Freitag , 23. Oktober 2020
Erste Hilfe
Es geht nicht darum, wie ein Arzt helfen zu können. Aber im Rahmen der eigenen Möglichkeiten muss man Verletzten helfen. (Grafik: Adobe Stock)

Vom Pflaster bis zum Defibrillator

Lüneburg. Ob es ein Wespenstich, ein Fahrradunfall oder der Schlaganfall ist, bevor der Rettungswagen eintrifft, zählt oft jede Minute der Ersten Hilfe. Zur Hilfe ist jeder verpflichtet, auch, wenn es nur um den Anruf bei „112“ geht. Für manch einen ist der letzte Erste-Hilfe-Kurs jedoch schon wieder einige Jahre her und direkte Erste Hilfe zu leisten, kostet Überwindung. Die Kenntnisse sind bei vielen Menschen veraltet: Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) liegt der letzte Erste-Hilfe-Kurs bei mehr als der Hälfte der Befragten (51,4 Prozent) schon über zehn Jahre zurück. Je älter die Befragten sind, desto länger ist der Kursus her.

Auf Rückfragen warten und nicht direkt auflegen

Irene Skobanek, beim DRK im Landkreis Lüneburg für die Ausbildung zuständig, erklärt, was und wer alles geschult werden kann. „Wir vermitteln in unseren Kursen ganz praktisch, wie etwa die Stabile Seitenlage, die Herz-Lungen-Wiederbelebung oder der Umgang mit einem Defibrillator funktioniert. Gerade beim ‚Defi‘ erlebe ich oft, dass die Leute dann sagen, jetzt traue ich mich, den im Notfall auch von der Wand zu nehmen“, sagt Skobanek. Geschult werden bereits die Jüngsten. „Da fangen wir in der Vorschule und in der Grundschule an, denn wir sind der Meinung, keiner ist zu klein, um Helfer zu sein. Gerade wenn es darum geht, Hilfe zu holen, können auch die Kinder schon ganz viel machen.“

Beliebt ist hierbei immer der korrekte Notruf. 112 wählen und dann folgende Informationen nennen: Wo ist etwas passiert, was ist da passiert, wie viele Verletzte gibt es, welche Arten von Verletzungen kann man ausmachen und dann muss man auf Rückfragen warten und nicht einfach schnell wieder auflegen.

„Im Schnitt schulen wir pro Jahr ungefähr 2000 Menschen im Landkreis in unseren Erste-Hilfe-Kursen. 2019 waren darunter 370 Teilnehmer, die den Schein für eine Jugendleiterkarte, einen Führerschein oder einfach aus Interesse gemacht haben und rund 1350 Teilnehmer, die den Kursus im Rahmen einer betrieblichen Ersthelferausbildung machen mussten“, so Irene Skobanek. Das sei jeweils mehr als im Jahr davor (320 freiwilige und 1000 fachliche Teilnehmer).

„Wir verzeichnen auch einen Zuwachs bei unseren Kursen ‚Erste-Hilfe am Kind‘, da können Großeltern oder Eltern noch einmal speziell auf Fragen zu Hilfe am Kind eingehen. Hier geht es um verschluckte Dinge oder Insektenstiche. Da hatten wir 2019 mit 110 Teilnehmern fast doppelt so viele wie im Vorjahr.“ Für 2020 seien die Zahlen mit Blick auf die Corona-Einschränkungen wenig aussagekräftig.

Ein Kursus kostet im Schnitt 40 Euro und dauert acht Stunden. Die werden oft an einem Sonnabend abgehandelt. „Ich empfehle eigentlich jedem, so alle zwei, drei Jahre seine Erste-Hilfe-Kenntnisse aufzufrischen“, sagt Skobanek. In diesem Jahr seien nur noch sehr vereinzelt Kursplätze frei.

Unterlassene Hilfeleistung ist strafbar

Laut Paragraf 323c des Strafgesetzbuches kann man sich bei unterlassener Hilfeleistung strafbar machen. Kai Richter, Sprecher der Polizeiinspektion Lüneburg, stellt jedoch klar: „Es geht nicht darum, ein perfekter Ersthelfer zu sein, sondern im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zu helfen. Da kann man auch den Notruf absetzen oder andere Passanten ansprechen – nur wer gar nichts tut, womöglich noch über eine verunfallte Person hinwegsteigt und fortgeht, der handelt gesetzeswidrig.“

Von Laura Treffenfeld

Auf Instagram erklären wir mit einer Story, wie man einen Notruf absetzt.