Mittwoch , 30. September 2020
Jugendherberge
Lüneburgs Jugendherberge fehlen die Gäste – und die Unterstützung der Politik (Foto: t&w)

Auf der Kippe

Lüneburg. Lüneburgs Jugendherberge geht es nicht gut. Wo sonst zu dieser Jahreszeit fast jeder Platz im Speisesaal besetzt ist, herrscht Leere. An der Essensausgabe dampft nur noch der Kaffee, die Rezeption ist meist geschlossen. Corona setzt der Einrichtung kräftig zu. Die Herbergseltern hoffen auf Hilfe von der Politik – bislang vergebens.

3400 Übernachtungen waren für diesen Monat eingeplant, „mit etwas Glück kommen wir auf 800“, sagt Undine Bendt, eine der beiden Leiter der Jugendherberge. Nur noch vereinzelt kämen Gäste, meist Familien, die der häuslichen Enge aus Homeoffice und Home Schooling mal entkommen wollen. Zwar dürfe ihr Haus, dessen Tore nach der Schließung im März seit Pfingsten wieder offen stehen, zu hundert Prozent wieder Gäste aufnehmen. Da in den vorwiegend Vierbett-Zimmern aber die Corona-Abstände eingehalten werden müssen, laufe es auf eine 50-Prozent-Regelung hinaus, ergänzt Co-Leiter Dirk Moldenhauer.

Doch selbst diese Auslastung werde kaum erreicht. Grund sei vor allem der Wegfall der Klassenfahrten, seit das Kultusministerium in Hannover eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen hat. „Erschwerend kam noch dazu, dass Minister Tonne sein ursprüngliches Versprechen zur Übernahme der Storno-Gebühren wieder zurückgezogen hat und die Schulen das ab Juli dann selbst tragen sollten“, sagt Moldenhauer. Das habe dann zu einer regelrechten Stornierungswelle geführt.

Statt warmer Mahlzeiten nur noch Lunchpakete

Eine weitere Hürde: Der Wegfall touristischer Highlights wie das Heidenblütenfest in Amelinghausen oder das Sülfmeisterfest in Lüneburg, die immer Gäste gezogen hätten.

Um das Haus in dieser Situation über Wasser halten zu können, wurden alle Mitarbeiter und auch die Leitung auf Kurzarbeit gesetzt. Sieben der bisher 18 Mitarbeiter hätten die Einrichtung zudem verlassen, „freiwillig“, wie Bendt ergänzt.

Gegenwärtig wird der Betrieb mit einer Notbesetzung aufrecht erhalten, mittags gibt es statt warmer Mahlzeiten nur noch Lunchpakete. Auch größere Bauvorhaben oder Sanierungen wurden zurückgestellt.

Dennoch sei die Situation so nicht lange zu halten, dafür reichten die finanziellen Mittel nicht. Denn als gemeinnützige Vereine dürfen Jugendherbergen keine Rücklagen bilden.

„Im Oktober muss Geld fließen“

Als „hochdramatisch“ bezeichnet auch Miriam Müller die Lage. „Seit März sind die Buchungen bei uns um 80 Prozent zurückgegangen“, sagt die Sprecherin des Landverbands im Deutschen Jugendherbergswerk, zu dem auch Lüneburg gehört. Zwei der bislang 23 Häuser – Schöningen und Bad Sachsa – hätten bereits aufgegeben und mussten schließen. Und: Von den Übrigen hätten nur 13 geöffnet, der Rest werde „flexibel gefahren“. Sie öffnen nur an Wochenenden.

Lüneburg sehe sie zwar nicht in Gefahr, der Standort sei „hoch attraktiv“. Dennoch: „Im Oktober muss Geld fließen“, macht Müller deutlich, „sonst wird es für uns knapp.“

Das weiß auch Andrea Schröder-Ehlers. Die Lüneburger SPD-Landtagsabgeordnete hatte erst kürzlich den Jugendherbergen mitgeteilt, dass Hannover endlich eine entsprechende Richtlinie zur Auszahlung der Hilfsgelder auf den Weg gebracht habe. Wann aber diese Gelder ankommen, konnte sie auf LZ-Nachfrage nicht sagen. „Ich weiß, dass es drängt und werde das Thema mitnehmen.“

Von Ulf Stüwe