Dienstag , 29. September 2020
Dr. Marion Wunderlich. Foto: t&w

Schutz vor der Grippewelle

Lüneburg. Die Corona-Pandemie hat in den vergangenen Monaten das Gesundheitssystem vor große Herausforderungen gestellt. Kommt es in den nächsten Monaten außerdem noch zu einer größeren Grippewelle, wird es problematisch. Das hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn jüngst erklärt und appelliert, dass jeder zur Impfung gehen soll. Die LZ sprach dazu mit Dr. Marion Wunderlich, Leiterin des Gesundheitsamtes Lüneburg.

Frau Dr. Wunderlich, wer sollte sich in dieser Situation impfen lassen?

Dr. Marion Wunderlich: Empfohlen wird die Impfung für alle Menschen über 60 Jahre, alle Patientinnen und Patienten, die einer Risikogruppe angehören, alle Personen, die in medizinischen Berufen arbeiten oder einem hohen Publikumsverkehr ausgesetzt sind. Außerdem für schwangere Frauen und gegebenenfalls Reisende.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte Ende Juli für gezielte Impfungen plädiert, damit es zu keiner Unterversorgung von Risikogruppen wie zum Beispiel Senioren, chronisch Kranken, Pflegekräfte und Ärzte kommt. Wie sehen Sie das?

Grundsätzlich sind gezielte Impfungen wünschenswert. Das wird in der gegenwärtigen Pandemielage aber schwer umsetzbar sein.

Gibt es Ihrer Kenntnis nach ausreichend Impfstoff?

Diese Frage können wir leider nicht beantworten.

Ab wann können sich die Bürger bei ihrem Hausarzt impfen lassen? Bietet das Gesundheitsamt auch Impftermine an?

Die Auslieferung der Impfstoffe beginnt im September. Als „ideale Termine“ werden die Monate Oktober und November empfohlen. Das Gesundheitsamt bietet nur Impftermine für seine Mitarbeitenden an, alle anderen wenden sich bitte an ihre Hausarztpraxis.

Was halten Sie Kritikern von Impfungen entgegen, die diese als gefährlich bezeichnen?

Alle namhaften Experten sind sich über den Nutzen von Schutzimpfungen, einschließlich Influenza, einig. Eine Auseinandersetzung mit Impfgegnern würde dieses Format sprengen.

Reicht es, wenn ich mich für diese Influenza-Saison ein Mal impfen lasse oder muss ich das wiederholen?

In der Regel genügt eine einmalige Impfung für die jeweils aktuelle Saison.

Warum treten Grippewellen immer im Winter auf?

Das RKI nimmt an, dass Influenza-Viren bei kalter Temperatur stabiler sind. Außerdem sind die menschlichen Schleimhäute bei trockener Raumluft – also in der Heizungssaison – anfälliger gegen Bakterien und Viren. Auch soll das Immunsystem im Winter – O-Ton RKI – „weniger schlagkräftig“ sein.

Wie sind Grippe-Symptome und wie unterscheiden sie sich von Covid-19?

Grundsätzlich gilt, dass sich die Symptome von Influenza und Covid-19 stark ähneln. Besonders ausgeprägt bei Covid-19 scheint der Verlust von Geruchs- und/oder Geschmackssinn zu sein. Klarheit kann hier in jedem Fall nur eine PCR-Untersuchung aus einem Rachenabstrich auf SARS-CoV-2 bringen.

Manche glauben, dass sie durch eine Grippeimpfung auch vor Corona geschützt sind. Ist das zutreffend?

Nein! Es gibt derzeit keinen Impfschutz gegen SARS-CoV-2.

Wenn ich an Grippe erkrankt bin, bin ich dann auch stärker gefährdet, an Corona zu erkranken?

Eine Infektion mit dem Influenza-Virus bedeutet, dass das Immunsystem des Erkrankten geschwächt ist. Theoretisch besteht damit auch eine höhere Gefahr, an Covid-19 zu erkranken. Da das SARS-CoV-2-Virus noch sehr „jung“ ist, kann die Frage zurzeit nur hypothetisch beantwortet werden. Entsprechende Erfahrungen werden in der nun beginnenden Influenza-Saison gesammelt werden.

Von Antje Schäfer

Nachgefragt

Wer zahlt‘s

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Impfung gegen Influenza, wenn sie für die jeweilige Personengruppe von der Ständigen Impfkommission (Stiko) beim Robert Koch Institut (RKI) empfohlen wird, sagt Hanno Kummer, Sprecher des Verbands der Ersatzkassen, Niedersachsen. Er verweist auf die Homepage des RKI, wo es zu den Personengruppen (Stand 11.11. 2019) heißt: Alle Personen ab 60 Jahre, Schwangere ab dem 2. Trimenon, chronisch Kranke, medizinisches Personal und Menschen, die in Einrichtungen mit viel Publikumsverkehr arbeiten. Viele Private Krankenversicherungen folgen wie die gesetzlichen den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission und übernehmen dementsprechend die Kosten für die Impfung. „Verweist der Versicherer in den Versicherungsbedingungen nicht auf die STIKO, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass er die Impfkosten nicht erstattet. Wer in den Tarifbedingungen keine Antwort auf seine Frage findet, sollte sich deshalb zur Klärung der Frage direkt an den Versicherer wenden“, sagt René Neumann, Pressereferent beim Verband der Privaten Krankenversicherung.