Breite Straße
Heiko Franken (l.) zeigt Dennis Neumann die Umbaupläne für die Häuser Breite Straße 35 und 37, die beiden Gebäude im Hintergrund. (Foto: t&w)

„Es herrscht Aufbruchstimmung“

Bleckede. Wann immer Dennis Neumann seinen Blick zurzeit durch die Breite Straße schweifen lässt, ist er froh über das, was er sieht. Es passiert nämlich sichtbar etwas am Gebäudebestand in der Bleckeder Stadtmitte. Nach und nach verändert sich das Gesicht der Straße im Zentrum, weil Eigentümer alten Gebäuden zu neuem Glanz verhelfen. „Es herrscht Aufbruchstimmung“, freut sich der Bürgermeister.

Deutlich mehr Projekte als gedacht gehen an den Start beziehungsweise seien in Vorbereitung. „Private Investoren nutzen die Städtebauförderung reichlich“, sagt Neumann. „Bleckede liegt weit vorne bei der Abschöpfung der Mittel, die Land, Bund und EU für Sanierungen zur Verfügung stellen“, berichtet er.

Förderungen zwischen 40 und 45 Prozent

Diese Bereitschaft der Bürger ist ganz im Sinne des Stadtoberhauptes. „Das ist der richtige Weg, um die lange vor sich hin schlummernde Innenstadt weiter zu beleben. Dafür gibt es diese Töpfe“, sagt er. Mit Förderungen zwischen 40 und 45 Prozent ihrer Investitionen können Privatleute rechnen. „Wir haben gute Chancen, eine richtig gute Marke zu werden, als attraktives Ausflugs- und Urlaubsziel an der Elbe“, so Neumann. Das Potenzial im Stadtkern mit seiner historischen Kulisse sei neben Elbe, Hafen und Natur gegeben.

Doch nicht nur die Besucher profitierten von einem lebendigen und attraktiven Stadtzentrum, ist er überzeugt. Die Bleckeder selbst auch. „Denn gleichzeitig werden dadurch Einzelhandel und Gastronomie gestärkt und zum Teil sogar noch weiter entwickelt.“

Einen Beitrag auf dem Weg dahin steuern fünf Bleckeder bei, die alle in der Stadt leben und zum Teil auch in ihr aufgewachsen sind. Sie haben sich zusammengetan, um zwei denkmalgeschützte und seit etwa fünf Jahren leerstehende Häuser an der Breiten Straße zu sanieren: die Hausnummer 35, gebaut im 18. Jahrhundert, und die 37, Baujahr 1890. Das rund zwei Millionen Euro teure Vorhaben, das ebenfalls in die Städtebauförderung aufgenommen wurde, soll noch in diesem Jahr beginnen. Bauzeit: 12 bis 18 Monate.

Einer der Gesellschafter ist Heiko Franken, der vor zwei Jahren von Nutzfelde an die Elbe gezogen ist und schon zwei andere Häuser in Bleckede saniert hat, unter anderem das Gästehaus Alte Schmiede. Das Konzept für die beiden Gebäude an der Breiten Straße sehe vor, dass das Erdgeschoss jeweils für Gewerbe zur Verfügung stehe, die Obergeschosse der Häuser zu Wohnungen umgebaut werden, sodass Wohnraum für bis zu zehn Personen entstehe, erläutert er die Pläne.

Das rund 300 Jahre alte Haus 35 bleibe in seiner Tradition. Einst beherbergte es eine Bäckerei – so soll es auch künftig wieder sein: „Inklusive einem Café“, sagt Franken. Auch in der Nummer 37, bis vor einigen Jahren eine Kneipe, wird an alte Zeiten angeknüpft mit einem neuen Gastronomie-Angebot. „Es zieht eine Weinbar ein. Darüber hinaus ist denkbar, dass auch ein Laden für Deko-Artikel und Kunsthandwerk dort Platz findet.“

Auch der Hafen soll attraktiver werden

Das Konzept für die beiden Gebäude passe zum Ziel, dass die Innenstadt künftig noch stärker zum Verweilen und Flanieren einladen soll, meint Dennis Neumann. Zumal die Stadt flankierend dazu plane. „Am Hafen haben wir begonnen, diesen attraktiver zu gestalten. Das setzen wir fort. Für die künftige Gestaltung des innerstädtischen Bereichs mit Breiter Straße, Zollstraße, Schlossstraße und Friedrich-Kücken-Straße hat sich eine Arbeitsgruppe gebildet“, sagt er.

Ein wesentlicher Baustein sei aber, dass die Stadt die Trägerschaft der Breiten Straße vom Land übernehme, die jetzige Landes- eine Gemeindestraße werde. „Dann haben wir die Möglichkeit, den Verkehr zu harmonisieren, sodass Autos, Fahrräder und Fußgänger die Straße besser als bislang neben- und miteinander nutzen können.“

Von Stefan Bohlmann