Freitag , 23. Oktober 2020
Kurden
Frauen laufen vorweg. Junge Kurdinnen und Kurden demonstrierren in Lüneburg. (Foto: lat)

Der lange Marsch für die Freiheit

Lüneburg. Am Dienstagabend demonstrierten rund 120 junge Kurdinnen und Kurden in Lüneburg lautstark gegen Faschismus, die Unterdrückung von Frauen und für die Befreiung des kurdischen Volkes. Der Demonstrationszug startete am Morgen in Bad Bevensen. Teils zu Fuß, teils mit der Bahn, setzte er sich bis nach Lüneburg fort, wo er am frühen Abend eintraf. Gegen 17.30 Uhr machte der Zug am Sande Halt. „Gegen den Faschismus“ skandierten die Demonstrierenden. Mit dem „Langen Marsch für die Freiheit“ will die kurdische Jugend in Deutschland für die Freilassung Abdullah Öcalans demonstrieren. Er ist der Anführer der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und sitzt seit 1999 in türkischer Haft, auf der Gefängnisinsel Imrali im Marmarameer.

Auffällig war die Aufteilung der Demonstrantinnen und Demonstranten innerhalb des Zuges. „Bei uns laufen die Frauen vorweg, als Zeichen dafür, dass Frauen stark sind, aber auch noch mehr zu sagen haben sollten“, berichtet eine junge Demonstrantin. Sie schwingt eine blaue Flagge, auf der das Abbild einer Frau zu sehen ist. „Das ist Zilan, sie ist als Kämpferin gestorben und war eine der ersten, die sich gegen die Unterdrückung der Frauen stark gemacht hat“, so die Demonstrantin. Andere Quellen sprechen von Zilan als Selbstmordattentäterin, die mehrere Menschen mit in den Tod nahm.

Nach Aussagen einiger Demonstranten gehe es bei ihren jährlichen Märschen zwar um die Befreiung Öcalans, dies sei aber gleichbedeutend mit der Befreiung des kurdischen Volkes. „Und des Weiteren um die Befreiung aller Minderheiten in der Türkei, egal ob Jesiden, Kurden oder anderer Gruppen“, so ein Demonstrant. Auch die Flagge mit dem Zeichen der Antifa mischte sich unter die der Kurden und die der kurdischen Jugend. Laut Polizei habe es bei der Demonstration bis zum Abend keine Zwischenfälle gegeben.

Von Laura Treffenfeld