Donnerstag , 1. Oktober 2020
Der Elbdeich im Bereich des Waldgebietes Vitico südlich von Radegast soll möglicherweise landeinwärts verlegt werden, um der Elbe bei einem Extremhochwasser mehr Raum zu verschaffen. Foto: t&w

Der Kampf gegen das Elbehochwasser

Radegast. Mehrere „Jahrhunderthochwasser“, das vorläufig letzte war 2013, versetzten die Menschen an der Elbe in den vergangenen Jahren in Angst und Schrecken. Der Schutz vor künftigen Hochwasserereignissen muss verbessert werden, da sind sich alle einig. Zu einer möglichen Maßnahme, der Rückverlegung des Deichs zwischen Bleckede und Radegast im Bereich der Vitico, auf einer Fläche von 150 Hektar, wollten Abgeordnete der Grünen jetzt Genaueres von der Landesregierung wissen.

Die Lüneburger Abgeordneten Miriam Staudte und Detlev Schulz-Hendel sowie Imke Byl (Gifhorn) stellten die Kleine Anfrage. Sie beziehen sich dabei auf die „Machbarkeitsstudie für eine Deichrückverlegung im Bereich der Stadt Bleckede, Flurlage Vitico“. Die hatte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) im Frühsommer vorgestellt.

Bei einer Bürgerversammlung in Radegast drehten sich dann viele Beiträge um die Frage von Entschädigungen für Landwirte, die im Zuge der Rückdeichung Flächen abgeben müssen. Diese dürften sie zwar weiter bewirtschaften, die Flächen könnten aber immer wieder überflutet werden. „Welche Möglichkeiten der Entschädigung es gebe, um Wertmindungen zu entschädigen“, wollten die Grünen wissen.

In ihrer Antwort verweist die Landesregierung auf das reguläre Verfahren nach dem Wasserhaushaltsgesetz, das für Flächen-eigentümer Entschädigungen vorsieht. Mit Hilfe von Sachverständigengutachten werde dann Höhe und Umfang festgestellt, auch seien bei fortgesetzter Bewirtschaftung weiter EU-Direktzahlungen möglich.

Den Grünen-Abgeordneten geht das aber nicht weit genug. Miriam Staudte: „Es ist gut, dass es klare Regelungen dazu gibt, aber die Landesregierung muss auch deutlich machen, dass die Betroffenen Unterstützung bei solchen Verfahren bekommen.“ Staudte wünscht sich „mehr Informationen für Flächeneigentümer und Flächenbewirtschaftende“.

„Wir können das nicht nur den anderen überlassen“

Sie fordert generell verstärkte Bemühungen im Hochwasserschutz ein. Niedersachsen sei unter den Bundesländern Schlusslicht bei Rückdeichungen. „Es wäre ein wichtiges Zeichen in Richtung Mecklenburg-Vorpommern, die bei Boizenburg großräumige Rückdeichungen planen, wenn auf beiden Seiten der Elbe Maßnahmen umgesetzt werden würden. Ich verstehe die Bedenken vor Ort, aber wir können das nicht nur den anderen überlassen.“

Die drei Grünen-Abgeordneten wollten von der Landesregierung auch Näheres über den Zeitplan einer möglichen Rückdeichung wissen. Zurzeit würden „ergänzende Fachgutachten“ erarbeitet, heißt es in der Antwort. Es gelte nun, bis Ende 2020 „die möglichst von allen am Prozess Beteiligten als genehmigungsfähig, geeignet und tragbar angesehene neue Deichtrasse auszuwählen“. Dabei sei auch die Entscheidung für die Deichnacherhöhung auf der bestehenden Trasse möglich.

Nach weiteren Planungen, Grunderwerbsverhandlungen, Gesprächen über Entschädigungen, dem Planfeststellungsverfahren und dem Bau sei laut Landesregierung mit einer Fertigstellung der Maßnahme „aktuell realistisch frühestens für das Jahr 2027“ zu rechnen.

Von Ingo Petersen

Mehr dazu:

Mehr Platz für die Elbe

Für eine qualifizierte Begleitung

Sicher ist: Die nächste Flut kommt