Dienstag , 22. September 2020
Der Eisbrecher „Bison“ bei der Abholung aus Lauenburg. Der Eisbrecher wurde zunächst zu einer Harburger Werft gebracht. Foto: tja

Abschied vom „Bison“

Geesthacht. 15.200,50 Euro für den 1962 gebauten Eisbrecher „Bison“ und 3040,10 Euro für einen zweiten Voith-Schneider-Antriebssatz. Mit diesen Geboten sicherte sich ein Bieter bei der Verwertungsgesellschaft des Bundes (Vebeg) den Zuschlag im Rahmen einer Onlineauktion. Jetzt ließ der Käufer das Spezialschiff, das bisher für das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Lauenburg (WSA) im Einsatz war, zur Jönk Werft in den Harburger Binnenhafen überführen. Dort will er den Kraftprotz wieder fahrbereit machen lassen – und dann soll er nach einem weiteren Verkauf erneut als Eisbrecher ein zweites Leben erhalten.

„Wir empfehlen unseren Bietern immer, möglichst krumme Summen zu bieten, dann ist man damit alleine“, erklärt Andreas Dlugos, der bei der Vebeg den maritimen Bereich betreut, die Hintergründe zu den ungewöhnlichen Summen des Zuschlags.

„Unser Schlepper hat ordentlich Kraft“

Der Schiffskörper der 23,50 Meter langen und 7,40 Meter breiten „Bison“ (Verdrängung: 186 Tonnen) hat einen extra verstärkten Stahlrumpf, für den der Schallbericht von 2013 Plattenstärken zwischen 6,8 und 11,9 Millimeter aufweist. Weil das Gemeinschaftszeugnis für den 2015 stillgelegten Eisbrecher bereits vor zwei Jahren erloschen und die Hauptmaschine nach einem Defekt ausgebaut war, musste er jetzt abgeschleppt werden. Die Reederei Küstendienst OHG Klement & Schrum aus Holzdorf übernahm diese Aufgabe im Auftrag des Käufers mit ihrem 1955 auf der J. J. Sietas KG Schiffswerft in Hamburg gebauten Schlepper „Wik“ (ex. „Christian Nehls“). Der nur 15,86 Meter lange Schlepper nahm den Eisbrecher längsseits und fuhr vom WSA-Hafen aus durch die Geesthachter Schleuse und dann elbabwärts nach Harburg. „Das hat bestens geklappt, unser Schlepper hat ordentlich Kraft“, so Klaus Klement.

Der „Bison“ verfügt im hinteren Bereich über einen Exzenter zum Erzeugen einer Neigbewegung des Schiffes, die mit einem „Stampfen“ den Eisaufbruch unterstützt. Eine Technik, die die Besatzungen immer sehr schätzten. Doch die nützte dem Spezialschiff im Eiswinter 1993 nichts, damals hing der „Bison“ tagelang im Eis am Stauwehr bei Geesthacht fest.

Zusätzlich hatte die Vebeg im Auftrag des WSA einen zweiten Antriebssatz als Ersatzantrieb, Typ Voith Schneider 18 E/85, mit angeboten. Der Antrieb war 2012 überholt und dann eingelagert worden. Weil er nun nicht mehr gebraucht wurde, wurde er ebenfalls versteigert.

Von Timo Jann