Mittwoch , 30. September 2020
Wegen Corona hat das Jobcenter im Landkreis Lüneburg eine zusätzliche Hotline eingerichtet, doch es gibt Probleme. Foto: t&w

Bei Anruf keine Verbindung

Lüneburg. Seit dem 8. Juni kann das Jobcenter in Lüneburg wieder persönlich aufgesucht werden. Darauf weist die Arbeitsbehörde auf ihrer Homepage hin. Kunden müssten nur vorab einen Termin unter der angegebenen Telefonnummer vereinbaren. „Aber das funktioniert nicht so ohne Weiteres“, berichtet Anke Baumgarten von der Sozialberatung beim Paritätischen Wohlfahrtsverband in Lüneburg. Obwohl das Jobcenter noch eine Notfall-Hotline freigeschaltet hat, sei ein Durchkommen schwierig. „Man landet ganz häufig in der Anrufschleife“, hat Anke Baumgarten festgestellt.

Verärgert über barsche Abfuhr

Sie berichtet von einer Klientin, die psychische Probleme habe und für die es extrem belastend sei, lange in der Warteschleife zu hängen. „Ich habe die Nummer selbst ausprobiert und bin auch in der Bandansage hängen geblieben“, sagt Baumgarten. Statt durchgestellt zu werden zu einem Jobcenter-Mitarbeiter habe es nur geheißen: „Alle Leitungen sind zurzeit belegt, versuchen sie es bitte später noch einmal…“

Verärgert über die Reaktion eines Jobcenter-Mitarbeiters ist auch Ingeborg Stoephasius: Die Adendorferin betreut einen Mann, der als Flüchtling aus Afghanistan nach Lüneburg kam, und der zum 1. August eine Lehre bei einem Lüneburger Unternehmen begonnen hat. Er habe ein eigenes Zimmer, das er zuvor mit seinem Verdienst auch bezahlen konnte. „Wegen der deutlich geringeren Ausbildungsvergütung braucht er nun aber Unterstützung vom Jobcenter“, erklärt die Adendorferin.

Fast zwei Wochen lang hätten die beiden nach Stoephasius Worten – erfolglos – versucht, einen Termin beim Jobcenter zu bekommen. „Auch das Stellen eines Antrags über die Internetseite funktionierte nicht“, sagt Stoephasius.

„Das muss er selbst hinbekommen“

Als geradezu unverschämt empfindet die Adendorferin jedoch das Verhalten eines Mitarbeiters, als ihr Schützling endlich das Glück hatte, eine Telefonverbindung ins Jobcenter zu bekommen. Der Mann vom Amt habe das Gespräch einfach abgebrochen, „weil nach seiner Ansicht die Aussprache des Flüchtlings zu schlecht war, um die Kundennummer zu übermitteln“, sagt Stoephasius. Zuvor habe der Mitarbeiter die Hilfe von Ingeborg Stoephasius abgelehnt mit den Worten: „Das muss er selbst hinbekommen.“

Stoephasius hat inzwischen mit Jobcenter-Chefin Angelika Brauer gesprochen, ihr den Fall geschildert. „Die fand das Verhalten ihres Mitarbeiters auch nicht in Ordnung“, berichtet sie, „versprach aber, dem jungen Mann nun selbst den Antrag zuzuschicken, damit er Unterstützung beantragen kann.“

So weit, so gut. Nur hat nicht jeder das Glück, die Behördenleiterin persönlich ans Telefon zu bekommen. Angelika Brauer sagt deshalb: „Wenn die Kunden die Telefonnummer 60370 wählen, werden sie zu unserem Service-Center nach Uelzen durchgestellt. Hier können die Mitarbeiter dem Anrufer schon bei ersten Fragestellungen Auskunft geben oder aber die Telefonnummer für einen Rückruf notieren.“ 100 Leitungen seien auf dieser Nummer freigeschaltet.

Jobcenter-Chefin räumt Probleme ein

Wegen Corona hat die Behörde eine zusätzliche Hotline eingerichtet. Dennoch gibt es Probleme. Das streitet Angelika Brauer nicht ab, sagt aber auch: „Wir sind zurzeit auf einem so guten Stand bei der Leistungsgewährung wie seit Jahren nicht.“ Die bürokratischen Erleichterungen sowie das von der Bundesregierung geschnürte Corona-Paket erleichterten die Arbeit ihrer Kollegen im Jobcenter.

Derzeit befinden sich im Jobcenter 12.693 Personen im Leistungsbezug (einschließlich Kleinkinder). Vor Corona im Februar waren es 12.155. Zudem werden vom Jobcenter 6274 sogenannte Bedarfsgemeinschaften (Familien) unterstützt. Im Februar waren es noch 5880.

Von Klaus Reschke