Mittwoch , 30. September 2020
Eindrucksvolles Panorama zum Sonnenuntergang: Blick vom Aussichtsturm auf dem Kniepenberg elbabwärts Richtung Bleckede. Foto: geo

Dieses Panorama ist echt irre

Hitzacker. Zugegeben: Hitzacker liegt von Lüneburg aus nicht gerade um die Ecke. Aber wer die bummelige Stunde Anreise in Kauf nimmt, findet dort eine wunderbare Kombination aus Altstadt, Elbe, Wald, Berg und einem irren Panorama.

Unser Spaziervorschlag lautet: Per Fußgängerbrücke an der Straße Fischergang in Hitz-ackers Altstadt die Jeetzel überqueren und dann nicht die Treppen hoch zum Weinberg stapfen, sondern rechts entlang der alten Jeetzel so lange dem Weg E folgen, bis oben auf der Elbhöhe eine Bank mit unglaublicher Aussicht auf die Elbe steht. Dort rasten, umdrehen und beim nächsten Schild dem Weg E nach rechts in Richtung Klötzie folgen. Diese Stelle ist etwa zwei Kilometer von der Altstadt entfernt.

Nach etwa 200 Metern tut sich eine Geländeformation auf, die wirklich beeindruckt und vermutlich jede und jeden überrascht, der oder die sie zum ersten Mal sieht: das ist die sogenannte Wolfsschlucht. Denn diese Schlucht bietet Blicke, wie sie im norddeutschen Flachland ansonsten kaum zu finden sind.

Dem Weg E immer weiter folgen, die Elbe blitzt zwischen den Bäumen hindurch, man kommt an einer roten Bank vorbei, und nach dem „Waldfrieden“ geht es hoch auf den Weinberg. Dort gibt es nicht nur einen großartigen Blick, sondern ausreichend (Sitz-)Gelegenheiten für eine Pause. Bis etwa 1460 stand dort oben übrigens eine holzbefestigte Burganlage, und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Weinberg zum natürlichen Ausguck in die DDR. Vor der Grenz­öffnung und Wiedervereinigung steuerten viele Reisebusse den Hügel an, um auf das andere Deutschland blicken zu können. Dies und mehr ist nachzulesen auf einer Informationstafel auf dem Berg.

Insel zwischen Elbe und Jeetzel

Treppen führen danach zurück zur Fußgängerbrücke, insgesamt mag dieser Rundweg um die zwei Stunden dauern. Und wen es interessiert, wer früher in den alten Häusern gelebt hat, der sucht an den Fassaden einfach einmal nach Tafeln mit Texten und Fotos darauf. Ähnlich wie im Lüneburger Wasserviertel sind darauf Geschichten über frühere Bewohner der Altstadtinsel zu lesen.

A propos Insel: Hitzacker liegt auf einer Insel zwischen Elbe und Jeetzel. Und in welch weiten Kurven und Schleifen die Elbe fließt, lässt sich ein paar Kilometer weiter noch eindrucksvoller ansehen als vom Weinberg aus.

Wolfsschlucht wird die Geländeformation nahe Hitzacker genannt, die es so tatsächlich sehr selten gibt im norddeutschen Flachland. Foto: geo

Die Elbe gehört zu den letzten naturnahen Flüssen Europas, und wer sich dort oben auf der Aussichtsplattform des auf den 86 Meter hohen Kniepenbergs gebauten Turmes den Wind um die Nase wehen lässt, kann die Lungen mit wunderbar frischer Luft füllen.

Der Kniepenberg liegt an der Elbuferstraße zwischen Tiesmesland und Drethem, von Hitz-acker sind es keine zehn Kilometer dorthin. Und wer Hitzacker und die Wolfsschlucht sowie den Kniepenberg an zwei unterschiedlichen Tagen besucht – oder gern und viel zu Fuß unterwegs ist – kann auch dort eine kleine Tour anschießen, denn auch am Kniepenberg führt der Wanderweg E entlang.

Ein staatlich anerkannter Kneipp-Kurort

Nach wohl einer Viertelstunde, etwa einem Kilometer, wartet eine Bank mit Blick auf die Elbe – wenn die Bäume nicht zu dicht belaubt sind. Und Sebastian Kneipp hat an der Lehne eine Weisheit für die rastenden Wanderer parat: „Wenn du merkst, du hast gegessen, hast du schon zu viel gegessen.“

Kneipp ist in Hitzacker kein Unbekannter, schließlich ist die Stadt seit 2010 staatlich anerkannter Kneipp-Kurort, und es gibt einige Hotels und Pensionen mit Kneipp-Einrichtungen.

Kostenlos parken lässt sich in Hitzacker an der Marschtorstraße, übrigens auch mit dem Wohnmobil. Doch auch die Zugfahrt ist sehr günstig, sie kostet im HVV-Tarif nur zwei Ringe, also gerade einmal 3,40 Euro pro Fahrt. Dafür fährt der Zug auch nur alle paar Stunden.

Die Wolfsschlucht und der Kniepenberg zählen zu den 36 Tipps aus dem Buch „Lüneburger Aussichten“ von Carolin George und Berit Neß. Erhältlich ist es für 12,80 EUR im regionalen Buchhandel und unter www.vonsternschedruckerei.de.

Von Carolin George