Samstag , 26. September 2020
Einschulung mit Maske: Nishta (Mitte) ist erst vor sechs Monaten mit ihrer Familie von Indien nach Lüneburg gezogen. In der Grundschule muss sie zunächst Deutsch lernen. (Foto: t&w)

Mit Ranzen und Maske

Lüneburg. Eigentlich ist es von Vorteil, ältere Geschwister zu haben. Sie sind meist nicht nur allzeit präsente Vorbilder, sondern erleben zuerst, was einen selbst noch erwartet. Und das gibt Sicherheit. In Corona-Zeiten ist aber auch das alles etwas anders: Neela und Emma sind in ihren Familien die ersten Kinder, die jetzt zur Schule gekommen sind – ohne musikalische Darbietungen und ohne volle Mensa. Gestört hat sie das aber gar nicht, sie kennen es ja nicht anders.

Drei erste Klassen sowie einen Jahrgang mit Förderschwerpunkt KME (körperliche und motorische Entwicklung) hat die Grundschule am Hasenburger Berg am vergangenen Sonnabend bei sich begrüßen können, darunter auch die 1a der beiden Erstgeborenen. Im Einstundenrhythmus richtete Schulleiterin Marianne Borowski ihre herzlichen Worte an Kinder und Eltern – weitere Verwandte waren aus Hygieneschutzmaßnahmen nicht eingeladen, für alle anderen galt die Maskenpflicht.

„Letztlich sind wir aber sehr froh, dass die Einschulung in dieser Form überhaupt stattfinden konnte“, sagt Neelas Vater Ralf Reins, „denn das stand lange in den Sternen.“ Aufgeregt sei Neela gewesen, voller Vorfreude und Erwartungen. Das sollte sich im weiteren Tagesverlauf gelegt haben: „Wir wollten eigentlich etwas größer feiern, nun wird es aber ein entspannter Nachmittag, denn unsere Verwandten haben sich nach und nach aus den unterschiedlichsten Gründen abgemeldet.“

Derartige Besucher standen bei Nishtha gar nicht erst auf der Gästeliste: Vor sechs Monaten ist die kleine Familie aus Indien nach Lüneburg gezogen, weil der Vater einen Job in Winsen bekommen hat. Deutsch kann das kleine Mädchen noch nicht sprechen, wird das aber schnell lernen, wovon ihre Mutter Parul Thakur überzeugt ist. Nishtha irritiert das alles wenig: Sie genießt ihre erste kurze Schulstunde in vollen Zügen, amüsiert sich mit ihren Klassenkameraden über den fröhlichen Raben, den sich die engagierte Klassenlehrerin über die Hand gezogen hat. Da bedarf es keiner Worte.

Christen und Muslime gehen neue Wege

Die hingegen fand an anderer Stelle der Glaube: Vor der Heiligengeistschule hatte sowohl die christliche Kirche als auch die muslimische Gemeinde einen kleinen Pavillon aufgestellt, empfingen die neuen Erstklässler mit ihren Wünschen. Niklas Keitl, Vikar bei St. Johannis, erklärte den Hintergrund der Aktion: „Corona-bedingt finden in diesem Jahr die Begrüßungen und Einführungsgottesdienste verkürzt oder nach Klassen aufgeteilt statt, sie sollen aber nicht weniger herzlich und segensreich sein.“

Die Idee sei es deshalb, dass die Eltern am Pavillon ihr Kind segnen, während die Pastoren den Segen sprächen, und auch umgekehrt, wenn die Familien es denn mögen, erklärte Vikar Keitel, so auch an der Grundschule Im Roten Felde. So sollten alle spüren, dass sie gemeinsam einen wichtigen Schritt in ihrem Leben beschreiten und dabei durch Gottes Segen begleitet würden. Chadiga nahm das Angebot dann auch gleich wahr und ließ sich von ihrer Mutter weihen. Eine hellblaue Mütze gab es noch als Andenken, getreu dem Motto des Segenspavillons: „Mit Gottes Segen beschützt und bemützt in die Grundschulzeit.“

Eine Kopfbedeckung gab es auf der anderen Seite des kleinen Schulpfads nicht, dafür aber genauso herzlich gemeinte Wünsche. Mohammad Haj Nayef von der Al-Sahaba Moschee Lüneburg freute sich über die Gelegenheit, die Kinder willkommen zu heißen. „Wir machen das zum ersten Mal“, sagte der Sozialbeauftragte, „denn es war bislang nicht üblich, dass wir uns an den Einschulungen beteiligen.“

Da ein Großteil der neuen Heiligengeistschüler aber muslimischen Glaubens sei, habe er über die Anfrage der neuen Schulleiterin, Tanja Staats, nicht lange nachdenken müssen: Mit einem kurzen Gespräch und einer kleinen Geschenketüte schickte Imam Ali Al-Sharafi die Jungen und Mädchen auf den neuen Lebensweg.

Von Ute Lühr