Montag , 21. September 2020
Karin Nachtweyh und Erich Hansen mit dem Magazin „Mobil“ für ein bewegtes Leben. Foto: t&w

Bewegung ist das A und O

Lüneburg. Es sind unerträgliche Schmerzen, die zermürben und müde machen. „Als sie bei mir vor 20 Jahren erstmals auftraten, hatte ich Angst, dass ich in nur wenigen Wochen im Rollstuhl lande“, berichtet Karin Nachtweyh. Sie erkrankte damals an Psoriasis-Arthritis, auch Schuppenflechte-Arthritis genannt. Es ist eine von mehr als 400 verschiedenen rheumatischen Erkrankungen. Seit gut einem Jahr ist sie Büroleiterin der Arbeitsgruppe Rheuma-Liga Lüneburg. Dieser gehören 500 Mitglieder an, davon sind 300 aktiv in Sachen Funktionstraining. Das ist wichtig für Menschen mit Rheuma. Doch aufgrund der Corona-Pandemie mussten viele Kurse ausfallen.

Karin Nachtweyh (69) hatte bereits seit ihrer Kindheit unter Schuppenflechte gelitten, als es bei ihr mit knapp 50 zu der entzündlichen Gelenkerkrankung kam. Diese tritt laut dem Deutschen Rheuma-Liga-Verband bei zirka einem Drittel der Menschen mit Schuppenflechte auf. Höllische Schmerzen, geschwollene Gelenke und Fieberschübe. „Da ich wegen meiner Schuppenflechte im Universtätsklinikum Hamburg-Eppendorf in Behandlung war, wurde dort schnell die Diagnose gestellt.“ Es wurde eine medikamentöse Therapie begonnen. „Doch die Schmerzen blieben und die Entzündungswerte gingen nicht runter.“ Die Lüneburgerin wurde wiederholt in Kliniken durchgecheckt, die Mittel gegen die rheumatische Erkrankung geändert – lange ohne Erfolg.

Ziel des Funktionstrainings ist es, Schmerzen zu lindern

Seit 2006 bekommt sie Biologika, die zum Beispiel bei entzündlichen Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder Schuppenflechte eingesetzt werden. „Sie fangen sozusagen bestimmte Signalstoffe ein, die die Entzündung vorantreiben“, beschreibt Karin Nachtweyh. Seither seien Schmerzen und Entzündungen zurückgegangen. Doch um das Fortschreiten der Erkrankung, die nicht heilbar ist, möglichst zu verzögern, ist neben der medikamentösen und Ergotherapie noch etwas ganz wichtig: Bewegung. Betroffene müssen Muskeln und Gelenke trainieren, bei Arthrose und entzündlichen Gelenkerkrankungen gleichermaßen. Dabei ist es wichtig, individuell angepasste Übungen zu machen. Bewegungen, die Gelenke und Muskeln fordern, aber nicht überfordern. Ziel des Funktionstrainings ist es, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu erhöhen, Kraft und Ausdauer zu trainieren und die Koordinationsfähigkeit zu stärken. Dazu bietet sich entweder Trockengymnastik oder Wassergymnastik an – stets in einer Gruppe. Denn Studien zeigen: Rheuma-Betroffene kommen mit ihrer Krankheit in Gesellschaft besser zurecht. Der Austausch mit anderen Patienten erhöht die Motivation. Das Problem nach dem Lockdown: Es dauerte bis Ende Juni, bis die ersten Gymnastikkurse in der Halle wieder angeboten wurden. „Die Wassergymnastik, insgesamt 25 Kurse, ruht leider immer noch, da es nur ein eingeschränktes Angebot fürs Therapiebecken im SaLü gibt“, sagt Erich Hansen (71), der zum ehrenamtlichen Leitungsteam der Arbeitsgruppe gehört. Das sei bedauerlich, weil das Training im warmen Wasser von vielen Betroffenen als besonders angenehm und entlastend empfunden wird. Hansen übernimmt die Organisation der Kurse, die Anmeldungen dafür und kümmert sich darum, dass die Verordnungen schließlich zur Abrechnung an die Krankenkassen der Teilnehmer gehen. Er ist wie auch Brigitte Gerlach ehrenamtlich im Einsatz. „Ohne ihr Engagement ginge vieles nicht. Wir würden uns freuen, wenn es weitere Unterstützung geben würde“, sagt Karin Nachtweyh.

Die Arbeitsgruppe Rheuma-Liga Lüneburg, Bessemerstraße 3, hat Sprechstunde: montags 10 bis 13 Uhr, mittwochs 14 bis 17 Uhr. Telefonisch erreichbar unter 709983.

Von Antje Schäfer