Donnerstag , 22. Oktober 2020
Da dürfte der Sportunterricht noch mehr Spaß machen: Daniela Tiesing, Rektorin der Anne-Frank-Schule, ihr Kollege Martin Meier-Schütze (l.) von der IGS und Architekt Stephan Cohrs sind voller Vorfreude. Foto: t&w

Lasst die Spiele beginnen

Lüneburg. Es war über Jahre ein Dauerthema. Sanierung oder Neubau? Um diese Frage drehte es sich lange Zeit. Klar war da längst: In den Sporthallen in Kaltenmoor musste dringend was passieren. Am Ende beantwortete das Geld die Frage: Ein Neubau wäre zu teuer geworden, also sollten die alten Hallen aus den 60er-Jahren saniert werden. Im Dezember 2016 startete der Umbau. Jetzt ist er nahezu fertig: Am Montag, 7. September, wird der Komplex mit den beiden großen Hallen für den Schulsport freigegeben. Die Vereine müssen allerdings noch etwas warten: Sie dürfen wohl erst nach den Herbstferien wieder hinein.

Rund zwölf Millionen Euro, und damit zwei Millionen Euro mehr als anfangs kalkuliert, hat die Sanierung verschlungen, vier hat der Bund beigesteuert. Dafür hat sich der einst hässliche Betonklotz beachtlich gemausert, schon das Entree mit knalligen roten Akzenten ist jetzt deutlich einladender. Neben den beiden Drei-Feld-Hallen und zwölf Umkleidekabinen nebst Sanitärräumen verfügt der runderneuerte Bau über einen 75 Quadratmeter großen Mehrzweckraum und eine Kita mit einer Ganztagsgruppe und einer Zwei-Drittel-Gruppe mit einer Betreuungszeit von 8 bis 14 Uhr. Die jeweils 23 Kinder pro Gruppe freuen sich auch über einen schön gestalteten Außenbereich mit Klettermöglichkeit und Sandkasten zum Buddeln. Ein besonderer Clou: Aus dem Obergeschoss können die Kinder über eine Rutsche direkt aus dem Gebäude auf das Spielgelände im Freien hinuntersausen.

Die älteren Kinder und die Jugendlichen im Stadtteil dürften sich vor allem über den neuen Fußball- und Basketballplatz freuen, der neben den Hallen entstanden und der durchgehend zugänglich ist. Er ersetzt den alten Rasenbolzplatz.

Tore, Netze, Körbe – alles ist elektrisch ansteuerbar

Entstanden sind neue Treppenhäuser für Kita und Sporthalle, das Foyer wurde vergrößert und dient nun auch als Wartebereich für die Schüler. Denn immerhin bietet der Komplex sechs Schulklassen parallel Platz. Die Halle ist nun nicht nur akustisch verbessert und energetisch auf einem zeitgemäßen Stand, sondern dank Aufzug, Automatiktüren in den Fluren und entsprechend gestalteten Toiletten auch behindertengerecht. „Wir haben außerdem die Dachtragwerke ausgetauscht und die lichte Hallenhöhe durch offenes Tragwerk vergrößert – dadurch wirken die Hallen jetzt auch größer“, sagt Architekt Stephan Cohrs. Ein weiterer Clou: Basketballkorb, Handballtore, Ballfangnetze – alles ist elektrisch ansteuerbar. Tribünen sollen noch folgen.

Für die Schüler der Anne-Frank-Schule endet am Montag nun die Zeit des Busfahrens zum Sportunterricht, die Grundschüler können sich jetzt in den runderneuerten Hallen austoben, von denen eine einen blauen, die andere einen gelben Boden hat. Auch die benachbarte IGS und das Johanneum nutzen die Hallen, doch für alle reicht der Platz nicht, einige ihrer Schüler müssen weiterhin auf andere Hallen ausweichen. Schließlich fehlen derzeit auch andernorts noch Hallenkapazitäten, etwa bei den Berufsbildenden Schulen Am Schwalbenberg und in Embsen.

Sozialdezernentin Pia Steinrücke ist überzeugt: „Der Sportpark insgesamt ist eine große Bereicherung für den Stadtteil, nicht nur für Sportvereine und Schulen, sondern für alle. Gerade mit dem Mehrzweckraum haben wir endlich in Kaltenmoor einen zusätzlichen Raum, der für offene und geschlossene Angebote genutzt werden kann. So ein Raum ist im Stadtteil stark nachgefragt. Wir haben hier ja kein Stadtteilhaus. Er kann für Theater, Flohmärkte, das Netzwerk Leseförderung, Spielgruppen, Seniorengruppen und Angebote der Gesundheitsprävention und vieles mehr genutzt werden.“ Die Kita nutzt den Raum für Elterngespräche, die IGS für theoretischen Sportunterricht und die Abi-Klausuren. Auch Bürgerversammlungen sollen hier stattfinden.

Der Hallenumbau ist auch ein Baustein, um Kaltenmoor attraktiver zu machen. Das Einkaufszentrum wurde schon umgestaltet, ein paar Hundert Meter weiter entsteht zudem ein neues Familienzentrum.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es aber schon vor der offiziellen Wiedereröffnung: Es gibt den ersten Vandalismusschaden. Unbekannte wollten wohl über die Fassade aufs Dach steigen. Die Außenjalousien eines Fensters wurden dabei zerstört.

Von Alexander Hempelmann