Montag , 28. September 2020
Vivien Müller-Rommel
Vivien Müller-Rommel. (Foto: privat)

Wicky putzt die Tatorte in London

London/Lüneburg. Es sind große Fußstapfen, in die Vivien Müller-Rommel tritt. Schließlich hat die preisgekrönte Originalserie „Tatortreiniger“ in Deutschland viele Fans, die sie nicht enttäuschen will. Außerdem will sie ihrem britischen Publikum gerecht werden und trotz Remake eine ganz eigene Serie produzieren. Entsprechend gespannt ist die Lüneburgrin, ob „The Cleaner“ ein Erfolg wird. Im November produziert die 37-Jährige die Nachahmung des „Tatortreinigers“ auf Englisch für BBC One.

2016 die Firma Studio Hamburg UK mitgegründet

Müller-Rommel, die in Lüneburg geboren ist und an der Wilhelm-Raabe-Schule ihr Abitur gemacht hat, hat 2016 von Studio Hamburgs Produktionschef Michael Lehmann das Angebot erhalten, die Firma Studio Hamburg UK mitzugründen und ist seitdem dort Geschäftsführerin. In Deutschland hat sie nie gearbeitet – „wenn man die fünf Jahre Kellnern in Schröders Garten während der Schulzeit mal ausnimmt“, sagt sie.

Das von ihr mitgegründete Unternehmen ist eine 100-prozentige Tochterfirma der Studio-Hamburg-Production-Group – und die hat neben vielem anderen den „Tatortreiniger“ produziert.

Der deutsche Tatortreiniger heißt Heiko Schotte und wird gespielt von Bjarne Mädel. Er ist Gebäudereiniger, hat sich aber auf Tatorte von Gewaltverbrechen spezialisiert und stößt dort immer wieder auf Hinterbliebende der Opfer. Mit denen diskutiert und philosophiert er über Gott und die Welt, woraus sich stetig lustige und kuriose Situationen ergeben, die in den einzelnen Folgen dargestellt werden.

„Wir haben bei der Studio-Hamburg-Production-Group die Möglichkeit, englischsprachige Remakes unserer in Deutschland produzierten Filme und Serien zu machen“, erklärt Vivien Müller-Rommel, wie es überhaupt zu der Idee kam. „Also haben wir das Konzept vom Tatortreiniger für ,The Cleaner‘ übernommen.“

Der englische Tatortreiniger heißt Paul “Wicky“ Wickstead und wird von dem Comedy-Schauspieler Greg Davies verkörpert. „Greg war von Anfang an unsere erste Wahl“, erzählt die 37-jährige Lüneburgerin, die seit 13 Jahren im Vereinigten Königreich lebt. „Er ist ein Typ von nebenan, jemand, mit dem man sich identifizieren kann. Und er ist einfach urkomisch.“ Er sei perfekt für die Rolle.

„Wir müssen das Rad ja nicht neu erfinden. Wir haben bereits tolle Storys und die können wir natürlich wunderbar mit neuen Ideen verbinden.“ – Vivien Müller-Rommel, Produzentin von „The Cleaner“

Und es kam noch besser für Müller-Rommel: „Ich hätte damit nie gerechnet, aber Greg wollte das Drehbuch schreiben. Das ist natürlich super, weil er seinen Humor so noch besser einfließen lassen kann. Und immerhin schreibt er seit zehn Jahren seine eigene Stand-Up-Comedy“, betont Müller-Rommel.

Auch ein Treffen zwischen der Produzentin des Tatortreinigers, Ingrid Lausund, und Greg Davies habe schon stattgefunden. „Das war ein total witziger Nachmittag“, erinnert sich Müller-Rommel. Die erste Staffel erinnert in Teilen noch an das Original, erzählt sie, da die sechs besten Ideen aus der deutschen Serie übernommen wurden.

Denn: „Wir müssen das Rad ja nicht neu erfinden. Wir haben bereits tolle Storys und die können wir natürlich wunderbar mit neuen Ideen verbinden. Wir entwickeln aber unsere eigene Version und Episoden – ein Remake, nicht eine Kopie des Originals.“ So sei der Hauptdarsteller Greg Davies schon allein von der Statur her und seinen 2 Metern das Gegenteil vom deutschen Original. Deshalb könnten sich auch die Fans der deutschen Serie auf „The Cleaner“ freuen, meint Müller-Rommel.

Der Heilige Gral britischer Komödien

Wann genau die ersten Folgen erscheinen, steht noch nicht fest. „Es wird aber auf jeden Fall auf BBC One, dem Heiligen Gral britischer Komödien, in einem Primetime-Slot, etwa wie der Tatort im Ersten, ausgestrahlt“, so die Lüneburgerin. Und die Chancen stünden gut, „dass es auch zur gleichen Zeit oder wenig später in Deutschland ausgestrahlt wird“.

„Ich bin sehr optimistisch, dass unsere Version mindestens so erfolgreich wird wie das Original“, wagt Vivien Müller-Rommel eine Prognose. Denn der Vorteil, den englischsprachige Filme genießen, liegt auf der Hand: „Wir produzieren nie nur für den UK-Markt, sondern auch für Irland, USA, Kanada, Neuseeland und Australien.“ So hat Studio Hamburg UK bereits sieben weitere Serien und vier Kinofilme in Entwicklung – aber erstmal konzentriert sich die Lüneburgerin nun auf „The Cleaner“.

Von Lilly von Consbruch