Donnerstag , 22. Oktober 2020
Der Rat der Samtgemeinde Ostheide hat das mittelfristige Aus der Grundschule in Neetze beschlossen: Das Gebäude soll nun doch nicht modernisiert und erweitert werden, stattdessen soll eine neue Schule gebaut werden. Foto: Michael Behns

Teurer Kurswechsel in der Ostheide

Neetze. Die Sitzung am Dienstagabend in Neetze wird Geschichte schreiben. Wenigstens in diesem Punkt sind sich in der Samtgemeinde Ostheide alle einig. Aber das war’s dann auch mit den Gemeinsamkeiten. Denn während CDU, Grüne und UBO bei dem zu später Stunde gefassten Beschluss von einer „guten, nachhaltigen und sinnvollen Investition in die Zukunft“ sprechen, sehen die Sozialdemokraten die Samtgemeinde in die finanzielle Katastrophe trudeln. Vor der Abstimmung warnte Samtgemeindebürgermeister Norbert Meyer (SPD) in einer hoch emotionalen Rede die Ratskollegen, dass er sich gezwungen sehe, die Kommunalaufsicht einzuschalten. „Aus Sorge um das Wohl und die finanzielle Zukunft der Samtgemeinde!“ Ein Novum in seiner nunmehr 14-jährigen Amtszeit.

Genutzt hat diese Mahnung nichts: In namentlicher Abstimmung votierte der Rat mit 15 Ja-, bei zehn Nein-Stimmen und einer Enthaltung dafür, die bisherigen Planungen für den Um- und Ausbau der Grundschule in Neetze komplett zu stoppen und die alte Ausschreibung aufzuheben. Stattdessen soll eine neue Grundschule am Ortsrand in Nähe des Sportplatzes errichtet werden.

Selten wurde in einer Sitzung der Samtgemeinde so beschwingt mit Millionen-Summen jongliert: 5,7 Millionen Euro sollte der Um- und Ausbau der Grundschule kosten. Schon diese Summe wäre die bislang größte Investition in der Geschichte der Samtgemeinde gewesen. Der aber jetzt von der Ratsmehrheit beschlossene Neubau wird nach Ansicht der Sozialdemokraten 10 bis 12 Millionen Euro verschlingen. „Dann können wir andere Projekte einstellen“, prophezeite SPD-Fraktionschefin Brigitte Mertz düster.

Rund 340.000 Euro sind bereits ausgegeben

Dabei hatten die Ostheider früher auch schon über einen Neubau diskutiert. Abriss und Neubau am Standort der Schule hätte laut Architekten rund 8,4 Millionen Euro gekostet. Das erschien den Fraktionen im Rat bis vor wenigen Wochen zu teuer. Sie verwarfen den Plan, gaben grünes Licht für die Sanierung der Schule – bis Dienstagabend.

Namhafte Politiker bemühten die Neubau-Befürworter, um ihren Sinneswandel zu erklären: Rolf-Bernd Zantop (Grüne) etwa zitierte CDU-Bundeskanzler Konrad Adenauer, der gesagt haben soll: „Aber meine Herren, es kann mich doch niemand daran hindern, jeden Tag klüger zu werden.“ Dieses Recht nimmt auch er für sich in Anspruch, sagt: „Das Verkehrskonzept am alten Standort, die unbefriedigende Parkplatz-Situation für die Feuerwehr, die Container-Lösung…, das hat in mir den Entschluss reifen lassen, das der alte Standort nicht mehr haltbar ist.“

„Ich weiß, dass wir mit der Neubau-Idee relativ spät aus der Deckung kommen“, sekundierte Karsten Johansson (CDU), der aber die Auffassung vertritt: Besser spät als nie. Noch sei kein Bauantrag für die Umbauarbeiten gestellt, noch könne man den Schaden in Grenzen halten.

Das sehen Politiker der SPD ganz anders: 340 000 Euro seien bereits für Gutachten, Brandschutz, Bodenproben, Planungen und dergleichen ausgegeben worden. Etliche Aufträge seien an Firmen und Büros vergeben worden. Die zu stoppen, sei nicht so einfach. „Am Ende werden wir eine halbe Million Euro ausgegeben haben für nichts“, mahnte Meyer.

Überzeugen konnte er die Neubau-Befürworter nicht, im Gegenteil: „Die SPD inszeniert hier ein Droh-Szenario“, glaubt Thomas Bieler (CDU): „Dass ein Neubau teurer wird und die Samtgemeinde an die Grenze der finanziellen Leistungsfähigkeit bringt, das stimmt nicht!“ Im Übrigen müsse jetzt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die öffentliche Hand investieren, um die Wirtschaft anzukurbeln. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Neue Schule für 7,7 Millionen Euro

„Für 7,7 Millionen Euro lasse sich eine zweizügige Grundschule bauen“ rechnet Bieler vor, dazu komme noch der Bau einer Einfeld-Sporthalle. „Die Samtgemeinde wird sich nicht übernehmen“, ist er überzeugt.

Und wie bewerten die Lehrer den Richtungsschwenk? „Überlegen Sie es sich bitte noch einmal“, appellierte Schulleiterin Bärbel Wildner an den Rat: Sie und ihre Kollegen seien mit den Umbau-Planungen vollauf zufrieden. „All unsere Wünsche wurden berücksichtigt.“ Jetzt habe sie Sorge, dass bei einem Neubau der Politik das Geld ausgehen könnte – und pädagogisch sinnvolle Wünsche zusammengestrichen werden.

Von Klaus Reschke

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