Joachim Zießler

Schräger Blick auf schräge Wände

In dem Arbeiterhaushalt, in dem ich aufwuchs, galt: „Über Geld redet man nicht!“ Weil: „Geld verdirbt den Charakter!“ Das sagt sich so leicht, wenn man keine 35 Millionen Euro als Festgeld auf einem Konto der Londoner Nord/LB-Filiale angelegt hat, wie die Leuphana zu Silvester 2009. Und für den Haushaltsausschuss des Landtages gilt das Schweigegelübde meines Elternhauses natürlich nicht. Er muss sogar darüber reden, ob das Geld des Souveräns, der Bürger, seriös ausgegeben wird. Mein Vater, ein Maurer, hat nichts gegen Betongold. Ob er das Geld allerdings für die schrägen Wände des Zentralgebäudes ausgegeben hätte, bezweifle ich.

Zwei Mal ist das Thema Leuphana-Finanzen bereits kurzfristig von der Tagesordnung des Haushalts- und Finanzausschusses geflogen. Man merkt: So leicht redet es sich nicht über Geld. Die Leuphana mag sich am liebsten gar nicht mehr an ihren Notgroschen erinnern. Und das wohl nicht nur wegen der Skandale der Nord/LB, die Reedern Kredite gab, die Otto Normalverbraucher nicht bekäme. Abgeordnete der großen Koalition in Hannover wollen darüber reden, aber schnell und abschließend. Schließlich möchte man im nächsten Jahr vor der Wahl von Kommunen und Bundestag nicht die Schlagzeile lesen: „Leuphana erneut am Finanztropf“. Die Abgeordneten der Opposition finden dagegen im Moment nichts spannender als Bilanzen. In der Hoffnung, dass der Wähler fleißige Rechner mit mehr Prozenten belohnt. Rechnen statt reden, ist das Motto im Finanzamt. Und das prüft derzeit, ob die Leuphana Millionen Euro vom Vorsteuer-Abzug zurückzahlen muss, weil der Libeskind-Bau nicht so oft für Hochzeiten gebucht wird wie erhofft.

Reden sollte man aber darüber, wie die Uni, die sich noch 2007 intern attestiert hat, in Niedersachsen die mit der „schwächsten Finanzausstattung“ zu sein, so erfolgreich sparen konnte. Was wurde im Finanz-Mekka an der Themse angelegt? Geld für Professorenstellen, die unbesetzt blieben? Nicht verwendete Studiengebühren? Oder nur das, was das Land über den Durst überwies?

Gut an der schwäbisch wirtschaftenden Uni ist, dass hoffentlich genug Geld da ist, falls der Unterhalt der schrägen Wände und vieleckigen Fenster teurer wird als gedacht.

Von Joachim Zießler