Montag , 21. September 2020
LZ-Wetterexperte Reinhard Zakrzewski. Foto: Mahler

Der Spätsommer zögert noch

Wendisch Evern. „September in den ersten Tagen, will den ganzen Herbst ansagen.“ Ginge es nach dieser Wetterweisheit, hätten wir nicht mehr allzu viel vom Herbst zu erwarten. Und das, obwohl der September noch ein richtiger Sommermonat sein kann und bis Mitte Oktober 25 Grad drin sind. Den Kopf müssen wir aber noch nicht hängen lassen, denn in den Wetterkarten zeichnet sich derzeit für das übernächste Wochenende ein Spätsommerhoch mit den entsprechenden Temperaturen ab. Unsicher ist noch, ob Wetterfronten aus Westen die Wärme bald wieder vertreiben oder der Spätsommer sogar nahtlos in den Altweibersommer übergeht. Bis dahin ist aber der Frühherbst mit atlantischen Tiefdruckgebieten am Drücker. Ihre Ausläufer versorgen Norddeutschland mit Wolken, einzelnen Schauern und recht kühler Luft.

Temperaturen um 20 Grad sind bis Mitte kommender Woche das Höchste der Gefühle und in den teils klaren Nächten geht’s auf deutlich einstellige Werte runter. Zwischen die Schauer mischen sich aber auch immer wieder freundliche und niederschlagsfreie Tage, sodass uns die Trockenheit mehr oder weniger erhalten bleibt.

Tropennacht verfehlt

Kein Sommer ohne Hitzerekorde: Diesmal traf es den August. Mit einer außergewöhnlich langen Hitzewelle setzte er neue Maßstäbe. Volle drei Wochen lang blockierte hoher Luftdruck über Mittel- und Osteuropa die kühlen Westwinde. So konnte aus Süden dauerhaft sehr warme Luft einfließen, die uns zwischen dem 6. und 17. August acht bis zwölf heiße Tage (mindestens 30°C) bis 36°C in Serie bescherte sowie eine Reihe unerträglich stickiger Nächte. Am 21. August wurde mit einem Minimum von 19,9°C in Wendisch Evern eine sogenannte Tropennacht (Minimum nicht unter 20°C) um einen Wimpernschlag verfehlt, im Stadtgebiet wohl überall erreicht. Damit wurde der bisherige Spitzenreiter in Sachen „August-Dauerhitze“, der Jahrhundertsommer 2003 (sechs Tage in Folge), vom Thron gestoßen und örtlich sogar um das Doppelte überboten.

Hotspot und gleichzeitig das Gebiet mit den geringsten Niederschlägen war der Bereich Lüneburg bis zur Zentralheide. Dabei war Uelzen mit sparsamen 26 Litern/qm einer der trockensten Orte im Messnetz des Deutschen Wetterdienstes. Lediglich in einem Streifen, der von der Südheide bis ins Wendland reichte, konnten Schauer und Gewitter die Bilanz positiv gestalten. Trotz des kühlen Monatsausklangs, endete der August 2020, hinter 1997, als zweitwärmster seit Messbeginn. Abgesehen von Sturmtief „Kirsten“, das am 26. August mit Spitzenböen um 65 bis 80 km/h nur wenige Schäden anrichtete, war der August ein ruhiger Vertreter. Nach dem zwei Grad zu warmen Juni und einem entsprechend zu kühlen Juli, drückte der brandheiße und gebietsweise extrem trockene August dem ganzen Sommer seinen Stempel auf.

Von Reinhard Zakrzewski

Statistik

Sonnig und warm

Der Sommer in Lüneburg/Wendisch Evern: Mitteltemperatur 18,1°C (Abw. +1,0°C);

Niederschlag: 193 mm (92% v. Soll); Sonne: 686 Std. (110% v. Soll)

Der August in Lüneburg/Wendisch Evern im Vergleich zum Klimamittel (1981-2010)

Monatsmittel 20,5°C (Abw. +2,9°C)

Maximum 33,8°C (8. August)

Minimum 10,0°C (3. und 30. August)

Sommertage (Max. mind. 25°C) 19 (normal 11)

Heiße Tage (Max. mind. 30°C) 11 (normal 2)

Niederschlag 52 mm (74% v. Soll)

Regenreichster Tag 15 mm (22. August)

Sonnenschein 234 Std. (115% v. Soll)