Dienstag , 22. September 2020
Bei der Besichtigung vor dem Start war noch alles in Ordnung, nun muss der Platz im Zentralgebäude mit einem neuen Restaurant-Betreiber gefüllt werden. (Foto: t&w)

Vorerst bleibt die Küche kalt

Lüneburg. Die Ankündigung klang verheißungsvoll: Bowls, Currys, Salate, Panini, exotische Joghurt-Frappés mit frischen Früchten, dazu Brunch am Wochenende… „Leuphana setzt neue Maßstäbe“ verkündete der Gastro-Anbieter Klüh im Juni vergangenen Jahres. Das Düsseldorfer Familienunternehmen startete voller Euphorie das Projekt „Universitäts-Restaurant im Zentralgebäude“. Nur ein Jahr später streicht der Caterer bereits wieder die Segel – angesichts der coronabedingten Schließung weitgehend unbemerkt.

Bei der Leuphana war die Freude groß, dass sie für den Restaurantbetrieb derart erfahrene Betreiber gewinnen konnte. Denn die Klüh Catering GmbH ist mit einem Umsatz von rund 140 Millionen Euro einer der großen Dienstleister Deutschlands in diesem Segment und gehört zu den Unternehmen, die sich sowohl durch Innovation als auch durch Nachhaltigkeit auszeichnen und dafür in Fachkreisen bereits entsprechend gewürdigt wurden. 32 Niederlassungen betreiben die Düsseldorfer bundesweit.

Bei ihrem Engagement in Lüneburg wollte Klüh zweigleisig fahren: Das neue Restaurant „eateria“ im von Libeskind futuristisch gestalteten Zentralgebäude war jeden Tag geöffnet, 132 Sitzplätze sowie zusätzliche Stühle auf der Terrasse. Porzellan statt Plastik, geöffnet auch für uni-fremde Gäste, studentenfreundliche Preise. Als zweites Standbein ein Catering-Service für zehn bis 2000 Hungrige.

Unternehmen gibt sich betont zugeknöpft

Doch das ist Vergangenheit, nach der Pandemie-Zwangsschließung im März folgte die fristgerechte Kündigung des Pachtvertrages durch die Firma Klüh zum 30. Juni dieses Jahres. Das bestätigt Uni-Sprecher Henning Zühlsdorf auf LZ-Anfrage. Kein Kommentar zu den Gründen. Auch das Unternehmen gibt sich nach der anfänglichen Euphorie betont zugeknöpft: „Ich bitte um Verständnis, dass wir entschieden haben, uns zu diesem Thema nicht weitergehend zu äußern“, heißt es in einer schriftlichen Antwort an die LZ.

Wie geht es nun weiter mit dem Restaurantbetrieb in der Leuphana? Derzeit bleibt die Küche kalt. Und es gibt für die Studenten auch wenig Hoffnung, dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird. „Das aktuelle Vergabeverfahren ist angehalten“, sagt Zühlsdorff.

Denn aufgrund der Corona-Situation sei zum jetzigen Zeitpunkt noch völlig unklar, wann Studenten und Mitarbeiter wieder in vollem Umfang an die Hochschule zurückkehren können. Angesichts dieser Situation „ist nicht damit zu rechnen, dass sich ausreichend viele potente Interessenten für den Betrieb der Gastronomie im Zentralgebäude finden lassen werden“, begründet der Uni-Sprecher.

Und „potent“ müssten auch künftige Betreiber sein, daran lässt Zühlsdorff keinen Zweifel: Die Uni-Verantwortlichen haben konkrete Vorstellungen, was von möglichen Pächtern so alles erwartet wird. „Zu den Anforderungen zählt unter anderem ein Frühstücks-, Mittags- und Abendangebot sowie kleinere Snacks tagsüber“, zählt der Uni-Sprecher auf. „Die Gastronomie soll auch von externen Gästen und Besuchern der Veranstaltungen im Auditorium genutzt werden können.“

Bei den Öffnungszeiten stellt er sich in der Uni während der Vorlesungswochen wochentags mindestens von 8 bis 19 Uhr vor. Und natürlich soll der Betrieb außerdem die Nachhaltigkeitsansprüche der Leuphana berücksichtigen.

„Trendig wie Architektur und Interieur präsentiert sich das, was auf den Tisch kommt“, hatte Vorpächter Klüh bei der Eröffnung vor über einem Jahr versprochen. Wann der nächste Anlauf startet, diesen Ansprüchen gerecht zu werden, konnte Zühlsdorff noch nicht sagen. Einen Zeitplan für die neuerliche Ausschreibung gibt es bislang nicht.

Von Thomas Mitzlaff