Montag , 28. September 2020
Ohne geht nichts: Wer sein Fahrzeug zulassen will, muss vorher einen Termin vereinbaren. Foto: t&w

Geduldsprobe für Autofahrer

Lüneburg. Die Autobranche schlägt Alarm: Fahrzeuge kommen nicht mehr zeitnah zu den Kunden, lautet der Vorwurf. Ein Grund dafür seien die Kfz-Zulassungsstellen, die aufgrund der Corona-Auflagen nur eingeschränkt arbeiten würden. Festgemacht hatte die Branche ihre Kritik am Beispiel der Kfz-Zulassung in Hannover. Da stellt sich die Frage: Wie sieht die Situation in Lüneburg aus? Die LZ hat nachgefragt.

Die Stimmung bei den Bürgern jedenfalls ist nach wie gereizt: „In Hamburg kann man Neuwagen mittlerweile online anmelden, ab Oktober auch Gebrauchtwagen. Das würde ich mir für Lüneburg ebenfalls wünschen“, schreibt Dorothee Krüger aus Adendorf in einem Leserbrief an die LZ. Und Ludwig Wilsing aus Mechtersen moniert: „Da das Aufsuchen der Ämter meist nur nach Voranmeldung möglich ist, muss der Bürger im Landkreis Lüneburg mittlerweile drei Wochen auf die Zulassung eines Kfz warten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…“

Ein System, zwei Sichtweisen

Morgens um 8.45 Uhr am Eingang zur Kfz-Zulassungsstelle Am Springingut: Eine Handvoll Männer steht auf dem Hof. Einige von ihnen halten Kfz-Kennzeichen in der Hand. Im Eingang zur Behörde sitzt eine Security-Mitarbeiterin mit Mund-Nase-Maske. Sie achtet im Auftrag des Kreises unter anderem darauf, dass jeder Kunde erstens die Hygiene-Bestimmungen einhält und zweitens niemand das Gebäude betritt, der nicht zuvor einen Termin vereinbart hat.

So umständlich und zeitraubend dieses System für viele auch erscheinen mag – die Kreisverwaltung sieht die Arbeitsabläufe kaum beeinträchtigt und will das mit Zahlen untermauern: 6286 Fahrzeuge wurden im Juli in der Hauptstelle an-, um- oder abgemeldet. Im Juli 2019, als vom Coronavirus noch niemand etwas ahnte, waren es „nur“ 5545 Fälle. Auch der August weise ein gutes Ergebnis auf: 5424 Anträge wurden bearbeitet, kaum weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Da waren es 5480. Allerdings lässt der nackte Vergleich unberücksichtigt, dass es – auch wegen Corona – in diesem Jahr neben der gesenkten Mehrwertsteuer auch enorme Rabatte bei vielen Autoherstellern gibt, die den Kauf eines Neuwagens ankurbeln sollen.

Einbrüche bei den Fallzahlen hatte es im Frühjahr gegeben, als der Lockdown verkündet wurde, Behörden und Geschäfte für Publikumsverkehr weitgehend geschlossen blieben, das öffentliche Leben fast zum Erliegen gekommen war. Die Maßnahmen griffen ab Mitte März – und das zeigt sich deutlich in der Statistik schon bei den April-Zahlen: 6103 bearbeitete An-, Um- und Abmeldungen 2019 standen jetzt nur noch 3549 bearbeiteten Anträge gegenüber. Dennoch sind Fachdienstleiter Sven Bretthauer und sein Kollege Jan Burmester überzeugt: „Unser System hat sich bewährt.“

Der Weg zu einem Termin

Und so funktioniert in Zeiten von Corona der Behördengang: Wer sein Neufahrzeug anmelden oder sein altes abmelden, eine Umschreibung vorzunehmen oder sonst einen Behördengang plant, der mit einem Fahrzeug zu tun hat, muss online einen Termin bei der Kfz-Zulassungsstelle vereinbaren. Entweder bei der Hauptstelle in Lüneburg oder in einer der beiden Außenstellen in Bleckede oder Amelinghausen. „Wir vergeben bis zu vier Wochen im Voraus die Termine“, erklären Bretthauer und Burmester. Wer es eilig hat, könne aber auch mit etwas Glück noch am selben Tag einen Termin ergattern. Bretthauer macht den Selbstversuch, ruft um 10 Uhr probeweise die Seite auf: „Gerade sind acht Termine über den Tag verteilt frei“, stellt er fest, schränkt aber ein: „Das ist natürlich nur eine Momentaufnahme, das weiß ich auch.“ Jan Burmester berichtet: „Es gibt Interessenten, die schon vor der Tür stehen und dann erst mit dem Handy einen Termin buchen.“ Allerdings hat nicht jeder Arbeitnehmer Zeit, sich auf gut Glück einfach mal frei zu nehmen.

„Die beste Zeit für einen Sofort-Termin lässt sich morgens zwischen 7.30 und 8 Uhr am heimischen Rechner ergattern“, sagt dennoch auch Kreispressesprecherin Katrin Holzmann und verweist darauf, dass die Behörde bei ihren Öffnungszeiten auf Corona reagiert und Mehrarbeit für die Mitarbeiter angeordnet habe. Deshalb ist die Kfz-Zulassung aktuell montags bis mittwochs von 7.30 bis 13 Uhr, freitags von 7.30 bis 12 Uhr und dienstags von 7.30 bis 17 Uhr geöffnet – das heißt: in dieser Zeit werden die Termine vergeben. „Vorher war es täglich bis 12 Uhr und nur dienstags bis 17 Uhr“, erinnert Holzmann.

Von Klaus Reschke

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