Samstag , 26. September 2020
Ein Anblick, wie ihn nur Corona ermöglicht: Die Altstadtmauer von Dubrovnik gänzlich ohne Massen von Touristen. Foto: von Darl

Urlaub im Risikogebiet

Lüneburg. Die Welle der Reiserückkehrer ist so massiv, dass die deutschen Labore überlastet sind. Wöchentlich werden derzeit 875.000 Corona-Tests in Deutschland durchgeführt. Deshalb haben sich Bund und Länder vor einer Woche darauf geeinigt, dass kostenlose Tests für Urlauber bald Geschichte sind. Gegenwärtig sind Lüneburgern hingegen noch die frischen Erinnerungen an ihren Urlaub im Seuchenmodus. Über volle Ferienflieger, leere Altstädte und Strände, verzweifelte Gastgeber und Zwangsquarantäne nach der Rückkehr.

„Ich würde jederzeit wieder hinfahren“, sagt Martin Peper mit Blick auf seinen Kreta-Urlaub. Der Lüneburger hatte im Süden der Insel ein Appartement gemietet, „so konnten wir für uns bleiben.“ Der Flieger in den Süden war zwar halbleer, doch die Besatzung des Jets der Corendon Airlines „war sehr inkonsequent bei der Durchsetzung der Maskenpflicht.“ Anders war es bei Taxifahrern und in den Geschäften. „Aber genau wie hier gibt es auch dort wenige Idioten, die die Maske verweigern.“

Sowohl in Hamburg als auch in Heraklion genoß Martin Peper die Annehmlichkeiten halbleerer Flughäfen. „Das Einchecken dauerte nur Minuten.“ Die Schattenseite erleben die Einheimischen, die vom Tourismus leben. „Viele Hotels waren geschlossen“, beobachtete Peper, „und für den Taxifahrer, der uns um Mitternacht vom Flughafen in die Unterkunft fuhr, waren wir seine erste Tour an dem Tag.“

Österreicher waren überwiegend vorbildlich

Eine überwiegend positive Bilanz seines Österreich-Urlaubs zieht Carsten Rückert in einer Mail an die LZ: „Bis auf wenige Fälle von jugendlichem oder alkoholbedingtem ‚Leichtsinn‘ haben sich die Österreicher vorbildlich an die neue Lebensweise gehalten.“ Lediglich in einem Hotel hätten sich die Gäste aus verschiedenen europäischen Ländern nicht an die Abstand- und Masken-Auflagen gehalten.

Disziplinierte Einheimische und sorglose Touristen erlebte auch Bernd von Darl in Kroatien. Der gebürtige Lüneburger lebt mittlerweile in Hamburg und war als Tourist in Split, als dieses vom Bund zur Risikoregion erklärt wurde. Während Schilder in der Altstadt der von Römern gegründeten Stadt auf die Hygieneregeln hinwiesen, Kellner und Taxifahrer die Masken korrekt trugen, saßen diese bei Urlaubern bei mehr als 30 Grad schon mal unter der Nase, wurden an der Bar Unterhaltungen auf Englisch ohne hinreichenden Abstand geführt.

Richtig geärgert hat sich von Darl aber nur über die Flüge mit Eurowings. Der Wartebereich im Flughafen Hamburg sei überfüllt gewesen, der Flieger komplett ausgebucht. Obwohl nur ein recht kurzer Flug, wurde Essen gereicht – also auch die Masken abgenommen. Zudem wurden Kugelschreiber herumgereicht, um die obligatorischen Aussteigekarten auszufüllen.

In Quarantäne Entwicklung eines Hygienekonzepts

Als die Reisewarnung für Split kam, bedeckten die Masken auch wieder die Nasen der Touristen, beobachtete Bernd von Darl. Nach der Rückreise wurde er noch am Flughafen getestet – negativ. Gleichwohl musste er zur Sicherheit in Quarantäne. In der entwickelt er nun mit Kollegen das Hygienekonzept seiner Firma – einer Krankenkasse – weiter. Die hat die Homeoffice-Phase gerade bis Februar verlängert. „Von 1200 Mitarbeitern drängte es in einer Umfrage nur 16 wieder zurück ins Büro.“

So bleibt die gedankliche Auszeit von der Coronakrise auf der menschenleeren Stadtmauer von Dubrovnik und in der ungewohnt ruhigen Altstadt von Split nur eine kurze Episode. Anders als für den kroatischen Veranstalter von Ausflügen in Split. „Kaum wurde die Reisewarnung ausgesprochen, sank die Nachfrage bei ihm auf Null.“

Von Joachim Zießler