Sonntag , 25. Oktober 2020
Harald Heuer (v.l.), Constanze Bloeck und Laars Gerstenkorn machen sich ein Bild von der Baustelle in Echem. (Foto: t&w)

Echem: Die Grundschule kehrt zurück

Echem. Ungefähr eineinhalb Jahre wird es aller Voraussicht nach noch dauern, bis die entbehrungsreiche Zeit in Echem endet und das neue Gebäude samt Turnhalle bezugsfertig ist. Doch schon jetzt ist Gemeindebürgermeister Harald Heuer (CDU) die Freude im Gesicht abzulesen. „Wir bauen eine Schule“, sagt er begeistert. Der Wiederaufbau der Grundschule hat begonnen. Das alte Gebäude war in der Nacht auf Gründonnerstag 2017 komplett niedergebrannt.

Der Wunsch vieler im Ort erfüllt sich mit dem Neubau. Noch immer hängt am Zaun des Schulgeländes das Transparent mit der Forderung „Wir wollen unsere Schule zurück“, an den es Echemer Bürger gleich nach der unheilvollen Brandnacht vor fast dreieinhalb Jahren angebracht hatten.

Die ersten Veränderungen sind bereits zu sehen

Bauzäune versperren nun seit Kurzem den Weg auf das Schulgelände, das lange vor sich hindämmerte. Zuerst als Schutt-, dann als Sandwüste. Die ersten Veränderungen sind auf dem Grundstück am Birkenweg schon zu sehen: Sandberge türmen sich auf, übereinander gestapelte Baucontainer recken sich in die Höhe und Radlader stehen startklar in Position.

Für Harald Heuer ist es nunmehr das zweite Mal, dass er den Neubau der Grundschule mitmacht. Schon das vom Feuer zerstörte Gebäude, das die Scharnebecker Erschließungs- und Baugesellschaft vor rund 20 Jahren errichten ließ, hatte er mitzuverantworten. Beruflich, als Samtgemeindedirektor. Heute ist er als ehrenamtlicher Bürgermeister in Echem und Mitglied des Samtgemeinderates beteiligt. „Uns ist über Nacht nicht nur die Schule abgebrannt, sondern auch unser sozialer Mittelpunkt im Ort“, sagt er.

Gebäude und Turnhalle nutzten Echemer und Bürger aus den Nachbarorten eifrig: Fußball, Tischtennis, Reha-Sport, Seniorengymnastik, DRK-Blutspenden und Dorffeste waren nur einige Angebote beziehungsweise Veranstaltungen außerhalb der Unterrichtszeiten. „Sie war eine wichtige Einrichtung, die unser Dorfleben geprägt hat.“ So soll es auch künftig wieder sein, betont Heuer. „Deshalb bin ich froh, dass es losgeht mit dem Wiederaufbau.“

So sieht es auch Laars Gerstenkorn (CDU), Bürgermeister der Samtgemeinde Scharnebeck, die Träger der Grundschulen und somit Bauherr ist. „Eine Grundschule hat ihren berechtigten Platz in Echem. Sie spielt in der Schulversorgung in der Samtgemeinde eine wichtige Rolle“, meint er. Als Außenstelle der Grundschule Hohnstorf/Elbe. „Der Standort ist jetzt schon ausgelastet und perspektivisch reicht der Platz dort nicht aus“, erklärt der Verwaltungschef.

Schulleiterin Constanze Bloeck freut sich auf die künftige einzügige Außenstelle. „Ich mag kleine Schulen“, sagt sie. Überdies erwartet sie, dass der Standort Hohnstorf entlastet wird. „Wir haben dort große Klassen in kleinen Räumen. Es ist eng“, berichtet sie.

Die Samtgemeinde als zweitgrößte nach Bardowick befinde sich in einer dynamischen Entwicklung, sagt Laars Gerstenkorn. „Daher müssen wir über den heutigen Tellerrand hinausschauen. Das neue Gebäude wird für mehrere Generationen gebaut“, betont er. Harald Heuer ergänzt: „Wir benötigen die Schule, weil noch Baugebiete und damit Kinder dazukommen.“ Die Nachfrage nach Bauland in der Gemeinde sei groß. „Obwohl wir noch kein weiteres ausgewiesen haben, gibt es trotzdem schon eine Warteliste.“

Unterschiede gibt es bei der Größe

Das neue Schulgebäude wird dem alten äußerlich und in der Raumanordnung ähneln. Unterschiede gibt es bei der Größe. Im Neubau wird es ein wenig mehr Platz geben, beispielsweise, weil ein Fachunterrichtsraum zusätzlich geschaffen wird. Etwas größer als vorher werden Lehrerzimmer und Turnhalle.

Die Versicherung hat der Samtgemeinde inzwischen 2,1 Millionen Euro für das abgebrannte Gebäude überwiesen. „Die Finanzierung ist im Haushalt abgesichert“, sagt der Verwaltungschef. Veranschlagt für das Projekt Wiederaufbau sind mehr als vier Millionen Euro.

Der Neubau hatte sich nach der Brandkatastrophe immer wieder verzögert. Gründe waren unter anderem zum Teil kontroverse Diskussionen in den politischen Gremien, ob der Schul-standort Echem erhalten bleiben soll, und Gespräche mit der Versicherung über die Regulierung des Brandschadens.

Von Stefan Bohlmann