Dienstag , 20. Oktober 2020
In der Bardowicker Feldstraße wird nach Aussage der Anwohner zu schnell gefahren. Foto: t&w

An die eigene Nase gefasst

Bardowick. Die Autos sind zu schnell, aber die Bremsschwellen zu laut: Bewohner der Siedlung gegenüber des Bardowicker Bahnhofs stecken in einer Zwickmühle. Die Tempo-30-Zone werde schlicht ignoriert, klagt Anwohner Johannes-Peter Marker. Immer wieder komme es zu deutlichen Tempoverstößen. Darum hatte die Gemeinde bereits reagiert und Bremsschwellen auf der Feldstraße montiert. Die seien aber nicht gut angekommen in der Nachbarschaft, so Marker, der auch Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Samtgemeinde Bardowick ist. „Die Schwellen sind einfach zu laut für die unmittelbaren Anwohner. Fährt da ein Anhänger drüber, knallt es fürchterlich.“ Was also tun?

Laut Gemeindedirektor Heiner Luhmann stünden alternativ zu den schwarz-gelben Bremsschwellen sogenannte „Berliner Kissen“ zur Debatte. Die könnten direkt mit dem Straßenbelag verklebt werden und seien dadurch deutlich leiser. Doch da­ran hat Marker Zweifel: „Dieses Knallen, Abbremsen und Gasgeben wird bleiben. Das kann auch emissionstechnisch nicht im Sinne des Erfinders sein.“

Aufpflasterung der Straße wäre sehr teuer

Nach einer weiteren Alternative gefragt, sagt Luhmann: „Die dritte Variante ist eine Aufpflasterung der Straße, aber das wäre sehr teuer.“ Marker, der auch stellvertretender Bürgermeister von Bardowick ist, will aber die Kasse der Gemeinde nicht belasten – zumal es sich bei der Raserei um ein hausgemachtes Problem handele: Zu schnell würden nicht Besucher durch die Siedlung fahren, sondern ihre Bewohner selbst. „Bevor also weitere Maßnahmen von der Gemeinde getroffen werden, sollten sich die Anwohner an ihre eigene Nase fassen“, findet er und schließt sich selbst nicht aus.

Darum hat Marker zusammen mit seinen Nachbarn nun Hinweisschilder anfertigen lassen. Die wollen sie Anfang kommender Woche an die Laternen basteln. „Schließlich wollen wir alle keinen Ärger.“ Luhmann begrüßt diese Idee: Man wolle nun 14 Tage lang beobachten, ob sich die Situation verbessert. Marker ist guter Hoffnung. „Wir wollen zeigen, dass man auch ohne teure Baumaßnahmen etwas erreichen kann: Ruhe und Frieden.“

Von Anna Petersen