Montag , 26. Oktober 2020
Schulleiter Henning Torp demonstriert, wie sich die Schüler, die in den Containern unterrichtet werden, derzeit die Hände waschen müssen. Foto: t&w

Wie auf dem Campingplatz

Lüneburg. Henning Torp ist verärgert. Der Rektor der Igelschule kann es nicht fassen, dass die Stadt die Grundschule in Neu Hagen so lange hängen ließ. Knapp 50 Schüler werden wegen der Baumaßnahmen an der Schule schon seit mehreren Monaten in Containern unterrichtet, die keine eigenen Waschbecken haben. Mit Ausbruch der Corona-Krise wurde der Schule dies zum Verhängnis: Das regelmäßige Händewaschen war nun einfach nicht mehr möglich, ohne dass ein Großteil der Unterrichtszeit verloren ging. Die Schulleitung bat die Stadt darum, einen zusätzlichen Container mit Waschmöglichkeiten aufzustellen – doch die lehnte ab. Die Grundschüler mussten seitdem mit einer Bastellösung auskommen. Doch nun kommt die Stadt doch in Bewegung.

„Man muss lachen, wenn man diese provisorische Lösung sieht – dabei ist das eigentlich gar nicht witzig“, macht Torp seinem Ärger Luft. Die selbstgebaute Camping-Waschstation besteht aus zwei 10-Liter-Wasserkanistern, die mit einem Zapfhahn ausgestattet sind. Daneben hängt ein Brett mit Papierhandtüchern und biologisch abbaubarer Seide, „damit das Wasser einfach die Treppe runterlaufen kann“, sagt Torp.

Waschcontainer scheiterte am Geld

Vor den Sommerferien sei die Schule damit noch halbwegs zurecht gekommen. „Da waren ja nur halbe Klassen da“, erklärt er. Doch seit Beginn des neuen Schuljahres sei die Situation unhaltbar. „In den Containern wird eine zweite und eine vierte Klasse unterrichtet“, sagt Torp – das sind zwei Kohorten, die sich wegen des Coronavirus nicht mischen dürfen. „Das heißt, es dauert ewig, bis sich alle Kinder die Hände gewaschen haben. Dazu kommt, dass die Lehrer ständig die Kanister auffüllen müssen und dabei ja im Prinzip ihre Aufsichtspflicht verletzen müssen, weil sie die Kinder allein lassen“, schildert er das Problem.

Schon vor den Sommerferien ist Torp deshalb mit der Stadt als Schulträger in Kontakt getreten, um über eine Lösung zu sprechen. „Die Situation hält ja nur so lange an, bis der Neubau fertiggestellt ist“, erklärt er. Die Idee: für diese Zeit einen Waschcontainer für die Kinder aufzustellen. Zunächst zeigte sich die Stadt kooperativ, hielt das Vorhaben für eine gute Idee, erzählt Torp. „Aber nach den Ferien hieß es plötzlich: Das ist alles viel zu teuer.“

Keine reine Kostenfrage

Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck betont indes, dass ein Waschcontainer für die Stadt nie eine reale Option war. „Es ist auch keine reine Kostenfrage: Ein zusätzlicher Waschcontainer würde den Kindern weiteren Freiraum für Bewegung in den Pausen nehmen, was sicher nicht ideal ist. Wir haben so etwas auch nicht auf Lager, die Zuleitungen müssten zuvor frostsicher eingerichtet werden, die Realisierung würde sicherlich einige Wochen in Anspruch nehmen“, verdeutlicht sie die Sicht der Stadt. Und weiter: „Diesen Aufwand muss man ins Verhältnis setzen auch zum zeitlichen Bedarf, denn die Bauarbeiten sollen voraussichtlich im März/April auch schon wieder beendet werden. Dann sollen die Mobilklassen wieder geräumt werden.“

Suzanne Moenck erklärt zudem, dass die Stadt in der Igelschule bereits ein zusätzliches Waschbecken in der Mensa angebracht hat und ein weiteres im Flur installieren wollte. Dies wurde von der Schule zunächst abgelehnt. Schulleiter Henning Torp erklärt zunächst: „Ein Waschbecken mitten im Eingangsbereich ist doch keine sinnvolle Lösung. Da staut sich alles und es ist enorm schwierig, die Kohorten zu trennen.“

Dennoch hat die Stadt laut Suzanne Moenck nun noch einmal bei der Schulleitung für diese Lösung geworben, „und gemeinsam überlegt, wie diese im Schulalltag umgesetzt werden kann.“ Letzlich konnte jetzt eine Einigung erzielt werden. Torp sagt: „Wir bekommen jetzt ein zweites Waschbecken. Dafür müssen wir zwar unseren Haupteingangsbereich schließen und die Kinder anders hereinlassen. Das bedeutet für uns viel Arbeit, da wir neue Laufwege kennzeichnen müssen, aber es ist ein guter Kompromiss, den wir gerne eingehen.“

Von Lilly von Consbruch