Donnerstag , 22. Oktober 2020
Thorben Schmidt (l.) und Joannis Kaliampos sind an der Leuphana für das „US Election Project“ verantwortlich. Foto: t&w

Wer gewinnt die US-Wahl?

Lüneburg. Wer wird der nächste Präsident der Vereinigten Staaten? Mit dieser Frage beschäftigen sich Schüler aus ganz Deutschland, Serbien und den USA in den nächsten Monaten im Unterricht, um dann kurz vor der US-Präsidentschaftswahl ihre eigenen Prognosen aufzustellen. Das „US Election Project“ entstand unter anderem an der Lüneburger Universität.

Kostenlos für Klassen ab dem 10. Jahrgang

Bereits 2008, 2012 und 2016 fand das Projekt statt, das aus einer Kooperation zwischen der Leuphana, der US-Botschaft in Berlin und dem Verein Berliner Bildungsorganisation Life entstanden ist. „Das Institut für englische Didaktik der Leuphana hat dabei den Teil der inhaltlichen Entwicklung übernommen“, erklärt Thorben Schmidt, Professor an eben diesem Institut der Lüneburger Uni. „Wir kümmern uns um die Unterrichtsmaterialien und die Fortbildungen für Lehrkräfte.“

Interessierte Lehrer können ihre Klassen ab dem 10. Jahrgang kostenlos für das Projekt anmelden. Einzige Voraussetzung und gleichzeitig Herausforderung sei, dass das Projekt in den Lehrplan eingebunden werden müsse. „Die US-Wahl steht nicht im Curriculum. Aber die damit zusammenhängenden Themen lassen sich gut einbinden. Das geht natürlich am besten im Englischunterricht, weil das ganze Projekt auf Englisch realisiert wird“, erläutert Joannis Kaliampos, Mitarbeiter in dem Projekt.

Nach der Anmeldung werden die Lehrer zunächst in virtuellen Fortbildungen mit US-Experten in die Themen des Projekts eingeführt. Dabei geht es um den Wahlkampf und das Wahlsystem, politische Kommunikation oder auch die Bedeutung der sozialen Medien in diesem Zusammenhang. Im Anschluss daran werden die Pädagogen mit der Plattform vertraut gemacht.

„Ein hochmodernes, interaktives Schulbuch“

Bevor das Projekt dann in den Klassen beginnt, bekommt jede teilnehmende Gruppe einen der 50 Bundesstaaten zugeteilt. Der Unterricht spezialisiert sich dann auf dieses Gebiet, um die Schüler zu Experten dieses Staates zu machen. „Es macht nämlich einen großen Unterschied, in welchem Bundesstaat gewählt wird“, sagt Kaliampos. Deshalb könne man nicht einfach pauschal sagen, wer die Wahl gewinnen wird. „Es geht bei dem Projekt nicht um die eigene Meinung, sondern darum, die Hintergründe zu erforschen und dann eine begründete Prognose aufstellen zu können“, fügt er hinzu. Das besondere an dem Projekt sei, dass es auschließlich digital umgesetzt werden könne – wenn die Teilnehmer dies wünschen. „Im Prinzip handelt es sich dabei um ein hochmodernes, interaktives Schulbuch“, sagt Schmidt. Er merke, dass gerade in Zeiten von Corona ein großes Interesse an digitalen und hochwertigen Unterrichtsmaterialien bestehe. „Wenn es wieder zu einem Lockdown kommen sollte, kann das Projekt im virtuellen Klassenraum dennoch weitergeführt werden.“

Zusätzlich zu dem Unterricht werden Kontakte zu Schülern in den USA geknüpft. „In Skypegesprächen oder per E-Mail kann dann ein Austausch stattfinden“, betont Schmidt. Während des Projektzeitraums entwickeln die Teilnehmer Videos, Plakate oder Cartoons, um ihre Wahlprognosen zu veranschaulichen. Derzeit sind bereits über 4000 Schüler zu dem Projekt angemeldet. Aus Lüneburg nehmen bisher eine Klasse der Herderschule und drei des Gymnasiums Oedeme teil.

Anmeldungen sind unter www.teachaboutus.org möglich.

Von Lilly von Consbruch