Sonntag , 27. September 2020
Die Arbeiten an der Arena Lüneburger Land schreiten voran, rund 272 Parkplätze werden direkt auf dem Gelände der Veranstaltungshalle angelegt. Foto: Michael Behns

„Konzept, das funktionieren kann“

Lüneburg. Für Tanja Bauschke zeichnet sich bei der „Arena der Pannen“ die nächste Panne ab. Deshalb hatte die Grünen-Kreistagsabgeordnete zur Sitzung des Hochbauausschusses am Montagnachmittag in der Mensa des Schulzentrums Oedeme gleich einen ganzen Fragenkatalog zum Verkehrskonzept der Arena Lüneburger Land mitgebracht. „Für mich ist das eher ein Papier als ein Konzept“, sagte Bauschke über die fünf DIN-A-4-Seiten.

Auslöser für den Unmut der Grünen ist das, was Kreisrätin Sigrid Vossers in der Sitzung als „lernendes System“ bezeichnete. Als Grundformel mag dienen, das unterschiedliche Veranstaltungen auch unterschiedliche Bedarfe an ein Verkehrskonzept nach sich ziehen. Entsprechend möchte der Kreis kein starres Konzept mit einer fest umrissenen Zahl von Parkplätzen, Shuttle-Verkehren und Radstellplätzen entwerfen, sondern je nach Veranstaltung flexibel reagieren können. Dieses Ziel spiegelt sich in der Gliederung des Verkehrskonzeptes wider. Unter Umsetzung finden sich die Unterpunkte „Verkehre erkennen“, „Verkehre planen“ und „Verkehre lenken“.

Ticketkäufer müssen Art der Anreise angeben

Der jeweilige Bedarf soll weitgehend schon beim Ticketverkauf ermittelt werden. Vorgesehen ist, dass jeder Kartenkäufer zwingend angeben muss, wie viele Personen mit welchem Verkehrsmittel anreisen. Kommen Besucher mit dem Rad, wird gleich ein Stellplatz mitreserviert, nutzen sie öffentliche Verkehrsmittel, ist das Veranstaltungsticket des Hamburger Verkehrsverbundes inklusive. Und kommen sie mit dem Auto, können sich Besucher entscheiden, ob sie ihr Fahrzeug auf dem Hauptparkplatz abstellen oder einen Shuttle-Service nutzen wollen. Je nach Art der Anreise können zusätzliche Kosten entstehen.

Hintergrund für die flexible Lösung ist allerdings auch, dass es sich bei der Arena Lüneburger Land um „eine zu große Halle auf einem zu kleinen Grundstück“ handelt. So umschrieb der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Günter Dubber, die Situation in einem Interview mit der LZ Anfang August. Im Klartext: Zwar soll die fertige Arena Platz für bis zu 3500 Besucher bieten, doch lassen sich auf dem Areal nur 272 Stellplätze dauerhaft realisieren. Vorgeschrieben sind laut Baugenehmigung jedoch 700.

Dazu heißt es im Verkehrskonzept der Projektsteuerer der Reese Baumanagement GmbH: „Die Herstellung der übrigen Kfz-Stellplätze kann so lange unterbleiben, wie für Veranstaltungen mit mehr als 1360 Besucherinnen und Besuchern wahlweise ein Shuttlebetrieb eingerichtet wird oder die Verfügbarkeit von Stellplätzen auf den umliegenden Grundstücken nachgewiesen wird.“ Im Kern bedeutet dies: Bei Veranstaltungen mit bis zu 1360 Besuchern reichen die 272 Stellplätze auf dem Arena-Areal, bei größeren Events soll das Verkehrskonzept nach dem Baukasten-Prinzip individuell angepasst werden.

Shuttle nach Bardowick erst ab 2500 Besuchern

Eine der letzten Ausbau-Stufen wäre die Einrichtung eines Shuttlebetriebs mit 300 Parkplätzen am Naturbad Bardowicker Strand. Die Situation hat sich Grünen-Abgeordnete Bauschke vor Ort angesehen – und ist wenig begeistert. „Das ist kein Parkplatz, sondern eine Wiese.“ Zudem habe Bardowicks Samtgemeindebürgermeister ihr in einem Gespräch erläutert, dass diese Fläche nur in Notfällen zwei- bis dreimal im Jahr zur Verfügung stehe, „und auch nicht während der Badesaison“. Bauschkes Frage, ob es einen Vertrag mit der Samtgemeinde gäbe, verneinte Kreisrätin Vossers. „Die Fläche in Bardowick wird erst ab einer Besucherzahl von 2500 benötigt. Dafür brauchen wir keinen Vertrag.“ Was es laut Vossers jedoch gibt, ist eine schriftliche Erklärung des Bardowicker Rathauschefs Luhmann.

Deutlich wurde in der Sitzung aber auch: Noch sind längst nicht alle Verhandlungen abgeschlossen: So wird im Verkehrskonzept der Projektsteuerer ausgeführt: „Bereits im Grundstückskaufvertrag wurden dem Landkreis rund 100 Parkplätze auf einem angrenzenden Grundstück zugesagt, die dort dauerhaft genutzt werden können.“ Tritt dieser Fall tatsächlich ein, wären Veranstaltungen mit bis zu 1860 Besuchern möglich, ohne dass Shuttlebetriebe eingerichtet oder weitere Parkplätze nachgewiesen werden müssten. Auch mit Blick auf diese 100 Parkplätze gibt es noch Gespräche.

Und die sind unter anderem vor dem Hintergrund wichtig, dass Stadt und Landkreis als Ziel vereinbart haben, zusätzlich zu den 272 Stellplätzen direkt auf dem Arena-Gelände 400 weitere im Umfeld bereitzustellen. In dieses Kontingent fallen auch die 97 Parkplätze, für die ein bereits unterschriftsreifer Vertrag vorliegt, Kosten: rund 51.000 Euro jährlich (LZ berichtete). In einer Stellungnahme der Verwaltung gegenüber der LZ heißt es zu den Plänen: „Die zusätzlichen Parkplätze können auch schon bei kleineren Veranstaltungen, wenn der Nachweis gemäß Baugenehmigung noch gar nicht erforderlich ist, genutzt werden.“ Dies erweitere die Handlungsmöglichkeiten des Landkreises – und macht möglicherweise einen Shuttle nach Bardowick überflüssig.

Landrat Böther weist pauschale Kritik zurück

Vielleicht mochte Landrat Jens Böther in der Sitzung des Hochbauausschusses auch deshalb, Bauschkes „pauschale Kritik nicht einfach stehen lassen“. Böthers Eindruck: „Wir haben ein gutes Konzept, das funktionieren kann. Und wenn es nicht funktioniert, wird nachgebessert.“

Von Malte Lühr

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