Dienstag , 29. September 2020
Zum ersten Mal im Landkreis Lüneburg entdeckt: der streng geschützte Malven-Dickkopffalter. (Foto: Lutz von der Heyde)

Sichtbarer Erfolg im Naturschutz

Lüneburg. Im vergangenen Jahr wurde eingesät – erste Erfolge zeigen sich schon jetzt: Die entlang der Kreisstraße 61 durchgeführten Maßnahmen für Insekten im Amt Neuhaus haben einen seltenen Besucher angelockt. Im Rahmen eines Monitorings haben Biologen zwischen Darchau und Haar zum ersten Mal im Landkreis Lüneburg den sogenannten Malven-Dickkopffalter entdeckt. Der Schmetterling steht auf der Roten Liste gefährdeter Arten in Deutschland und gilt deswegen als besonders schützenswert.

Es war nicht damit zu rechnen, dass diese seltene Art die frisch eingesäten Malven direkt annimmt und die Maßnahmen so erfolgreich sind. Neben dem Falter wurden ebenfalls seine Raupen gefunden, sodass voraussichtlich auch im kommenden Jahr Falter an den Malven beobachtet werden können. „Wir hatten in diesem Jahr einen tollen Blühaspekt mit vielen verschiedenen Wildblumen, den es hier lange nicht gegeben hat, was mit dem Fund dieser seltenen Schmetterlingsart gekrönt wurde“, sagt Dr. Olaf Anderßon vom Fachdienst Umwelt beim Landkreis Lüneburg.

Grasstreifen entlang von Straßen und Wegen in blütenreiche Flächen umzuwandeln, ist eine von vielen Aktionen des Landkreis-Projektes „Biotopverbund Elbtal Amt Neuhaus (BENe)“. Dieses hat sich zum Ziel gesetzt, ökologische Vernetzungsstrukturen wie Hecken, Gräben, Deiche aber auch ortsnahe Grünflächen aufzuwerten und damit blütenreiche Korridore für Insekten zu schaffen.

Bei einem Besuch im Amt Neuhaus informierten sich jüngst Kommunalvertreter aus Lüchow-Dannenberg und Vertreter des Naturschutzes und der Straßenmeisterei über das BENe-Projekt. Mit der Gebietsbetreuung für biologische Vielfalt existiert im Nachbarkreis ein vergleichbares Projekt.

Das Treffen diente dem fachlichen Austausch. Die Beteiligten sprachen bei dem Vor-Ort-Termin über die verschiedenen Möglichkeiten der Pflegeumstellung von Straßenrändern. Sie diskutierten über insektenschonende Mähtechnik und Möglichkeiten, das Schnittgut von den Flächen zu entfernen. Denn die derzeitig angewendete Technik ist zwar kosteneffizient, aber verhindert die Artenvielfalt.

Das Ziel des BENe-Projektes ist, diese und ähnliche Maßnahmen im Sinne des Insektenschutzes auszuweiten. Es sollen möglichst viele Beteiligte mit ins Boot geholt werden. „Wir wollen ein breites Bewusstsein für das Thema in der Bevölkerung schaffen. Dafür war der Austausch mit der jeweiligen Nachbarregion sehr hilfreich“, fassten die beiden Projektleiter Dr. Corinna Ebeling aus Lüchow-Dannenberg und Dr. Olaf Anderßon zusammen.

Aktion gelingt durch breites Bündnis

Für die Zukunft sind im Rahmen des BENe-Projektes weitere Aktionen und Schritte geplant. Dazu gehören neben Baumpflanzprojekten auch weiterhin Pflanzenbörsen und ein fachlicher Austausch unter Gartenfreunden. Dies gelingt in einem breiten Aktionsbündnis, in das die Gemeinde, Imker, die Arche-Region, der Bauernverband Nordostniedersachsen, die Biosphärenreservatsverwaltung und weitere Projektpartner eingebunden sind. lz