wunsch auf, den Schauspielberuf zu ergreifen. Beim Vorsprechen an mehreren Schauspielschulen jedoch sei er „grandios gescheitert“, gibt er zu. Also doch einen soliden Beruf ergreifen. Die kaufmännische Ausbildung bei der Lufthansa machte ihm Spaß, aber der Drang, wieder mehr kreativ tätig zu sein, siegte schließlich.

Sein Vater habe damals die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Jetzt, da die Airline aufgrund der Corona-Krise finanziell angeschlagen ist, sagt der: „Wie gut, dass Du damals nicht bei der Lufthansa geblieben bist.“ Das findet auch Niklas Leifert, der in den vergangenen Jahren Theater gespielt hat – vom 14-jährigen Maik Klingenberg in „Tschick“ bis zum „Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand“. „Ich bin da nicht festgelegt – mag Comedy genauso wie Drama.“ Auch bei seinen Film- und Fernsehauftritten konnte Leifert seine Vielseitigkeit unter Beweis stellen: Ob als Cowboy oder Liebhaber, Obdachloser oder Bräutigam.

Gibt es eine Lieblingsrolle? „Ich habe die Vision des alleinerziehenden Vaters, der sich durchkämpfen muss.“ Den spielt er nun bei den Rosen, denn Marcel Weiß ist frisch geschieden, als er Judith trifft. Einsam sei die Figur, sagt der Darsteller, ein sehr emotionaler Mensch, der sich Zugehörigkeit wünsche. Die Zurückweisung trifft ihn hart, und er sinnt auf Rache. Als er erfährt, dass Judith ein Schwarzgeldkonto auf den Cayman-Islands hat, ist das ein gefundenes Fressen für den Journalisten. Denn die Leser des Heideechos sind bekanntlich für jede Skandalgeschichte dankbar.

Akribische Vorbereitung auf neue Rollen

Die Produktionsweise einer Telenovela war für den Schauspieler neu. Tipps holte er sich bei Henrike Fehrs, die in der 14. Staffel Bloggerin Jacqueline „JC“ verkörperte. Persönlich gekannt habe er seine Kollegin vorher nicht. „Ich habe sie einfach angeschrieben. Ich bin ein großer Fan davon, sich gegenseitig zu unterstützen.“ Er bereitet sich akribisch vor auf seine Rollen. Für den Dreh in Lüneburg reiste er extra am Vorabend an, übernachtete im Hotel und ließ die Stadt auf sich wirken.

Über sein Privatleben möchte er lieber nicht zu viel verraten. Eigene Kinder habe er (noch) nicht, aber „ein tolles Patenkind und eine bezaubernde Nichte“, schwärmt er. Für die Episodenrolle bei den Rosen ist Leifert sehr dankbar. Vielleicht ja der Anfang von mehr? „Eine durchgehende Serienrolle, bei der die Figur sich entwickeln kann, das wäre toll!“

Von Ruth Heume