Dienstag , 20. Oktober 2020
Schweinepest
Seit Monaten wird versucht, den Gesamtbestand an Wildschweinen möglichst gering zu halten, um einer möglichen Ausbreitung der Schweinepest vorzubeugen. (Foto: Landesforsten)

Kampf gegen die Schweinepest

Lüneburg. Es war wohl nur eine Frage der Zeit: Das Virus der Afrikanischen Schweinepest (ASP) hat die Grenze zu Polen überschritten und Deutschland erreicht. Ein Verdachtsfall in Brandenburg wurde vom Friedrich-Löffler-Institut (FLI) bestätigt. Sollte die ASP bis in unsere Region vordringen, greifen Szenarien wie in einem Endzeit-Thriller:

Dann werden Sperrzonen eingerichtet. Eigens ausgebildete Bergeteams in Schutzanzügen werden dann die erlegten Sauen aus dem Wald holen und zu eigens aufgestellten Kühlcontainern auf Sammelplätzen in den Samtgemeinden bringen, damit die Tiere untersucht werden können. Ganze Gebiete werden eingezäunt, um zu verhindern, dass infizierte, noch nicht erlegte Wildschweine ausbrechen können. Diese Areale dürfen dann nur noch Jäger und Bergeteams betreten. Für Spaziergänger, Reiter, aber auch für Landwirte sind diese Sperrzonen tabu.

„Wir können nur beten, dass dieser Fall bei uns niemals eintreten wird“, so der Vorsitzende der Lüneburger Jägerschaft, Christian Voigt, vor ziemlich genau einem Jahr im Gespräch mit der LZ.

Weil es kein Medikament gegen die ASP gibt, hilft nur eins: Die Jäger müssen die Schwarzkittel konsequent ins Visier nehmen. Denn nur wenn die Bestände reduziert werden, besteht Hoffnung, die Infektionskette zu durchbrechen. Dazu hatte das niedersächsische Landwirtschaftsministerium auch einen Großversuch mit Lebendfallen – sogenannten Saufängen – gestartet (LZ berichtete). Zum Versuchsgebiet gehören der Heidekreis, der Landkreis Rotenburg/Wümme – und eben der Landkreis Lüneburg. Das Land hat eigens einen Berufsjäger eingestellt, der das auf vier Jahre angelegte Projekt betreut und dessen Aufgabe es ist, die in der Falle sitzenden Schwarzkittel durch Fangschuss zu erlegen.

Im Kreishaus fühlt man sich auf die ASP sehr gut vorbereitet: „Vor zwei Jahren hatten wir eine große Krisenübung, wo wir alle notwendigen Schritte durchgegangen sind. Dazu gehören die Einrichtung von verschiedenen Sicherheitszonen sowie Jagdliche und Landwirtschaftliche Maßnahmen, erklärt Pressesprecher William Laing.

Das Veterinär- und das Ordnungsamt stehe zudem in engem Kontakt mit der Forst- und Landwirtschaft, der Jägerschaft und den Kommunen im Landkreis. „Das Veterinäramt hat mehrmals jährlich Seuchenübungen, auch zum Thema ASP. In naher Zukunft ist wieder eine ASP-Übung anberaumt“, betont Kreisssprecher Laing weiter.

Im Bereich der Tierseuchenbekämpfung habe der Landkreis Lüneburg eine Kooperation mit den Nachbarkreisen Uelzen, Harburg und Lüchow-Dannenberg. Wichtigster Faktor für die Früherkennung beziehungsweise die Erkennung einer möglichen Einschleppung in den Landkreis sei das Monitoring von Fall- und Unfallwild und auffällig erlegten Wildschweinen. „Das haben die Jäger in der Vergangenheit mit Gewissenhaftigkeit vorgenommen. Die Früherkennung ist unsere einzige Chance für eine erfolgreiche Bekämpfung“, erklärt Laing und beruhigt: „Aktuell sind aus Sicht des Kreises keine zusätzlichen Maßnahmen notwendig“.

Von Klaus Reschke