Sonntag , 25. Oktober 2020
Wer ist denn eigentlich wer? Am Set können viele die Zwillinge Lilly und Lylou nicht auseinanderhalten. Beide spielen die Rolle der Lilly Berger. Foto: be

Lylou ist die halbe Lilly

Lüneburg. Ob sie mit ihr nun ein ernstes Wörtchen reden muss oder es um Wünsche für das gemeinsame Abendessen geht, bevor sie mit ihrer Tochter spricht, guckt Jelena Mitschke schon mal genauer hin. Sie will wissen, mit wem sie es denn heute zu tun hat. Denn Lilly ist nicht immer Lilly, sondern häufig auch Lylou. Als Dr. Britta Berger hat Jelena Mitschke bei den Roten Rosen eine Tochter, die in Wirklichkeit zwei sind. Denn die Rolle wird gespielt von eineiigen Zwillingen, eine Hälfte davon heißt auch im echten Leben Lilly, die andere Hälfte eben Lylou. Die neun Jahre alten Schwestern aus Melbeck sind seit fünf Jahren im Wechsel immer wieder als Tochter von Britta und Ben im Ersten zu sehen. Gar noch etwas jünger mit seinen acht Jahren ist Lenny aus Häcklingen, der in der aktuellen Staffel Oskar, den Sohn von Alex Maiwald und Judith Schäfer spielt. Alle drei zählen zu den jüngsten Mitgliedern der großen Rosen-Familie.

Lenny muss in seiner Rolle als Oskar so manchen Streit zwischen seinen Serien-Eltern Judith und Alex aushalten. Foto: be

Für die Serienmama gibt es von der echten Mama der Mädels, Ulrike Röder, erstmal ein Lob: „Sie kann die beiden von allen am Set am besten unterscheiden – eigentlich ist sie aber auch die einzige.“ Das liegt aber weniger an mangelhafter Beobachtungsgabe der Schauspielerkollegen, die Mädchen gleichen sich nicht nur wie ein Ei dem anderen, sie sind auch oft gleich angezogen, wenn sie gemeinsam unterwegs sind. Auch beim LZ-Termin: Das gleiche Oberteil, die gleiche gestreifte Hose, die gleiche Frisur. Immerhin: Die Farbe der Socken ist unterschiedlich – und die Farbe der Haarspange.

Doch ob die Erwachsenen sie nun unterscheiden können oder nicht, allesamt seien sie richtig nett zu ihnen, versichern die beiden. Im Schnitt etwa einmal pro Woche ist ihr Einsatz vor der Kamera gefordert. Natürlich nachmittags, die Schule hat schließlich Vorrang. Und weil sich die Schwestern, die gerade in die 4. Klasse der Grundschule Melbeck gekommen sind, die Arbeit ja teilen können, muss jede von ihnen also nur etwa alle zwei Wochen ran.

Lilly mag vor allem die Tage, an denen es nicht ins Studio im Industriegebiet Hafen geht, sondern irgendwo im Freien die Kameras laufen: am Stint zum Beispiel. „Die Außendrehs sind eigentlich immer besonders schön“, sagt die Nachwuchsdarstellerin, die vor ihrem Rosen-Debüt sogar schon gemodelt hat. Für Lylou hat das Rosen-Highlight vier Beine und einen Schwanz: „Mit Betty zu spielen macht am meisten Spaß“, outet sie sich als großen Fan des Serienhundes. Und beide freuen sich, wenn das Drehbuch ihnen Leckereien spendiert, so wie einmal, als es gleich drei Schokoeier gab.

Extra-Taschengeld kommt aufs Sparbuch

Wer von ihnen nun besser vor der Kamera agiert, da wollen sie sich selbst nicht festlegen, unterschiedliche Stärken und Schwächen haben sie aber sehr wohl schon bei sich ausgemacht. Lilly nennt ein Beispiel: „Lylou kann besser witzig spielen.“ Dafür kann Lilly aber andere Sachen besser, wirft die Schwester gleich ein. Den Text für ihre Szenen lernen sie gemeinsam mit der Mama, ein Schauspielcoach geht die Szenen dann kurz vor dem Dreh nochmal mit ihnen durch. Der Einsatz lohnt sich: „Ich musste schon mal ein Autogramm geben – beim Bäcker“, erzählt Lilly, Und ein bisschen Taschengeld gibt es schließlich auch noch. Doch ein Leben in Saus und Braus, das ist für die kleinen Fernsehstars mit Mama Ulrike Röder nicht drin: „Das Geld wird gespart, das kriegen sie, wenn sie 18 sind.“

Ein bisschen Extra-Taschengeld fürs Sparbuch verdient sich seit einem Jahr auch Lenny Köber bei den Rosen dazu. Als Oskar ist er seither immer mal wieder mit seinen Serieneltern Alex und Judith oder mit Opa Bruno auf dessen Ziegenhof auf dem Bildschirm zu sehen. Dabei ist er nicht der erste aus seiner Familie auf der Lohnliste der Produktionsfirma: Lennys Papa sorgt seit 2018 quasi mit für den guten Ton in der Serie – fängt als Tonangler die Dialoge der Schauspieler ein. Und eigentlich hätte sein kleiner Bruder die Rolle ursprünglich übernehmen sollen. Aber der wollte nicht, da sprang Lenny ein.

Bereut hat der Drittklässler der Grundschule Häcklingen das bislang nicht. Die erwachsenen Schauspieler seien alle sehr nett, vor allem sein „Papa“, den Philipp Oliver Baumgarten spielt: „Der macht immer viel Quatsch“, verrät Lenny, der es auch „cool“ findet, wenn er fürs Fernsehen was Essen darf, „Eis zum Beispiel“. Überhaupt: An einen blöden Drehtag kann auch er sich nicht erinnern. „Nur komisch war es schon mal, wenn man mitten am Tag im Schlafanzug vor der Kamera steht.“ Nur gut, dass seine Mitschüler das wohl auch nicht mitbekommen haben. Zwar ist Lenny seit seinem eigenen Einstieg Stammzuschauer der Rosen geworden, aber er verrät auch: „In meiner Klasse guckt das eigentlich keiner großartig.“

 

Wer zustimmen muss

Strikte Vorgaben

Für die ganz jungen Darsteller gelten besondere Regeln. Maximal zweimal pro Woche dürfen Kinder drehen, natürlich stets nach der Schule, meist bleibt es aber bei einem Einsatz pro Woche, der dann auch drei Stunden am Set und fünf Stunden im Studio nicht überschreiten darf. In jedem Fall müssen neben den Eltern auch Schule, Jugendamt, Arzt und Gewerbeaufsichtsamt grünes Licht geben, ehe ein Kind regelmäßig zum Einsatz kommen darf. Und alle drei Monate muss eben diese Genehmigung erneuert werden. Natürlich bekommen auch die jungen Darsteller eine Aufwandsentschädigung, also ein kleines Gehalt.

Von Alexander Hempelmann